Ein Apotheker nimmt in einer Apotheke ein Medikament aus einem Kommissionierautomaten. | picture alliance / dpa Themendie

Wegen Corona-Regeln Geschäft mit Erkältungsmitteln bricht ein

Stand: 08.03.2021 11:30 Uhr

In der Pandemie halten die Menschen mehr Abstand zueinander und achten stärker auf Hygiene. Damit gehen Ansteckungen mit anderen Krankheiten zurück - und die Apotheken verkaufen weniger rezeptfreie Arzneien.

Die Apotheken in Deutschland haben im vergangenen Jahr deutlich weniger rezeptfreie Arzneien etwa gegen Erkältungen verkauft. Bei Erkältungs-, Durchfall- und Läusemitteln sei der Absatz rezeptfreier Medikamente in den ersten drei Quartalen 2020 deutlich gefallen, teilte der Apothekerverband ABDA mit.

Nach Daten des Marktforschers Insight Health fiel der Absatz von Erkältungsmitteln in den ersten drei Quartalen um 13 Prozent auf knapp 130 Millionen. Bei Durchfallmitteln wurden in den ersten neun Monaten der Vorjahre etwa 15 Millionen Packungen nachgefragt - 2020 waren es dagegen nur knapp zwölf Millionen, ein Fünftel weniger. Bei Läusemitteln sei der Absatz um fast die Hälfte auf 1,2 Millionen Medikamente eingebrochen. In den Zahlen sind das Geschäft vor Ort und der Versandhandel inbegriffen. Auch Hersteller wie Bayer, Stada und Sanofi meldeten Einbußen bei Erkältungspräparaten.

"Die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln in der Corona-Pandemie sorgte vermutlich für den Rückgang der Ansteckungen im Bereich von Durchfallerkrankungen und Erkältungen", erklärte die ABDA. Zudem dürften die "AHA-Regeln" (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) die Übertragung von Parasiten wie Läusen gebremst haben.

"Desinfektionsmittel kein großer Umsatztreiber"

Die Pandemie habe für ein Auf und Ab der Nachfrage in den Apotheken gesorgt, so der Verband. Zwar seien Desinfektionsmittel stark gefragt gewesen. "Sie waren aber kein großer Umsatztreiber für Apotheken", sagte ein ABDA-Sprecher. In den Zahlen für 2020 spiegele sich allerdings noch nicht der Ansturm auf medizinische Masken wider.

In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres zeigten sich aber bereits andere positive Folgen der Corona-Einschränkungen für die Branche. So stieg die Nachfrage nach Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitamin-Tabletten zur Stärkung der Abwehrkräfte. Dieses Geschäft habe von der Corona-Situation "sehr profitiert", sagte Bayer-Chef Werner Baumann.

In den kommenden Monaten dürften die Erkältungszahlen auch witterungsbedingt relativ niedrig bleiben. Im weiteren Jahresverlauf rechnet die Branche wegen Lockerungen der Corona-Einschränkungen damit, dass sich dies ändert. "Unserer Einschätzung nach wird auch der Absatz von Produkten gegen Grippe und Erkältung saisonal wieder ansteigen, sobald die Menschen zu einer gewissen Normalität zurückkehren", so der Generikahersteller Stada.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. März 2021 um 09:37 Uhr.