Evergrande Zentrale  | picture alliance/dpa/AP

Immobilienkonzern Evergrande zahlt fällige Zinsen

Stand: 29.10.2021 12:29 Uhr

Der ins Straucheln geratene chinesische Immobilienkonzern Evergrande hat offenbar eine heute fällige Zinszahlung geleistet. Damit wird eine Pleite immer unwahrscheinlicher.

Der chinesische Immobilienentwickler Evergrande hat offenbar fällige Zinsen für eine Anleihe gezahlt und einen drohenden Zahlungsausfall damit erneut abgewendet. Wie die "New York Times" unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person berichtete, leistete das Unternehmen eine Kuponzahlung in Höhe von 47,5 Millionen Dollar, die eigentlich bereits am 29. Oktober fällig gewesen wäre - die Nachleihefrist für diese Zahlung wäre heute ausgelaufen. Auch die Agentur Reuters meldet unter Berufung auf Insider, dass das Unternehmen die am heutigen Freitag fälligen Zinsen gezahlt habe

Bereits in der vergangenen Woche hatte der überschuldete Immobilienriese aus dem südchinesischen Shenzhen einen kostspieligen Zahlungsausfall knapp abwenden können. Kurz vor Ablauf einer Nachfrist soll der Konzern 83,5 Millionen Dollar für eine Offshore-Anleihe auf ein Treuhandkonto überwiesen haben.

Eine ganze Branche in der Krise

Evergrande sitzt auf insgesamt rund 300 Milliarden Dollar Schulden, außerdem gibt es Spekulationen über weitere außerbilanzielle Verbindlichkeiten. Der Handel mit den Aktien wurde Anfang Oktober ausgesetzt. Seit Monaten versucht der Konzern, gegen den Schuldenberg vorzugehen. So will man etwa durch die Veräußerung von Immobilien oder Beteiligungen liquide Mittel einfahren.

Angesichts des Umfangs der Verbindlichkeiten ging zuletzt an den Finanzmärkten die Sorge um, dass ein Kollaps von Evergrande einen Flächenbrand im chinesischen Immobiliensektor auslösen könnte. Andere chinesische Immobilienentwickler wanken ebenfalls, wie etwa Modern Land und Fantasia. Und die Krise zieht immer weitere Kreise: Allein in dieser Woche setze die Ratingagentur Fitch zwei Unternehmen der Branche, die Yango Gruppe und die Kaisa Gruppe, in ihrer Bewertung herab.

Gründer soll Privatvermögen nutzen

Grund für die Schwierigkeiten im chinesischen Immobiliensektor sind neue Regulierungen der Pekinger Regierung. Sie hatte bereits vor einigen Monaten neue Richtlinien verkündet, die den überhitzten Häusermarkt in China abkühlen sollen. Anfang der Woche hat Peking nun noch einmal klargestellt, dass Evergrande und andere verschuldete Konzerne selbst für ihre Zahlungspflichten einstehen müssten. Zudem wurde laut Berichten der Nachrichtenagentur Bloomberg der milliardenschwere Gründer von Evergrande aufgefordert, sein persönliches Vermögen einzusetzen, um die Krise bei dem Unternehmen zu bewältigen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Oktober 2021 um 17:05 Uhr.