Logo des Autoherstellers Ford | REUTERS

Stellenabbau im Ford-Werk In Saarlouis liegen die Nerven blank

Stand: 14.09.2021 15:57 Uhr

In der Belegschaft des Ford-Standorts Saarlouis machen sich Zukunftsängste breit. Monatelang standen wegen des Halbleitermangels die Bänder still, nun überprüft der Autokonzern die Effizienz des Werks.

Von Karin Mayer, SR

Schon seit dem vergangenem Jahr fehlen Autoherstellern weltweit die Halbleiter. Das hat Folgen für die deutschen Standorte. Besonders hart trifft der Halbleitermangel Ford - die Stimmung im Werk in Saarlouis ist angespannt. Erst sorgte die Corona-Pandemie für lange Stillstände, dann folgten der Halbleitermangel und ein monatelanger Produktionsstopp. Jetzt fordern Beschäftigte, Betriebsrat und die IG Metall bei einem Aktionstag eine Zukunftsperspektive.

Wer sich den Kurzarbeitsplan des Betriebsrates anschaut, kann nur staunen: mehr als vier Monate Stillstand hat das Werk im ersten Halbjahr 2021 hinter sich. Die Folge: Die Belegschaft sei verunsichert, die Angst gehe um, so der Betriebsratsvorsitzende Markus Thal.

Standortcheck in Zeiten des Mangels

Eine Zeit wie diese hat das Werk in über 50 Jahren noch nicht erlebt. Seither werden in Saarlouis Autos gebaut. Aktuell läuft der "Focus" vom Band. Im September ist bisher keine Kurzarbeit geplant. Das gelinge in dieser Woche nur, weil der Autobauer die nötigen Halbleiter aus einem anderen Werk abziehe, so die Informationen des Betriebsrats. Die Produktion am rumänischen Standort Craiowa steht - dort wird das Modell "Puma" hergestellt. Die Halbleiter für die Modelle seien baugleich, heißt es.

Fatal für das Werk Saarlouis: Gerade jetzt prüft der Autobauer, ob der Standort effizient ist. Das Werk in Saarlouis hofft ebenso wie Valencia auf eine Modellzusage für die Zeit nach 2025. Nur wer beweist, dass die Belegschaft fit ist und die Produktivität steigt, hat die Chance auf ein neues Modell.

IG Metall macht Druck

In Saarlouis bedeutet das in diesem Jahr: Es müssen wieder Stellen abgebaut werden. 600 in diesem Jahr, 1800 Festangestellte und Leiharbeitnehmer waren es bereits 2018. Damals hat der Hersteller die Nachtschicht gestrichen. Aktuell hat der Standort noch rund 5000 Mitarbeiter. Betroffen von den wochenlangen Stillständen sind aber auch die Zulieferer rund um das Werk, mit weiteren 2000 Beschäftigten.

Die Entscheidung für Saarlouis soll frühestens Mitte 2022 fallen. Die Gewerkschaft IG Metall will aber schon jetzt ein Zeichen setzen. Im Hintergrund liefen die Verhandlungen für ein neues Modell schon, so Lars Desgranges von der IG Metall Völklingen. Der Belegschaft sei beim Verlust der Nachtschicht ein Zukunftsprodukt versprochen worden. Er fordert deshalb ein klares Signal, dass der Autohersteller eine positive Entscheidung für den Standort trifft. Mit ihrem Aktionstag will die Gewerkschaft zeigen, was für den Hersteller auf dem Spiel steht.

Branche weltweit betroffen

Der Automarkt ist im Umbruch. Der Hersteller Ford hat im vergangenen Jahr eine Elektrostrategie bekanntgegeben. Der Standort Köln hat bereits eine Modellzusage bekommen. Vergangene Woche wurde bekannt, dass der US-Autohersteller seine Produktion in Indien aufgibt. Stattdessen will das Unternehmen auf globale Modelle setzen, es führt den "Mustang Mach E" als Beispiel an. Auch in Brasilien hat der Konzern die Produktion eingestellt - wegen des Halbleitermangels und der Corona-Pandemie.

Im ersten Corona-Lockdown haben viele Autokonzerne ihre Produktion gestoppt. Die Halbleiterhersteller bekamen in dieser Zeit neue Aufträge aus der Elektronikindustrie. Weil der Bedarf an Unterhaltungselektronik während der Pandemie stark gestiegen ist und die Chip-Produktion nicht kurzfristig gesteigert werden kann, leiden viele Autohersteller derzeit unter einem Versorgungsengpass.

Über dieses Thema berichtete SR3 am 14. September 2021 um 06:44 Uhr.