Ein Offshore-Windpark in Mecklenburg-Vorpommern | dpa

Offshore-Projekt von EnBW und BP Ein Windpark, so groß wie Berlin

Stand: 17.01.2022 14:55 Uhr

Der Karlsruher Versorger EnBW hat mit seinem britischen Partner BP den Zuschlag für einen gigantischen Windpark vor der schottischen Küste erhalten. Auch RWE hat große Pläne für den Offshore-Markt.

Bei der Dekarbonisierung der Energieversorgung spielen Windparks auf hoher See eine zentrale Rolle. Einer der Vorreiter auf diesem Gebiet ist der badische Energiekonzern EnBW. Gemeinsam mit seinem britischen Partner BP haben die Karlsruher heute den Zuschlag für den Bau eines Windparks vor der Küste Schottlands erhalten. Das Projekt liegt knapp 60 Kilometer vor der Küste von Aberdeen und umfasst 860 Quadratkilometer - eine Fläche so groß wie Berlin.

Ab 2026/2027 soll hier der Windpark "Morven" entstehen, was in der schottisch-gälischen Sprache "Kind des Meeres" bedeutet, mit einer Gesamtleistung von 2,9 Gigawatt. Damit können rein rechnerisch über drei Millionen Haushalte mit Windstrom versorgen werden. Es ist bereits das zweite Offshore-Projekt, das EnBW und BP in Großbritannien entwickeln. Vor einem Jahr hatten sie den Zuschlag für eine Fläche in der Irischen See bekommen. Dort sollen die Projekte "Morgan" und "Mona" mit einer Gesamtleistung von bis zu drei Gigawatt entstehen.

1500 Windräder in deutschen Gewässern

Angefangen hatte EnBW im Mai 2011 mit der Inbetriebnahme des ersten kommerziellen Windparks Deutschlands in der Ostsee, nördlich der Halbinsel Fischland-Darß. Auf einer sieben Quadratkilometer großen Fläche liefert "Baltic 1" jährlich etwa 185 Gigawattstunden Strom, genug für 50.000 Haushalte. Weil mit Windparks dieser Größer die Energiewende kaum gelingen kann, sind die Projekte in den Folgejahren immer größer geworden. Seit 2015 ist vor der Ostküste Rügens der Park "Baltic 2" in Betrieb. Mit 80 Windkraftanlagen ist er bereits viermal so groß wie der Vorgänger und kann 340.000 Haushalte mit Strom versorgen.

Inzwischen stehen exakt 1501 Windräder in deutschen Gewässern. Gemeinsam erreichen sie eine Leistung von 7,8 Gigawatt, das ist das 156-fache von Baltic 1. Gleichwohl muss das Tempo des Ausbaus weiter beschleunigt werden, wenn Deutschland das von den Ampelparteien für das Jahr 2030 anvisierte Ziel von 30 Gigawatt Strom aus Nord- und Ostsee erreichen will.

Große Pläne von RWE

Ob das tatsächlich geschafft werden kann, ist offen. Doch die Zahl der Projekte nimmt stetig zu. So will RWE, weltweit die Nummer zwei bei Offshore-Windanlagen, bis 2030 seine Kapazität in diesem Bereich von derzeit 2,4 Gigawatt auf acht Gigawatt verdreifachen. Anfang Januar verkündete der Konzern, gemeinsam mit seinem kanadischen Partner Northland Power, die Entwicklung eines 1,3 Gigawatt (GW) großen Offshore-Windclusters in der deutschen Nordsee voranzutreiben. Die beiden Konzerne wollen drei Windparks entwickeln und errichten, die voraussichtlich ab 2026 den kommerziellen Betrieb aufnehmen sollen.

Das Projekt umfasst insgesamt drei Flächen nördlich der Insel Juist. Einen Standort (N-3.8) für einen Windpark mit einer installierten Leistung von 433 Megawatt (MW) haben sich die Partner bereits im vergangenen Jahr gesichert. Zwei weitere Flächen für Windparks mit einer Gesamtkapazität von 900 MW sollen 2023 im Rahmen einer Auktion vergeben werden. Für beide Standorte verfügt das Joint Venture über Eintrittsrechte.

Der Ausbau ist Teil großer Wachstumspläne, für deren Umsetzung der Essener Konzern in den nächsten Jahren 50 Milliarden Euro investieren will. Damit sollen bis 2030 die Kapazitäten zur Erzeugung von grünem Strom von aktuell 25 auf 50 Gigawatt verdoppelt werden. RWE weist allerdings daraufhin, dass die Flächen in den deutschen Gebieten von Nord- und Ostsee möglicherweise nicht ausreichen werden, um den geplanten Ausbau aller Offshore-Parks auch realisieren zu können. "Denn die Konkurrenz auf See ist groß. Schifffahrt, Tourismus, Naturschutz, Fischerei, Rohstoffabbau, Marine, Offshore-Wind - sie alle beanspruchen ihr Recht", so RWE. Der Konzern fordert deshalb eine gemeinsame Nutzung der Flächen.

Weltgrößter Windpark in China im Bau

Doch nicht nur in Europa, auch in den USA, Indien und China sind gigantische Offshore-Windparks in Planung oder im Bau. In China hat der Bau des weltweit größten Windparks mit einer geplanten Leistung von 20 Gigawatt begonnen. Der Windpark, Gansu Wind Farm genannt, soll am Ende rund 7000 Windturbinen umfassen. Das gesamte Projekt ist Teil des Erneuerbare-Energien-Gesetzes der Pekinger Regierung, das im Februar 2005 in Kraft getreten ist. Danach soll die Windkraft bis 2030 rund 25 Prozent des Strombedarfs decken.

Über dieses Thema berichtete SWR Aktuell am 17. Januar 2022 um 11:36 Uhr.