Frauen stehen mit Männern in einem Geschäftsgespräch zusammen | Look

Förder-Fonds geplant Neues Frauennetzwerk für Start-ups

Stand: 17.06.2021 13:58 Uhr

Frauen sind in den Chefetagen junger Unternehmen eine Seltenheit. Wie eine Studie zeigt, liegt das auch an der Unternehmenskultur. Das will ein neues Netzwerk ändern.

Frauen schaffen es laut einer Studie bisher nur selten an die Spitze börsennotierter Start-ups. "Die Jungunternehmen wiederholen den Konstruktionsfehler der vorhergehenden Generation: Sie wachsen ohne Frauen", so Wiebke Ankersen und Christian Berg, Leiter der gemeinnützigen AllBright-Stiftung. Die deutsch-schwedische Organisation setzt sich für mehr Frauen und Vielfalt in den Führungspositionen ein.

In der Chefetage liege der Frauenanteil bei den zehn Unternehmen, die in den vergangenen 15 Jahren gegründet worden und in der DAX-Indexfamilie vertreten sind, bei 5,4 Prozent. Bei den insgesamt 160 Unternehmen aus DAX, MDAX und SDAX sind es im Schnitt 12,6 Prozent.

Männer dominieren

Nach der Studie ist die Spitze junger Unternehmen, bis auf den Online-Möbelhändler Home24 und das Pharmaunternehmen Medios, fast ausschließlich mit Männern besetzt. "Die Gründer umgeben sich häufig mit Personen, die ihnen sehr ähnlich sind und halten an ihnen fest", heißt es in der Studie.

Delivery Hero sei das einzige Unternehmen in der obersten Börsenliga, das noch die "Zielgröße null" angibt. Das heißt, dass das DAX-Unternehmen den Vorstand bisher ohne Frauen plant. Das Unternehmen erklärt, dass sich die Zusammensetzung des Vorstands bewährt habe. "Dies schließt jedoch eine Steigerung des Frauenanteils auf dieser Führungsebene selbstverständlich nicht aus."

Politik beschließt neue Quoten

Ein kürzlich vom Bundestag verabschiedeter Gesetzentwurf sieht vor, dass in börsennotierten und mitbestimmten Firmen mit mehr als 2000 Beschäftigten und mehr als drei Vorständen künftig mindestens eine Frau im Vorstand sitzen muss. Bei Neubesetzungen der Posten muss darauf Rücksicht genommen werden.

Nach dem Gesetzesentwurf sollen andere Unternehmen, die nicht unter die Vorgabe fallen, künftig begründen, wenn sie den Vorstand ohne Frauen planen. Geschieht das nicht, sollen Bußgelder drohen.

Neues Investment-Netzwerk für Start-ups

Um Frauen in Unternehmensneugründungen zu unterstützen, haben rund 60 Managerinnen großer Konzerne sowie Politikerinnen ein Unterstützerinnennetzwerk gegründet. Mit ihrem Verein encourageventures wollen sie "Gründerinnen von der Gründungsidee bis zum Börsengang" begleiten, wenn mindestens eine Frau zum Gründerteam gehört, erklärt Initiatorin Ina Schlie.

Dafür ist der Aufbau eines 100 bis 200 Millionen Euro schweren "All-Female-Growth-Fonds" geplant, aus dem die Unterstützungen geleistet werden sollen. Von Frauen geführte Start-ups haben es schwerer, an Kapital zu kommen. "Nur fünf Prozent der Gründerinnenteams haben laut Female Founders Monitor 2020 bereits eine Millionen Euro oder mehr externes Kapital erhalten", teilt Alexa Gorman vom Softwarekonzern SAP mit. "Bei den Gründerteams sind es dagegen rund 30 Prozent."

Zu dem Netzwerk gehören neben Schlie und Gorman unter anderen die frühere Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries, die Güterverkehrschefin der Deutschen Bahn, Sigrid Nikutta, sowie Douglas-Chefin Tina Müller.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Juni 2021 um 15:00 Uhr.

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Moderation 17.06.2021 • 21:47 Uhr

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