Eine Bahn fährt in Bahnhof ein | dpa

Kompromiss im Tarifstreit Bahn und GDL erzielen Tarifeinigung

Stand: 16.09.2021 11:38 Uhr

Die Deutsche Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL haben ihren Tarifkonflikt beigelegt. Beide Seiten einigten sich auf eine Lohnerhöhung in zwei Stufen und auf Corona-Prämien. Weitere Streiks sind damit erst einmal vom Tisch.

Der Tarifkonflikt der Deutschen Bahn mit der Lokführergewerkschaft GDL ist gelöst. GDL-Chef Claus Weselsky und Bahn-Vorstand Martin Seiler stellten bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin die Ergebnisse vor. Vermittelt hatten in dem Konflikt die Ministerpräsidenten von Niedersachsen und Schleswig-Holstein, Stephan Weil und Daniel Günther.

Lohnerhöhung und Corona-Prämien

Zum 1. Dezember 2021 steigen die Bezüge zunächst um 1,5 Prozent, dann am 1. März 2023 um weitere 1,8 Prozent, wie beide Seiten mitteilten. Am 1. Dezember erhalten die Beschäftigten außerdem je nach Lohngruppe eine Corona-Prämie von bis zu 600 Euro. Am 1. März 2022 soll eine weitere Corona-Prämie von einheitlich 400 Euro fließen.

Die GDL willigte in die geplante Umstrukturierung der betrieblichen Altersvorsorge ein; das bisherige System der Zusatzrente werde ab 2022 nur für Bestands-Mitarbeiter fortgesetzt, hieß es. Erstmals schließt die GDL neben dem Zugpersonal auch Tarifverträge für Mitarbeitende in Werkstätten und in der Verwaltung, jedoch nicht für die Infrastruktur. Der neue Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 32 Monaten - bis Ende Oktober 2023.

Erleichterung bei GDL- und Bahn-Chefs

Weselsky sprach von einem "guten Kompromiss". "Die Rente ist sicher", sagte er mit Blick auf eine Verständigung zu den Betriebsrenten. "Ich fühle mich wohl." Seiler sagte, er sei "froh, mitteilen zu können", dass die Verhandlungen nun hätten abgeschlossen werden können. Der Brückenschlag zwischen Kunden, Mitarbeitern und Unternehmen sei gelungen.

Günther sprach von einer guten Nachricht für alle Kundinnen und Kunden der Bahn. "Am Ende steht jetzt ein Ergebnis, das von allen Beteiligten getragen wird." Weil sagte, die Beteiligung von Außenstehenden sei angesichts der zunächst recht verfahrenen Situation wohl nützlich gewesen.

Scheuer lobt Vermittler

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer lobte die Vermittlerrolle von Günther und Weil. "Entscheidend war ein Ergebnis und da danke ich allen Seiten", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. "Das ist für die Fahrgäste und für die Lieferketten im Güterverkehr ein wichtiges Signal für Deutschland." Mit Blick auf die Tarifautonomie sagte Scheuer: "Ich habe mich nicht eingemischt, aber ich habe mich gekümmert." Der Bund ist Eigentümer der Deutschen Bahn.

Die GDL hatte ihren dritten und bisher längsten Streik in dieser Tarifrunde am Dienstag vergangener Woche beendet. Vorige Woche hatte die Gewerkschaft aber damit gedroht, Anfang dieser Woche mit der Vorbereitung des nächsten Arbeitskampfes zu beginnen, sollte das Konzernmanagement bis dahin kein verbessertes Angebot vorlegen. Die Bahn war den Lokführern am Wochenende entgegengekommen und hatte eine zusätzliche Entgeltkomponente in Aussicht gestellt. Weitere Streiks drohen nun erstmal nicht.

EVG will nachverhandeln

Die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hatte mit der auch durch die Corona-Krise angeschlagenen Bahn bereits im vergangenen Jahr einen Sanierungstarifvertrag geschlossen. Sie hatte Anfang September angekündigt, bei einem möglicherweise höheren Tarifabschluss der Lokführergewerkschaft GDL nicht tatenlos zuzusehen und ihr Sonderkündigungsrecht zu prüfen.

Seiler betonte nun, kein EVG-Mitglied dürfe schlechter gestellt werden. Dies werde man rasch mit der EVG klären. "Wir werden dafür Sorge tragen, dass wenn es eine Abweichung gibt, dass das übertragen wird", sagte er. "Ich glaube, es ist möglich, dass wir mit der EVG zeitnah zu entsprechenden Regeln kommen."

Unmut bei Weselsky

Der Tarifvertrag zwischen Bahn und GDL geht in Teilen über den Vertrag hinaus, der im vergangenen Jahr mit der EVG geschlossen wurde. "Wir haben anders abgeschlossen, und zwar höher, sichtbar höher", sagte Weselsky. "Wir geben Millionen aus, gehen in den Streik, lassen uns beschimpfen, und am Ende des Tages dürfen wir zuschauen, wie der Tarifabschluss den anderen hinterhergetragen wird."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. September 2021 um 14:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Bender Rodriguez 16.09.2021 • 18:39 Uhr

Fatahland

Deswegen schreib ich "Viele" und nicht "Alle". Und ich wette 1000 Euro, dass nicht einer von denen, die hier das Streikrecht ändern wollen oder Nullrunden fordern, das bei sich selbst mit einem Lächeln im Gesicht, gutheißen würden.