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Bitkom-Studie Zu wenig Frauen in der Digitalwirtschaft

Stand: 07.03.2022 17:44 Uhr

Frauen sind in der IT- und Digitalwirtschaft weiterhin stark unterrepräsentiert. Das liegt unter anderem daran, dass in vielen Unternehmen niemand für Gleichstellung verantwortlich ist, wie eine neue Studie zeigt.

Von Emmy Thume, rbb

Heute ist in Deutschland "Equal Pay Day" - der alljährliche Aktionstag für Lohngleichheit. Da Frauen rund ein Fünftel weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen, haben sie vom 1. Januar bis heute rein rechnerisch unbezahlt gearbeitet. Denn in Deutschland beträgt dieser Lohnunterschied laut Statistischem Bundesamt aktuell 18 Prozent. Das bedeutet umgerechnet 66 Tage nichtbezahlte Arbeit - und ergibt den 7. März als "Equal Pay Day".

Traditionelle Rollenbilder in der Digitalwirtschaft

Der Digitalverband Bitkom hat zu diesem Anlass eine Studie zu Frauen in der digitalen Wirtschaft vorgestellt. Mehr als jedes zehnte der über 500 Unternehmen, die für die Studie befragt wurden, habe danach keine einzige Frau in der Belegschaft. Je kleiner das Unternehmen, desto kleiner ist der Studie zufolge der Frauenanteil. Alle befragten Unternehmen einte, dass Frauen auf Führungsebene besonders selten sind: 49 Prozent der befragten Unternehmen haben danach keine Frau in einer Führungsposition.

Die Gründe dafür werden laut der Studie in den Unternehmen selbst vermutet, weil diese traditionelle Rollenbilder reproduzieren - und darin, dass Führungspositionen in der digitalen Wirtschaft für Frauen unattraktiv seien. Andererseits werde vermutet, dass es zu wenige weibliche Kandidatinnen für Führungspositionen gibt und sich Frauen schlechter vermarkten als Männer.

24 Prozent der befragten Unternehmen hätten sich Ziele gesetzt, um ihren Frauenanteil zu erhöhen, so die Studie. Weitere 43 Prozent planten oder diskutierten dies. Jedoch gebe es auch 29 Prozent, für die solche Ziele momentan kein Thema seien. Dies werde mit zu wenig Bewerberinnen begründet - und damit, dass die Frauen die angebotenen Stellen ablehnten.

Keine Zukunft ohne Gleichstellungsbeauftragte

Die Vizepräsidentin des Bitkom, Sabine Bendiek, nannte die Zahlen alarmierend. Gemischte Teams seien für den Erfolg von Unternehmen "extrem wichtig", dies hätten die meisten auch erkannt. Dennoch sei der Frauenanteil in den befragten Unternehmen sehr gering. Das liege auch daran, dass insbesondere in kleinen Unternehmen oft niemand für das Thema Gleichstellung zuständig sei. Dabei sei dies zentral, sagte Bendiek.

Einer Bitkom-Prognose zufolge wird der Bedarf an Erwerbstätigen in der Digitalbranche im laufenden Jahr weiter um drei Prozent auf 1,29 Millionen Menschen steigen. Dabei sei man auf Frauen angewiesen, um zukünftigem Fachkräftemangel zu begegnen und nachhaltiges Wachstum zu sichern, sagte Bendiek.

Innovationspotenzial von Frauen nicht verzichtbar

Um sich für mehr Frauen in der IT-Branche einzusetzen, wurde 2020 die Initiative "#SheTransformsIT" gegründet. Daran beteiligt war die Grünen-Abgeordnete Anna Christmann. "Es ist ein Zukunftsbereich, in dem wir es uns nicht leisten können, auf das Innovationspotenzial zu verzichten, das Frauen mitbringen", sagte die Abgeordnete. Die Studie, die in Zusammenarbeit mit der Initiative durchgeführt wurde, solle für Aufmerksamkeit sorgen - und zwar nicht nur bei Frauen, sondern auch bei Unternehmen, damit diese hinterfragten, was sie an ihren internen Abläufen ändern müssten, um die Problematik anzugehen.

Sabine Bendiek stellt klar: "Es geht nicht um eine Benachteiligung der Männer oder um eine Bevorzugung der Frauen. Es geht darum, eine Kultur zu schaffen, die es allen ermöglicht, erfolgreich zu sein." Dafür sei es wichtig, schon in Schulen darüber zu informieren, was IT bedeute, und dass nicht jeder Informatik studiert haben müsse, um in einem Technologie-Unternehmen erfolgreich zu sein.

Bundesarbeitsminister Heil, Berlins Regierende Bürgermeisterin Giffey und DGB-Chef Hoffmann (v.l.n.r.) bei einer Aktion zum "Equal Pay Day" vor dem Brankdenburger Tor in Berlin. | AFP

Bundesarbeitsminister Heil, Berlins Regierende Bürgermeisterin Giffey und DGB-Chef Hoffmann (von links) bei einer Aktion zum "Equal Pay Day" vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Bild: AFP

Aktion für Lohngerechtigkeit am Brandenburger Tor

Anlässlich des "Equal Pay Day" fand am Brandenburger Tor eine Aktion vom Deutschen Gewerkschaftsbund statt, bei der zwei ungleich große Säulen aus Münzen aufgestellt wurden, welche die Ungleichheit der Löhne symbolisieren sollten. Die Berliner Arbeitssenatorin Katja Kipping (Linke) sagte, es müsse alles dafür getan werden, um die große Lohnlücke zwischen Frauen und Männern zu schließen. Erst dann könne von Lohngerechtigkeit gesprochen werden. Auch die stellvertretende Berliner ver.di-Landesbezirksleiterin, Andrea Kühnemann, rief zum Kampf für Lohngerechtigkeit auf: "Wer will, dass Frauen und Männer gleiche Chancen haben, muss mit uns zusammen für mehr Lohngerechtigkeit kämpfen - nicht nur am 'Equal Pay Day'".

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. März 2022 um 14:33 Uhr.