Blick auf das Vorfeld auf dem Flughafen Düsseldorf - mehrere Flugzeuge der Eurowings stehen wegen am Boden. (Archivbild 2020) | picture alliance / SvenSimon

Personalmangel wegen Pandemie Eurowings streicht zahlreiche Flüge

Stand: 21.06.2022 18:25 Uhr

Die Lufthansa-Tochter Eurowings annulliert Dutzende weitere Flüge. Grund dafür sind nicht nur steigende Corona-Infektionszahlen in der Belegschaft. Infolge der Pandemie mangelt es der Branche allgemein an Personal.

Zusätzlich zu den bisher angekündigten streicht die Lufthansa-Tochter Eurowings Dutzende weitere Flüge. Als Grund nennt die Airline Engpässe beim Bodenpersonal an Flughäfen, aber auch zunehmende Krankheitsfälle in den Crews. In den kommenden Tagen müssten kurzfristig weitere Flüge aus dem System genommen werden.

Der Fluggesellschaft machten derzeit eine steigende Zahl an Corona-Erkrankungen beim Flugpersonal zu schaffen: Die Ausfälle überträfen die Personalreserven, erklärte ein Sprecher. Heute und morgen würden rund 40 Flüge von täglich rund 500 ausfallen. Betroffen seien vor allem die beiden größten Abflugorte Düsseldorf und Köln-Bonn. "Wir gehen davon aus, die Lage dadurch bis Ende Juni stabilisieren zu können", so der Sprecher.

Eurowings sagt wie die Lufthansa oder Easyjet Flüge ab, um Chaos zur Hauptreisezeit zu verhindern. Kürzlich hieß es, Eurowings werde im Juli Hunderte Flüge in Deutschland und Europa streichen. Nach dem massiven Stellenschwund in den vergangenen zwei Pandemie-Jahren hält der Personalaufbau mit der starken Nachfrageerholung im Luftverkehr nicht Schritt. Das führt zu Engpässen beim Check-in, bei Sicherheitskontrollen und bei der Gepäckabfertigung. Derzeit fehlen laut Bundesverkehrsministerium in allen Bereichen der Luftverkehrswirtschaft rund 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Pilotenvereinigung hält Personalmangel für selbstverschuldet

Die nächste Belastungsprobe steht mit dem Beginn der Sommerferien im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen am kommenden Wochenende bevor. Der Chef der Pilotenvereinigung Cockpit, Stefan Herth, hält den akuten Personalmangel für selbstverschuldet. Die Unternehmen hätten die Pandemie als Vorwand genutzt, Stellen abzubauen und Arbeitsbedingungen zu verschlechtern. Jetzt habe die Branche insgesamt für Arbeitnehmer an Attraktivität verloren. Cockpit forderte eine konzertierte Aktion, an der neben Politik und Unternehmen auch die Gewerkschaften beteiligt werden sollten, um die Probleme anzugehen.

Laut Verkehrsministerium 2000 Stellen unbesetzt

Um einen Ausweg aus den Personalengpässen zu finden, hatte sich Bundesverkehrsminister Volker Wissing bereits in der vergangenen Woche mit Vertreterinnen und Vertretern der Branche getroffen. Man arbeite unter Hochdruck daran, die Probleme zu lösen, hieß es. Als ein Ergebnis der Gespräche soll eine Koordinierungsgruppe auf Staatssekretärsebene eingesetzt werden.

Es gebe durchaus Möglichkeiten seitens der Politik, die Unternehmen zu unterstützen, teilte der Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV), Ralph Beisel, mit. Das gelte unter anderem für die Rekrutierung von Beschäftigten aus Drittstaaten sowie die Beschleunigung der Zuverlässigkeitsüberprüfung für neu einzustellendes Personal.

Diskutiert wird etwa, Leiharbeiter aus der Türkei einzustellen. Mit Blick darauf sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit vergangene Woche, alle neuen Mitarbeiter müssten die nötigen Sicherheitsüberprüfungen durchlaufen. Die Bundesregierung bemühe sich nach Kräften, eine Lösung zu finden. "Aber einfach wird das nicht."

Über dieses Thema berichtete die Lokalzeit aus Köln im WDR Fernsehen am 21. Juni 2022 um 19:30 Uhr.