Vorweihnachtszeit in einer Dortmunder Fußgängerzone. | picture alliance / Jochen Tack

Durchwachsene Verkaufsbilanz Händler vor 1. Advent unzufrieden

Stand: 28.11.2022 11:18 Uhr

Der Einzelhandel bekommt weiter die Verunsicherung der Verbraucher zu spüren. So fiel die Verkaufsbilanz in der Woche vor dem 1. Advent inklusive Black Friday bei vielen Unternehmen durchwachsen aus.

Die letzte Woche vor dem ersten Advent, in der auch der Angebotstag Black Friday stattfand, hat beim Einzelhandel nicht für Hochstimmung gesorgt. Eine knappe Mehrheit der Händlerinnen und Händler (51 Prozent) bezeichnete einer Trendumfrage des Handelsverband (HDE) zufolge die Umsatzentwicklung als nicht zufriedenstellend. Nur ein knappes Drittel der 400 Befragten sei mit den Erlösen zufrieden, teilte der HDE mit.

Nur jedes sechste Unternehmen bislang zufrieden

"Das Weihnachtsgeschäft steht unter dem Eindruck der Energiekrise. Der Handel bekommt die Verunsicherung der Verbraucherinnen und Verbraucher zu spüren", sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Einen Grund für den durchwachsenen Verlauf der letzten Woche im November sei die niedrige Kundenfrequenz. "In unseren Innenstädten sind die Kundenfrequenzen mit der Pandemie eingebrochen. Bis heute haben sich die Besucherzahlen nicht erholt", so Geth weiter.

Das macht vielen Händlerinnen und Händlern in Innenstadtlagen zu schaffen. Laut HDE sind 60 Prozent von ihnen mit den Kundenfrequenzen unzufrieden. Nur jedes sechste Handelsunternehmen blickt bisher glücklich auf den bisherigen Verlauf des Weihnachtsgeschäfts zurück. Entsprechend gedämpft sind die Erwartungen für die nächsten Wochen. So erwartet der Verband für November und Dezember im Einzelhandel einen Gesamtumsatz von mehr als 120 Milliarden Euro - ein reales Minus von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Lediglich 20 Prozent der Befragten zeigen sich mit Blick auf die Zeit bis zum Jahreswechsel zuversichtlich. 70 Prozent rechnen dagegen eher mit einem schlechteren Verlauf als im vergangenen Jahr. "Die Monate November und Dezember sind traditionell die umsatzstärksten Monate im Einzelhandel. Viele Händlerinnen und Händler sind auf ein erfolgreiches Weihnachtsgeschäft angewiesen", betonte Genth. Immerhin sei am ersten Adventswochenende eine deutliche Belebung des Geschäfts zu bemerken gewesen.

Unterhaltungselektronik, Kosmetik und Lebensmittel

Die hohe Inflation, die aktuell mit 10,4 Prozent so hoch ist wie seit über 70 Jahren nicht mehr, belastet die Kaufkraft der Haushalte in Deutschland massiv. Jüngst hatten 63 Prozent der Verbraucher laut einer Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) angegeben, weniger Geld auszugeben. Weitere 20 Prozent planen damit.

Doch es gibt es auch Lichtblicke. Rund 30 Prozent der Befragten berichteten in der letzten Novemberwoche von einer guten Entwicklung und Zufriedenheit mit den Umsätzen. Das trifft laut HDE-Umfrage vor allem auf Handelsunternehmen aus den Bereichen Unterhaltungselektronik, Kosmetik und Lebensmittel zu. Zu den beliebtesten Produkten zählen demnach Smartphones, Weihnachtsdekoration, Pullover und Strickwaren, Schmuck und Gutscheine.

Kurz vor Beginn der heißen Phase des Weihnachtsgeschäfts hat sich zudem die Kauflaune der Deutschen stabilisiert - wenn auch auf niedrigem Niveau. Das Barometer für die Konsumstimmung im Dezember steigt um 1,7 auf minus 40,2 Punkte, hatten die GfK-Marktforscher am Freitag zu ihrer monatlichen Umfrage unter 2000 Verbrauchern mitteilten. Während die Anschaffungsneigung noch etwas zurückging, verbesserten sich die Konjunkturerwartung und die Einkommenserwartung der Verbraucher leicht.

20 Prozent mehr Umsatz am Black Friday

Darüber hinaus berichtete das Internetportal BlackFriday.de von einem gestiegenen Interesse am Rabatttag. Nachdem sich die Schnäppchenjäger 2021 mit ihren Einkäufen am Black Friday eher zurückhielten und der Auftakt des Weihnachtsgeschäfts aus Sicht des Einzelhandels schwach ausgefallen war, sei der Umsatz in diesem Jahr um 20 Prozent höher ausgefallen, hieß es in einer Mitteilung. Wegen der steigenden Energiekosten und der hohen Inflation hätten offenbar viele Verbraucher die Chance genutzt, günstige Besorgungen zu machen.

Auch Experten hatten im Vorhinein eine höhere Nachfrage und bessere Schnäppchen am Black Friday erwartet. "Wir können uns gut vorstellen, dass der Tag mit den besonderen Schnäppchen noch intensiver genutzt wird als in den vergangenen Jahren, weil das Sparen bei den Menschen durch die explodierenden Preise ganz weit oben auf der Prioritätenliste steht", sagte etwa Julia Gerhards von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz im tagesschau.de-Interview.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 28. November 2022 um 11:14 Uhr.