Auf dem Bildschirm eines Smartphones ist die Facebook-App zu sehen. | dpa

Neue Kontrollfunktionen Entdeckt Facebook sein Herz für Kinder?

Stand: 11.10.2021 13:40 Uhr

Um Kinder auf den eigenen Plattformen besser zu schützen, hat Facebook neue Kontrollfunktionen vorgestellt. Damit reagiert das Unternehmen auf die Anschuldigungen der Whistleblowerin Frances Haugen.

Nick Clegg, Facebooks Vizepräsident für globale Angelegenheiten, hat in zwei US-Talkshows die neuen Features präsentiert, die minderjährige Nutzer besser schützen sollen. Bei den US-Sendern CNN und ABC sagte er, man wolle Jugendliche etwa mit virtuellen "Anstupsern" daran erinnern, wie lange sie den Dienst schon nutzen und dazu anhalten, eine Pause zu machen. Auch sollen Minderjährige bei Inhalten, die sie mehrfach anschauen und die als nicht angemessen eingestuft werden, darauf aufmerksam gemacht werden.

Für Eltern will das Unternehmen ebenfalls bessere Kontrollmöglichkeiten schaffen: Es soll ein optionales Feature entstehen, mit dem sie das Online-Verhalten ihrer Kinder im Blick behalten können. Clegg sagte bei CNN, sein Unternehmen versuche permanent seine Angebote und Produkte zu verbessern: "Wir können keinen Zauberstab schwenken, um das Leben aller perfekt zu machen." Dennoch seien die Bemühungen enorm, um die Plattform sicherer zu machen.

Kritiker bezweifeln die Wirksamkeit

Kritiker halten die Ankündigung allerdings für sehr vage und zweifeln an der Effizienz solcher neuen Features. "Es gibt gewaltige Gründe, skeptisch zu sein", sagte Josh Golin von der Organisation Fairplay. Die Organisation untersucht Marketing-Methoden mit Blick auf die Auswirkungen bei Kindern. Einer der Gründe sei demnach, dass Kinder häufig Accounts nutzen, die ihre Eltern gar nicht kennen. Und ob sich Kinder durch die "Anstupser" tatsächlich zu einer Pause bewegen lassen, bezweifelt Golin ebenfalls. Facebook müsse zeigen, wie genau es diese Pläne umsetzen wolle.

Facebook reagiert mit den neuen Funktionen auf die schweren Anschuldigungen, die Whistleblowerin Frances Haugen vor dem US-Senat gegen den Konzern erhoben hat. Sie warf dem Unternehmen vor, zwar um den Schaden zu wissen, den etwa Instagram bei einigen Jugendlichen anrichte. Aus Profitgier unterlasse das Unternehmen jedoch Veränderungen, welche die negativen Folgen abschwächen könnten.

So hatte das Unternehmen etwa erforscht, wie sich die Nutzung von der Foto-Plattform Instagram auf Mädchen auswirkt, die mit ihrem eigenen Körper unzufrieden sind. Das Ergebnis der internen Studie: Jede dritte Nutzerin fühlte sich schlechter, wenn sie bei Instagram all die perfekten Model- und Fitness-Influencer-Accounts nutzte. Doch die Mädchen verwendeten Instagram weiter. Facebook "profitiert davon, dass sie unsere Sicherheit gefährden", sagte Haugen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in den Kulturnachrichten am 06. Oktober 2021 um 16:30 Uhr.