Das Logo von Meta wird auf einem Smartphone angezeigt. Im Hintergrund sind die Logos von Facebook, Messenger, Instagram, Whatsapp und Oculus zu sehen. | dpa

Klage eines Pensionsfonds Hat Facebook auch Anleger getäuscht?

Stand: 16.11.2021 10:08 Uhr

Nach den Veröffentlichungen der Whistleblowerin Frances Haugen hat Facebook an der Börse massive Verluste erlitten. Weil der Konzern Anleger getäuscht haben soll, steht er nun im Visier einer Klage.

Hat Facebook neben seinen Usern auch Investoren hinters Licht geführt? Das zumindest behauptet ein Pensionsfonds für Beschäftigte im öffentlichen Dienst aus dem US-Bundestaat Ohio. Dieser fordert nach den Enthüllungen der Whistleblowerin Frances Haugen über den mittlerweile in Meta umbenannten Konzern Entschädigung für die Kursverluste - mit Rückendeckung des Generalstaatsanwalts.

Der Fonds mit dem Namen Ohio Public Employees Retirement System (OPERS) strebt eine Sammelklage von Anlegern an, die zwischen Ende April und dem 21. Oktober dieses Jahres Facebook-Aktien gekauft haben. OPERS selbst erwarb im Juni ein Paket aus 135.000 Papieren zum Kurs von 352,78 Dollar. Einige Tausend Aktien verkaufte der Fonds im August zu höheren Preisen. Nach den Berichten im "Wall Street Journal" stieß er im Oktober rund 11.500 Aktien für lediglich noch 328,53 Dollar ab.

"Facebook Papers" gingen um die Welt

Der Generalstaatsanwalt von Ohio, Dave Yost, schrieb zur Begründung für die Beteiligung an der Klage, Facebook habe über interne Kontrollen und den Umgang mit für Kinder schädlichen Inhalten gelogen. Diese Vorwürfe basieren auf Informationen aus Haugens Papieren: interne Dokumente, Chats zwischen Mitarbeitern und eigene Untersuchungen.

Die Datenspezialistin Haugen arbeitete 2019 bis 2021 als Produktmanagerin bei Facebook. Anfang September veröffentlichte das "Wall Street Journal" erstmals einen Teil der Unterlagen. Danach folgten Enthüllungen und Schlagzeilen weiterer Medien - darunter auch eines europäisches Konsortiums mit NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" (SZ). Unter dem Schlagwort "Facebook Papers" wurde systematisch über politische Effekte der Algorithmen, Untätigkeit der Geschäftsführung sowie zu wenig Maßnahmen gegen Hass, Desinformation und Gewaltaufrufen berichtet.

Meta bezeichnet Klage als unbegründet

Whistleblowerin Haugen betonte immer wieder, dass Facebook ein Konzern sei, für den Wachstum und Profit wichtiger seien als die negativen Folgen der eigenen Produkte Facebook, Instagram und WhatsApp. Anfang Oktober sagte Haugen als Zeugin vor dem US-Kongress aus, zuletzt trat sie auch vor dem britischen Parlament und vor einem Ausschuss des Europaparlaments auf. Meta selbst beschreibt die geleakten Dokumente als unvollständig, aus dem Kontext gerissen und nicht mehr aktuell.

Auch die Klage des Pensionsfonds bezeichnete das Tech-Unternehmen in einer Stellungnahme unter anderem an das "Wall Street Journal" als unbegründet. OPERS verweist allerdings darauf, dass der Marktwert von Facebook in den vergangenen Monaten um 150 Milliarden Dollar gesunken sei. An der Nasdaq verlor die Aktie von Anfang September bis Ende Oktober zeitweise mehr als 18 Prozent.

Über dieses Thema berichtete MDR AKtuell Radio am 16. November 2021 um 12:52 Uhr.