Eine Hand greift nach einer Fleischpackung in einem Supermarkt in Taiwan | Bildquelle: AP

Studie zu Branchentrends Weltweiter Fleischkonsum steigt

Stand: 06.01.2021 16:30 Uhr

Corona hat die Probleme der Fleischproduktion in den Fokus gerückt. Die Nachfrage wächst international weiter - mit schweren Folgen für das Klima, wie der "Fleischatlas 2021" zeigt.

Von Anja Dobrodinsky, rbb

325 Millionen Tonnen Fleisch werden weltweit jährlich erzeugt, Tendenz steigend. Das rechnen der BUND und die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung in ihrem "Fleischatlas 2021" vor. Der Konsum sei je nach Region sehr unterschiedlich, erklärt Stiftungsvorstand Barbara Unmüßig: "Ein US-Bürger verspeist hundert Kilo pro Kopf, ein deutscher Durchschnittsbürger verzehrt so ungefähr 60 Kilo, aber in Afrika zum Beispiel liegt der Pro-Kopf-Konsum nur bei 17 Kilo."

Klimakiller Massentierhaltung

China holt auf und liegt bei 50 Kilo Fleisch und Person im Jahr. Ohne eine Reform werden Produktion und Verbrauch weiter steigen und das Klima immer schneller beeinflussen. Schon jetzt verursacht die Tierhaltung knapp 15 Prozent der globalen Emissionen. Die Verbände fordern einen Rückgang des Fleischkonsums um die Hälfte.

"Der erste Schritt wäre eine Imagekampagne für klimafreundliche Ernährung", erklärt Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND, und verlangt von der Politik als weiteren Schritt eine verpflichtende Kennzeichnung der Tierhaltung. "Die öffentliche Hand, die Beschaffung müsste Vorbildfunktion übernehmen für klimafreundliche Ernährung", so Bandt. 

Fläche als Maßstab für Tierhaltung

Wie viele Tiere ein Bauer halten darf, müsse in Zukunft wieder von seiner Fläche abhängen. Darauf müsse nicht nur ausreichend Platz für die Tiere, sondern auch für deren Futter sein. Im Moment gibt es einen gegenteiligen Trend: Die Menge der Tiere pro Betrieb steigt. Deshalb werden riesige Mengen Futter wie Soja oder Mais aus Südamerika importiert.

Doch das zerstöre dort Wälder und sorge für Artensterben, warnt Heinrich-Böll-Stiftungsvorstand Unmüßig. "Die Bauern müssen möglichst ihre Futtermittel selber anbauen. Und wenn es hie und da noch Kraftfutter braucht, dann kann man da sicherlich auch über den einen oder anderen Import von Futtermitteln reden."

Junge Leute essen weniger Fleisch

Umgekehrt fordern die Verbände auch eine Abkehr vom Fleischexport. Deutschland hat eine Spitzenposition bei der Erzeugung von Schweinefleisch und verkauft immer mehr ins Ausland. Eine Umfrage für den Fleischatlas unter jüngeren Menschen in Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen habe ergeben, dass mehr als 70 Prozent der 15- bis 29-Jährigen die Fleischproduktion in Deutschland in ihrer jetzigen Form ablehnten, sagt Unmüßig. "13 Prozent der jungen Generation ernährt sich vegetarisch oder vegan, und das sind doppelt so viele wie der Durchschnitt der Bevölkerung in Deutschland."

70 Prozent seien bereit, mehr Geld für Fleisch zu bezahlen, wenn sich dadurch die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten und die Lebensbedingungen der Tiere verbessern. Der Fleischatlas zeigt auch: Der Hauptgrund für die Übertragung von Krankheiten von Tieren auf den Menschen, wie auch bei Covid-19 vermutet, ist die immer weitere Ausdehnung der Agrarflächen. 

Fleischatlas 2021
Anja Dobrodinsky, RBB
06.01.2021 14:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. Januar 2021 um 16:48 Uhr.

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