Ein Mitarbeiter des Kabelherstellers Lapp kontrolliert das Aufrollen eines Kabels | picture alliance / Sina Schuldt/

Reform der Körperschaftssteuer Familienunternehmen werden entlastet

Stand: 21.05.2021 17:19 Uhr

Die rund drei Millionen Familienunternehmen in Deutschland können sich bald wie Kapitalgesellschaften besteuern lassen, was sie deutlich entlasten wird. Das hat der Bundestag am Freitag beschlossen.

Jahrelang hatten mittelständische Unternehmen für eine Reform der Körperschaftssteuer geworben. Nun gibt es endlich eine gute Nachricht: Für Familienunternehmen gibt es künftig eine deutliche Erleichterung, weil sie sich wie Kapitalgesellschaften besteuern lassen können. Und das hat Vorteile. Statt 54 Prozent werden Personenunternehmen dann nur noch 30 Prozent Steuern zahlen müssen.

Das haben die Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD im Bundestag am Freitag beschlossen. Linke und Grüne lehnten das sogenannte Körperschaftssteuermodernisierungsgesetz ab. AfD und FDP enthielten sich. Experten erwarten, dass das neue Wahlrecht bei der Besteuerung den rund drei Millionen Familienunternehmen hierzulande helfen wird, ihre Kapitalausstattung zu verbessern. Der Mittelstand habe Nachteile, ihm werde unnötig Liquidität entzogen, die dann wiederum bei Investitionen fehlten, sagte der CSU-Finanzpolitiker Sebastian Brehm. Diese Wettbewerbsnachteile würden nun abgeschafft.

Wichtigste Stütze der deutschen Wirtschaft

Auch Klaus-Peter Naumann, Chef des Instituts der Wirtschaftsprüfer, begrüßte die Änderungen. "Das sogenannte Optionsmodell wird größeren und vor allem international tätigen Personengesellschaften viele Erleichterungen bringen." Die FDP hätte sich dagegen eine grundlegende Steuerreform gewünscht. Die Bundestagsabgeordnete Katja Hessel kritisierte das neue Gesetz auch deshalb als unzureichend, weil es nur einem kleinen Teil der Familienunternehmen zugute komme.

Dabei sind Familienunternehmen die wichtigste Stütze der deutschen Wirtschaft. Mehr als 90 Prozent der Firmen hierzulande sind Familienunternehmen. Sie stellen fast 60 Prozent aller Arbeitsplätze und haben sich gerade in der Corona-Krise als stabilisierender Faktor auf dem Arbeitsmarkt erwiesen. Vier von fünf Auszubildenden werden in Familienunternehmen auf ihr Berufsleben vorbereitet. Damit sichern sie einen Großteil der benötigten qualifizierten Arbeitskräfte und sorgen dafür, dass die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland geringer ist als in Nachbarländern.

Eine deutsche Besonderheit ist, dass es hier so viele große und international tätige Familienunternehmen gibt. Knapp ein Drittel aller Firmen mit 250 bis 499 Mitarbeitern und 30 Prozent der Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern sind Familienunternehmen. Viele von ihnen sind Weltmarktführer in ihren jeweiligen technologischen Nischen, zum Beispiel im Maschinenbau und der Automobilindustrie.

Familienunternehmen auch im DAX

Familienunternehmen sind nicht an eine bestimmte Größe hinsichtlich der Beschäftigten oder des Umsatzes gebunden, sie müssen auch keine bestimmte Rechtsform besitzen. Allerdings sollte sich die Mehrheit der Entscheidungsrechte im Besitz einer natürlichen Person befinden, also des Gründers, seines Ehepartners oder seiner Kinder und Erben.

Selbst im DAX, dem Leitindex der Deutschen Börse, finden sich unter den 30 dort gelisteten Konzernen zwei Familienunternehmen, und zwar der Waschmittel- und Kleberhersteller Henkel sowie das Darmstädter Pharmaunternehmen Merck. Im MDAX zählt auch der Nivea-Hersteller Beiersdorf dazu.

Einer Untersuchung des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zufolge haben sich Familienunternehmen als besonders beschäftigungsfreundlich erwiesen. So ist die Zahl der Arbeiter und Angestellten in den 500 größten deutschen Familienunternehmen zwischen 2007 und 2016 um 23 Prozent auf 2,54 Millionen gestiegen. Dagegen haben die nicht familienkontrollierten DAX-Unternehmen im gleichen Zeitraum nur vier Prozent mehr Arbeitsplätze geschaffen.