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Erst Libra, jetzt Diem Facebook forciert seine Kryptowährung

Stand: 18.07.2021 09:36 Uhr

Gewohnt selbstbewusst präsentierte Facebook-Chef Zuckerberg 2019 Pläne für eine eigene Kryptowährung. Dann passierte lange nichts. Erst jetzt kommt wieder Bewegung in das Projekt.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles, zzt. San Francisco

Vor zwei Jahren schon hatte Facebook eine eigene Kryptowährung angekündigt. Libra sollte sie heißen. Die Idee klang revolutionär, weil die Währung auch mit verschiedenen Währungen und Staatsanleihen abgesichert und weltweit handelbar sein sollte.

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Entsprechend selbstbewusst gab sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg 2019 vor dem US-Kongress, als er dort die Libra-Pläne vorstellte. Das Finanzsystem sei gescheitert; es gebe keine adäquate Finanzarchitektur, die den heutigen Anforderungen der digitalen Welt gerecht werde.

"Wir waren extrem naiv"

Zuckerbergs Aussagen vor den US-Politikern war zugleich auch der Anfang vom Ende der hochtrabenden Facebook-Pläne. Es gab Datenschutzbedenken, und auch die Regulierungsbehörden stellten sich quer. Dann sprangen Visa und Mastercard ab, die Partner werden sollten. Ganz begraben hat Facebook die Idee allerdings nie: Ende 2020 tauchte die Facebook-Kryptowährung als Projekt wieder auf, diesmal unter dem Namen Diem.

Der Chef-Ökonom des Projekts, Christian Catalini, räumt jetzt im Interview mit dem Fachmagazin "Coindesk" Fehler ein: "Wir waren mit der ersten Version unseres White Papers extrem naiv. Wir hatten sehr viele Ideen. Und es war spannend zu sehen, wie die Öffentlichkeit darauf reagiert hat und wir dadurch die Entwicklung beschleunigen konnten."

Längst ist die Dachorganisation Diem zusammengeschrumpft. Im Mai hat man die neutrale Schweiz hinter sich gelassen und ist in die USA umgezogen. Der Libra war ursprünglich als Währung geplant, die unter anderem mit Dollar, Euro und japanischen Yen abgesichert werden sollte. Den Standort Schweiz hat man bewusst ausgewählt, um Unabhängigkeit von den traditionellen Finanzinstitutionen zu signalisieren. Heute ist davon längst nicht mehr die Rede.

Pilotversuch noch in diesem Jahr?

"Wir sprechen mit den Aufsichtsbehörden über einen schrittweisen Ansatz für die Einführung", sagt Diem-Manager Catalini. "Wir wollen mit nur einen einzigen Währung starten, die stabil sein wird und sich auf natürliche Weise weiterentwickeln kann."

Angeblich noch dieses Jahr soll der an den US-Dollar gekoppelte Diem in einem Pilotversuch auf den Markt kommen. Facebook-User könnten damit US-Dollar gegen Diem eintauschen und sich mit der Facebook-App Novi untereinander Geld schicken. Als langfristiges Ziel haben die Diem-Manager ein Zahlungsmittel im Hinterkopf, das das Facebook-Universum verlassen könnte: Zum Beispiel um damit an der Supermarkt-Kasse zu bezahlen.

Durch die Koppelung an den US-Dollar würde es sich beim Diem um einen sogenannten Stable Coin handeln. Das würde ihn weniger volatil machen. Herausgeber soll die kalifornische Firma Silvergate in San Diego sein. Der "US-Dollar-Diem" könnte dann von Facebook und den 25 Partnern in der Diem-Dachorganisation als Zahlungsmittel eingesetzt werden.

Facebooks Pfund sind seine Nutzer

Kritiker mag diese Entwicklung beruhigen, darunter vor allem die US-Notenbank. Trotzdem sei Vorsicht angebracht, sagt der britische Kryptowährungs-Experte Dave Birch im Wirtschaftssender CNBC: "Die Privatsphäre fängt beim Geldbeutel an, nicht bei der Währung. Deshalb dürften viele Menschen nervös werden, wenn ihre Transaktionsdaten von Facebook abgewickelt und diese für Werbezwecke und andere Dinge ausgewertet werden." Auf 2,8 Milliarden Nutzerinnen und Nutzer weltweit kommt alleine Facebook. Nicht mit eingerechnet: die Millionen User der anderen Diem-Mitglieder wie dem Musikstreaming-Dienst Spotify.

Das Vertrauen in Facebook hat zwar Kratzer bekommen. Dennoch könnte das vom sozialen Netzwerk vorangetriebene Projekt am Ende als Gewinner dastehen. Denn die großen Notenbanken weltweit stehen unter Druck, eigene digitale Währungen anzubieten, um den unregulierten Kryptowährungen wie zum Beispiel dem Bitcoin etwas entgegenzusetzen. Was wäre da also naheliegender als ein Private-Public-Partnership, das noch dazu in den USA und nicht mehr in der Schweiz angesiedelt ist - noch dazu unter Aufsicht der US-Notenbank.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Juli 2021 um 17:06 Uhr.