Evergrande-Zentrale in Shenzhen | picture alliance / ASSOCIATED PR

Droht der Zusammenbruch? Neue Sorgen um Evergrande

Stand: 06.12.2021 14:14 Uhr

Der von der Pleite bedrohte chinesische Immobilienkonzern Evergrande warnt erneut vor einem drohenden Zahlungsausfall. Heute wird eine Zahlung fällig, und die chinesische Zentralbank versucht zu beruhigen.  

Die Investoren sorgen sich wieder vor einem Zusammenbruch des hochverschuldeten Immobilienkonzerns China Evergrande. Der zweitgrößte Immobilienentwickler Chinas mit einem Schuldenberg von mehr als 300 Milliarden Dollar warnte erneut vor einem drohenden Zahlungsausfall.

Evergrande räumte ein, möglicherweise nicht genügend Mittel aufbringen zu können, um alle finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen. Nach dem Ablauf einer 30-tägigen Fristverlängerung werden heute im Laufe des Tages 82,5 Millionen Dollar fällig.

Evergrande-Aktie bricht ein

Das Thema Evergrande beschäftigt die Finanzmärkte bereits seit Wochen. Einige Fachleute befürchten, dass eine Pleite des Konzerns einen Dominoeffekt auslösen und Auswirkungen auf die Stabilität des chinesischen oder sogar auf das globale Finanzsystem haben könnte, was andere Experten wiederum bestreiten. "China Evergrande steht wieder ganz weit oben auf der Agenda der Börsianer", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners.

Die Regierung der Provinz Guangdong hat als Reaktion Evergrande-Chairman Hui Ka Yan einbestellt und erklärt, eine Abordnung zur Überprüfung des Risikomanagements in das Unternehmen zu schicken. Die Evergrande-Aktie brach um 20 Prozent auf ein Rekordtief von 1,82 Hongkong Dollar ein.

Ansteckungsrisiko kontrollierbar?

Die Zentralbank sah sich zu einer Beruhigung der Anleger genötigt. Die Probleme bei Evergrande seien individuell und beeinflussten nicht die Branche. Das Ansteckungsrisiko sei kontrollierbar.

Marktbeobachter gehen davon aus, dass die konzertierten Bemühungen der Behörden ein Signal seien, dass Evergrande bereits in einen Schulden-Restrukturierungsprozess eingetreten sei. Die Behörden versuchten dabei sicherzustellen, dass aktuelle Projekte von Evergrande zu Ende gebracht würden und dass weiterhin finanzielle Mittel für Baumaßnahmen zur Verfügung stünden, erklärten die Experten der US-Bank Morgan Stanley.

Umstrukturierung oder Abwicklung?   

"Alles deutet darauf hin, dass sich die Börsianer auf eine Umstrukturierung der Schulden oder eine geordnete Abwicklung einstellen sollten", sagte Portfoliomanager Altmann. Marktanalyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets meint: "Auch wenn es der Regierung in Peking in den letzten beiden Jahrzehnten immer erstaunlich gut gelang, platzende Spekulationsblasen am Immobilienmarkt und deren Folgen ohne Ansteckungseffekte für die Weltwirtschaft zu verwalten, ist nicht gesagt, dass es auch dieses Mal gelingt."

Insidern zufolge will Evergrande all seine US-Dollar-Anleihen in die Umstrukturierung seiner Kreditlasten einbeziehen. Dabei gehe es um Papiere, die der Konzern und seine Sparte Scenery Journey ausgegeben hätten, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Bei zwei Anleihen von Scenery Journey müsste Evergrande heute Zinsen bezahlen.

Nächster Konzern in Zahlungsverzug

Heute hat noch ein weiterer chinesischer Immobilienentwickler Probleme bei der Bedienung eines Großkredits eingeräumt. Das Unternehmen Sunshine 100 China Holdings teilte mit, es habe eine Frist zur Rückzahlung von rund 170 Millionen Dollar (rund 150 Millionen Euro) plus Zinsen gestern verstreichen lassen müssen. 

Hintergrund seien "Liquiditätsprobleme" durch "ungünstige Auswirkungen mehrerer Faktoren, darunter die makroökonomische Umgebung und der Immobilienmarkt", erklärte das Unternehmen. Gespräche mit Gläubigern über eine Umschuldung oder andere Lösungsansätze seien im Gange, fügte das Unternehmen hinzu. 

Bereits in der Vergangenheit hatte Sunshine 100 Probleme, seine Kredite fristgerecht zu bedienen. Laut einer Berechnung der Finanznachrichtenagentur Bloomberg ist das Unternehmen inzwischen mit 385 Millionen Dollar im Zahlungsrückstand. 

Chinas Zentralbank lockert Geldpolitik

Unterdessen lockert die chinesische Zentralbank People's Bank of China (PBoC) ihre Geldpolitik, um die Konjunktur zu stützen. Am Montag kündigte sie an, die Sätze für Reserven zu senken, die die Geldhäuser zu Sicherheitszwecken vorhalten müssen. Der Mindestreservesatz soll per 15. Dezember um 0,5 Prozentpunkte auf 11,5 Prozent sinken. Damit würde Liquidität in Höhe von etwa 1,2 Billionen Yuan (etwa 170 Milliarden Euro) freigegeben.

Experten schätzen, dass der chinesische Immobiliensektor mehr als ein Viertel zu Chinas Bruttoinlandsprodukt und damit zur konjunkturellen Entwicklung des Landes beiträgt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. Dezember 2021 um 09:00 Uhr.