Mitarbeitende vom Tiefkühlkosthersteller Frosta stehen am Band in Bremerhaven und ordnen Fischstäbchen.

Erzeugerpreise sinken weiter Hoffnungsschimmer bei der Inflation

Stand: 20.12.2022 12:51 Uhr

Es gibt immer mehr Signale, dass die Inflation in Deutschland abflaut. So sind den zweiten Monat in Folge die Erzeugerpreise, also die Preise für gewerbliche Produkte der Hersteller gesunken - vor allem im Bereich Energie.

Um durchschnittlich 3,9 Prozent sind die Erzeugerpreise im vergangenen Monat November im Vergleich zum Oktober gesunken. Nach einem Rückgang von 4,2 Prozent von September auf Oktober ist dies das zweite Minus im Monatsvergleich. Dies meldete das Statistische Bundesamt am Morgen.

Preise ab Fabriktor

Der aktuelle Rückgang um knapp vier Prozent ist auch größer als Volkswirte erwartet hatten, die die Nachrichtenagentur Reuters befragt hat. Die Entwicklung der Erzeugerpreise gilt als Vorläufer für die Verbraucherpreisentwicklung in den kommenden Monaten. In der Statistik werden die Preise ab Fabriktor geführt, also noch bevor die Produkte weiterverarbeitet werden oder in den Handel kommen.

Vor allem der Rückgang der Energiekosten hat zum erneuten Minus bei den Erzeugerpreisen im November beigetragen. Die Unternehmen mussten durchschnittlich knapp zehn Prozent weniger dafür aufwenden als im Oktober. Kraftstoffe wie Benzin verbilligten sich um 7,5 Prozent zum Vormonat, leichtes Heizöl sogar um 16,9 Prozent.

Verbrauchs- und Vorleistungsgüter auf hohem Niveau

Die Preise für Verbrauchsgüter auf Herstellerebene bleiben im November aber annähernd auf dem Vormonats-Niveau, sie stiegen insgesamt um 0,2 Prozent gegenüber dem Monat Oktober. Dafür waren anhaltend hohe Lebensmittelpreise wie etwa für Zucker, Milch- und Fleischprodukte verantwortlich.

Auch so genannte "Vorleistungsgüter" wie Metalle und Holz haben sich im November nur um 0,7 Prozent gegenüber dem Vormonat verbilligt.

"Nächster Kostenschub steht bevor"

Inwieweit und wie schnell sich der Rückgang der Erzeugerpreise bei Verbraucherinnnen und Verbrauchern auswirkt, bleibt abzuwarten. Für Dezember gehen die Experten von einem deutlichen Rückgang der Inflationsrate aus, die im November in Deutschland noch bei 10,0 gelegen hat.

"Der durch die steigenden Energiepreise und die Knappheit von Vorprodukten ausgelöste Kostenschub lässt offensichtlich nach", so Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Das heißt aber nicht, dass die Verbraucher wieder mit Inflationsraten von zwei Prozent rechnen könnten. "Denn mit den bereits vereinbarten oder sich zumindest abzeichnenden starken Lohnerhöhungen steht der nächste Kostenschub bereits bevor", meint Solveen.

Bundesbank erwartet weitere Zinsschritte

Auch Bundesbank-Präsident Joachim Nagel rechnet im Kampf der Europäischen Zentralbank (EZB) gegen die ausufernde Inflation mit keinen schnellen Erfolgen. "Das wird noch eine Zeit dauern, bis die Inflation wieder dort ankommen wird, wo sie hingehört, nämlich bei zwei Prozent", sagte Nagel in einem Interview mit dem Fernsehsender NTV gestern Abend.

Nagel warnte: "Wir werden noch durch einige harte Monate gehen." Die EZB habe schon stark gehandelt mit vier Zinserhöhungen im Laufe des Jahres. Die Zinserhöhungen werden laut Nagel zunächst aber noch weitergehen.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Dezember 2022 um 04:00 Uhr.