Avigan Tabletten

Fujifilm startet Studie Neuer, alter Covid-19-Hoffnungsträger?

Stand: 21.04.2021 14:49 Uhr

Der japanische Fujifilm-Konzern hat eine neue Studie zur Behandlung von Covid-19-Patienten mit seinem Grippemittel Avigan gestartet. Es hat allerdings starke Nebenwirkungen.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Keine Frage: Die digitale Fotografie hat viele Vorzüge. Man muss keine Filme mehr kaufen, wechseln oder entwickeln lassen, und das Ergebnis kann sofort betrachtet werden. Und doch gibt es nicht wenige Foto-Liebhaber, die den Charme der analogen Fotografie vermissen.

Dabei gab und gibt es für Amateure wie Profis damals wie heute eigentlich nur die Wahl zwischen Fujifilm oder Kodak. Während Eastman Kodak 2012 ein Insolvenzverfahren beantragen musste, konnte sich das 1934 in Tokio gegründete Unternehmen Fujifilm am Markt behaupten - nicht zuletzt dank diverser anderer Standbeine etwa in der Medizintechnik und Pharmaforschung.

Photofilmrollen von Fuji

Fujifilm stellt längst nicht mehr nur Filmrollen her.

Eines der Pharmaprodukte aus dem Hause Fujifilm sorgt spätestens seit Ausbruch der Corona-Pandemie immer wieder für neue Schübe der Hoffnung, aber auch Enttäuschung: das Mittel Avigan. Eine Tochterfirma von Fujifilm hatte das Medikament ursprünglich als Grippemittel entwickelt.

Zeit der Erkrankung verkürzt

Die heute gestartete neue Phase-III-Studie dient der Überprüfung der Wirksamkeit von Avigan bei der Behandlung von Covid-19-Patienten, die über 50 Jahre alt sind oder ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Dabei handelt es sich um eine so genannte Doppelblindstudie; es wissen also weder der Versuchsleiter noch die Patienten, ob im konkreten Fall das Medikament oder ein Placebo verabreicht wird.

Bereits im Herbst 2020 hatte Fujifilm die Ergebnisse einer klinischen Phase-III-Studie mit 156 Covid-19-Patienten zu Avigan vorgestellt. Demnach verkürzte sich die Behandlungsdauer beim Einsatz von Avigan um drei Tage.

Virusvermehrung wird blockiert

Doch wie wirkt eigentlich Avigan? Der enthaltende Wirkstoff Favipiravir hemmt die virale "Kopiermaschine", die sogenannte RNA-Polymerase. Dadurch wird die Virusvermehrung blockiert. Es ähnelt insofern auf den ersten Blick dem Mittel Remdesivir - dem ersten Corona-Medikament, das in Deutschland zulassen wurde. Neuen Studien zufolge kann Remdesivir allerdings die virale Reproduktion nicht vollständig stoppen.

Avigan hat seine Wirksamkeit gegen ein breites Spektrum von viralen Erregern bereits unter Beweis gestellt, darunter zahlreiche Arten und Subtypen von Influenzaviren. 2014 wurde es erfolgreich gegen Ebola eingesetzt. 2016 lieferte die japanische Regierung das Mittel als Nothilfe zur Bekämpfung der Ebola-Seuche nach Guinea. Mediziner nehmen an, dass der Arzneistoff auch die RNA-Polymerase von Coronaviren hemmen kann. Schließlich gehören diese genauso wie die Influenzaviren zu den RNA-Viren.

In den meisten Ländern nur Reservemedikament

Heute ist Avigan bereits in einigen Ländern wie Russland, Indien und Indonesien als Covid-19-Behandlung zugelassen. In zahlreichen weiteren Ländern wird es nur als Notfall-Medikament bei Erkrankten genutzt, für die es keine andere Behandlungsoption gibt. In Deutschland kann es laut dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte im Rahmen eines individuellen Heilungsversuches zum Einsatz kommen.

Übrigens: Auch bei seinem ursprünglichen Einsatz als Grippemittel konnte Avigan die hohen Erwartungen bislang nicht erfüllen. Hoffnungen, Avigan könnte gar das bekannte Grippemedikament Tamiflu ersetzen, sollten sich nicht bewahrheiten. Das liegt nicht zuletzt an den schweren Nebenwirkungen des Medikaments.

Avigan hat sich in Tierversuchen als "fruchtschädigend" erwiesen: Es führte zu fötalen Fehlbildungen und konnte sogar in Sperma nachgewiesen werden. Avigan wird daher selbst in seinem Heimatland Japan nur als Reservemedikament gegen Influenza genutzt, kommt also erst dann zum Einsatz, wenn alternative Medikamente versagen.