Foxconn zeigt Interesse an E-Auto-Produktion von Lordstown Motors | picture alliance / ZUMAPRESS.com

Apple-Zulieferer Foxconn legt sich Autofabrik zu

Stand: 01.10.2021 14:04 Uhr

Foxconn, der vor allem als Auftragsfertiger für Apple bekannte Konzern aus Taiwan, steigt ins Autogeschäft ein. Dazu hat er in den USA eine Fabrik übernommen.

Der taiwanesische Auftragsfertiger Foxconn nutzt die Nöte des Elektroauto-Entwicklers Lordstown Motors, um dessen Werk im US-Bundesstaat Ohio aufzukaufen. Der Preis liegt Unternehmensangaben zufolge bei 230 Millionen Dollar. Ein endgültiger Deal müsse allerdings noch ausgehandelt werden.

Ein neuer Auftragsfertiger für die Autoindustrie

Im Januar war Foxconn bereits beim ins Straucheln geratenen Elektroauto-Entwickler Byton eingestiegen, um ihn bei dem für Anfang 2022 angepeilten Produktionsstart des ersten Modells M-Byte zu unterstützen. Damit entwickelt sich Foxconn, der bisher vor allem als Hersteller von Apple-Geräten bekannt ist, zunehmend auch als Auftragsfertiger für die Autoindustrie. Der Konzern hat bereits eine eigene Fahrzeug-Plattform entwickelt und sicherte sich kürzlich den Elektroauto-Entwickler Fisker als ersten Kunden für eine Auftragsfertigung.

Mit dem Kauf des US-Werks könne das gemeinsame Fahrzeug schneller in die Produktion gehen, schrieb Gründer Henrik Fisker bei Twitter. Zusammen mit Foxconn will Fisker ein neues Modell entwickeln, das 2023 auf den Markt kommen soll. Pro Jahr sollen mehr als 250.000 Fahrzeuge davon gebaut werden. Sein erstes Modell, Ocean, baut Fisker mit dem erfahrenen österreichischen Auto-Auftragsfertiger Magna.

Lordstown stand unter Druck

Als Teil des Deals mit Lordstown soll Foxconn auch die Fertigung von Fahrzeugen der Firma in dem gekauften Werk übernehmen, darunter auch des ersten Modells, des Pickups Endurance. Auf dem US-Automarkt sind Pickups die lukrativsten Fahrzeuge, und die etablierten Hersteller wetteifern mit jungen Firmen darum, die Kategorie auf Elektroantriebe umzustellen.

Lordstown Motors kämpft allerdings mit Problemen und hatte Anleger im Sommer gewarnt, dass das Überleben der Firma nicht gesichert sei. Die Fabrik hatte Lordstown vor rund zwei Jahren für 20 Millionen Dollar General Motors abgekauft. Der Autoriese stand unter Druck des damaligen US-Präsidenten Donald Trump und suchte nach einem Käufer für das bereits geschlossene Werk.

Joint Venture mit Stellantis

Der Zeitung Nikkei Asia zufolge erwägt Foxconn auch Autofabriken in Europa zu errichten. Es würden bereits Gespräche über mögliche Standorte geführt. In Thailand will Foxconn dem Bericht zufolge zusammen mit dem thailändischen Gas- und Mineralölunternehmen PTT jährlich 150.000 bis 200.000 Stromer für den südostasiatischen Markt fertigen.

In Europa hat Foxconn im Mai ein Joint Venture mit der Opel-Mutter Stellantis gegründet. Das Gemeinschaftsunternehmen soll die Cockpits aller Stellantis-Marken von Peugeot bis Maserati fertigen. Immer wieder gib es auch Berichte über Ambitionen des wichtigsten Foxconn-Kunden, Apple, ein eigenes Elektroauto auf den Markt zu bringen. Die Taiwanesen sind gerade dabei, das dafür nötige Know-how zu erwerben.