Geschlagenes Holz aufgestapelt in einem Wald | dpa

Waldbesitzer in der Krise Im Holz-Boom gehen Forstbetriebe leer aus

Stand: 05.08.2021 13:45 Uhr

Corona hat die Nachfrage nach Holz stark steigen lassen - und damit auch die Preise. Doch Waldbesitzende haben davon kaum etwas - die Profiteure sitzen anderswo.

Von Janine Hilpmann, hr

2019 und 2020 waren die schwersten Jahre für Christian Hardt. Es gab kaum Regen, und die Holzpreise waren im Keller. Die finanziellen Folgen spürt er bis heute. "Die psychologische Lage war schlimm", erzählt der 34-Jährige vom Forstbetrieb Bever. Im Bergischen Land bewirtschaftet er in fünfter Generation seinen Wald. Insgesamt hatte er mal 40 Hektar Fichtenwald. Das war einmal. Die wenigen übrig gebliebenen Fichten werden den Kampf gegen den Borkenkäfer dieses Jahr verlieren, ist er sich sicher.

Janine Hilpmann

In den vergangenen Jahren haben Dürre und Borkenkäferbefall laut der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) für eine Schadfläche von 277.000 Hektar - eine Fläche etwas größer als das Saarland - und einem Schadholzanteil von 171 Millionen Festmetern gesorgt. Larissa Schulz-Trieglaff von der AGDW nennt es eine "Jahrhundertkatastrophe in den Wäldern". Seit Jahren steht die Forstwirtschaft unter einem enormen Dauerdruck. Das Schadholz, das durch Sturmschäden oder andere Belastungen weniger attraktiv für den Markt ist, musste weg, der Holzpreis war vielerorts gering.

Schon bis zu 800 Euro pro Kubikmeter für Schnittholz

Seit der Corona-Pandemie hat sich die Lage verändert. Reisen war nicht möglich, und so wurde und wird hierzulande, aber auch in China und in den USA gebaut, saniert und ausgebaut - und das immer öfter mit dem klimafreundlichen Material Holz. Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Säge- und Holzindustrie nimmt seit Jahren der Anteil an Holzbauten jährlich konstant um ein Prozent zu.

Seit Monaten steigt daher auch der Schnittholzpreis an. Derzeit liegt er laut Deutschem Forstwirtschaftsrat bei bis zu 800 Euro pro Kubikmeter. Der Festmeter Rundholz an der Waldstraße bleibt allerdings bisher bei um die 80 Euro. Die Folge: Waldbesitzende profitieren kaum von den gestiegenen Holzpreisen am Verbrauchermarkt. Nach der Säge sei Schnittholz teuer wie nie zuvor - Säger und Holzhandel führen riesige Gewinne ein, sagt der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrats (DFWR), Georg Schirmbeck. Doch die Sägewerke zahlten immer noch keine wirtschaftlich vertretbaren Preise an die Waldbesitzer. Auch die AGDW moniert, dass der gestiegene Holzpreis kaum bis gar nicht bei den Waldbesitzenden ankomme.

Kritik an Monopolisierung der Sägeindustrie

Schirmbeck ist überzeugt, dass kein Holzmangel in der Branche besteht. Man könne jede Menge Holz in jeder Qualität liefern, wenn man wirtschaftlich angemessene Holzpreise erhielte. Das eigentliche Problem sieht er woanders: Wenige in Deutschland ansässige internationale Kapitalanleger hätten den deutschen Sägemarkt unter sich aufgeteilt - mit Wissen des Bundeswirtschaftsministeriums, das jetzt tätig werden müsse.

Faktisch ist die Situation der Forstwirtschaft schon seit Jahren schlecht. Durch die Extremwettereignisse von 2018 bis 2020 sind laut einer Studie des Forstwirtschaftsrats Schäden von mehr als 12,7 Milliarden Euro entstanden - das Zehnfache des branchenweiten jährlichen Nettogewinns. Die Soforthilfeprogramme durch Bund und Länder deckten allerdings lediglich zehn bis fünfzehn Prozent der Schäden ab. Forstwirt Hardt plündert momentan gezwungenermaßen seine Ressourcen der nächsten zehn bis zwanzig Jahre, wie er selbst sagt. Auch er spürt kaum etwas vom Holzboom. Er rechnet lediglich damit, dass sich dadurch die Einnahmen in diesem Jahr etwas verbessern.

Experte Wohlleben fordert Prämien für naturnahe Wälder

Gleichzeitig versucht er seinen Wald den klimabedingten Herausforderungen anzupassen. Dieses Ziel verfolgt auch die AGDW. 70 Prozent der Wälder in Deutschland bestehen heute aus Mischwäldern oder reinen Laubwäldern, in der nächsten Laubgeneration soll der Anteil auf 90 Prozent steigen. Parallel fordert der Verband eine Honorierung der Klimaschutzleistung des Waldes. Sie solle aus dem Energie- und Klimafonds kommen, in den die CO2-Emittenten aus dem Verkehr- und Gebäudesektor einzahlen.

Förster und Buchautor Peter Wohlleben geht noch einen Schritt weiter. Er fordert eine noch stärkere Orientierung an heimischen Waldökosystemen, die in erster Linie aus Laubbäumen bestehen. Wohlleben schlägt außerdem vor, dass Waldbesitzende für naturnahe Wälder zukünftig eine jährliche Prämie bekommen. Denn heimische Laubwälder kühlten die Landschaft um bis zu zehn Grad herunter und sorgten auch für mehr Niederschläge. Außerdem fordert er grundsätzlich eine ökologische Waldbewirtschaftung. "Wie viel Holz wir in Zukunft noch nutzen können, sollte sich nicht am Bedarf der Holzindustrie orientieren, sondern am Leistungsvermögen der Wälder", sagt der 57-Jährige. Je wärmer und trockener es werde, desto mehr Biomasse brauche der Wald für sich selbst.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 05. August 2021 um 07:07 Uhr.