Weibliche Abgeordnete unterhalten sich in einer Gruppe am Rande einer Plenarsitzung (Archivbild). | Bildquelle: dpa

Kommentar zur Frauenquote Es hätte ruhig mehr sein dürfen

Stand: 07.01.2021 11:15 Uhr

Dass der Staat von börsennotierten Firmen die Besetzung von Vorstandsposten mit Frauen verlangt, ist richtig. Besser wäre aber eine Frauenquote gewesen, die ihren Namen tatsächlich verdient.

Ein Kommentar von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

Die Quote kommt, twittert Olaf Scholz, und die üblichen verdächtigen Quotengegner haben Puls. Aber ruhig Blut, regt euch ab. Das, was Scholz und die SPD den Koalitionspartnerinnen CDU und CSU abringen konnte, ist nicht mehr als ein Quötchen. In Bürokratensprech: eine Mindestbeteiligung von Frauen in Unternehmen, wenn diese börsennotiert und mitbestimmungspflichtig sind. Und in Normalosprech: In bestimmten großen Firmen muss im Vorstand demnächst eine Frau dabei sein. Eine! In Worten: eine! Das ist nun wirklich keinerlei Aufregung wert.

Freiwilligkeit funktioniert nicht

Zugegeben: Es ist ein Paradigmenwechsel. Der Staat schreibt Unternehmen vor, dass sich in den Vorständen von Unternehmen Frauen befinden müssen. Das gab es bisher nicht, nicht in Deutschland. So gesehen: gut. Aber eine Quote ist das nicht, denn eine solche würde einen Anteil festschreiben, also dass 30 oder 40, am besten 50 Prozent aller Vorstandsmitglieder Frauen sein müssen.

Dazu fehlt aber entweder Mut oder Wille oder schlicht die Erkenntnis, dass das notwendig ist. Was auch immer: Das eine ist so bitter wie das andere. Denn dass Freiwilligkeit nicht funktioniert, ist hinlänglich bekannt - in den letzten Jahren hat sich doch kaum etwas bewegt in den Teppichtetagen der Großunternehmen. Männer haben das Sagen, sie entscheiden. Thomas fördert in der Regel lieber Thomas, Frank fördert Frank.

Ihr Argument: Es gebe nicht genug qualifizierte Frauen. Dass Studien das längst widerlegt haben und andere Staaten es längst besser wissen, wird stur ignoriert. Deshalb liegt der Anteil von Frauen in Führungspositionen in Deutschland noch immer auf dem Niveau eines Entwicklungslandes. Im Land der Dichter und Denker, das man neben bei bemerkt auch mal umbenennen könnte.

Gemischte Teams sind erfolgreicher

Die Boston Consulting Group hat jüngst belegt, dass Unternehmen mit gemischten Führungsteams - also Männer und Frauen - bessere Gewinne erzielen. Es geht also nicht nur um Frauenförderung und -beteiligung, sondern auch um Unternehmensgewinne. Frauen bringen andere Qualitäten ein als Männer. Dass sich das immer noch nicht hinreichend herum gesprochen und für Konsequenzen gesorgt hat, zeigt die Rückständigkeit der deutschen Unternehmenskultur.

Von den 70 Unternehmen, die vom Gesetz für gleichberechtigte Teilhabe betroffen sind, haben 30 keine Frau im Vorstand. Das soll nicht mehr sein. Wenn der Bundestag zustimmt, wovon auszugehen ist, wird sich was ändern - aber eben nicht viel. Frauen werden ein bisschen beteiligt, sie werden ein bisschen einbezogen, entscheiden werden sie nicht, weil eine allein gegen die männlichen Vorstände nichts ausrichten kann. Bleibt wieder einmal zu hoffen, dass die Unternehmen von selbst darauf kommen, dass ihnen mehr Frauenpower gut tun würde. Oder dass endlich eine Quote kommt, die den Namen verdient.

Kommentar - Das ist keine Frauenquote, sondern allenfalls ein Quötchen
Sabine Henkel, ARD Berlin
06.01.2021 19:04 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. Januar 2021 um 01:20 Uhr und 05:20 Uhr.

Korrespondentin

Sabine Henkel Logo WDR

Sabine Henkel, WDR

Darstellung: