Ein Airbus A321 der Wizzair UK auf dem Flughafen London Luton (LTN)  | picture alliance / CHROMORANGE

Übernahme abgewehrt Wollte Wizz Air Easyjet kaufen?

Stand: 09.09.2021 14:10 Uhr

Easyjet besorgt sich über eine Kapitalerhöhung frisches Geld, um die Folgen von Corona zu bewältigen. Der britische Billigflieger will es allein schaffen, er lehnte das Kaufangebot eines Konkurrenten ab.

Easyjet will sich durch die Ausgabe neuer Aktien von den Anlegern eine Milliardensumme besorgen. Mit dem Geld sollen die finanziellen Folgen der Corona-Pandemie bewältigt werden, da in den vergangenen Monaten der Flugverkehr weltweit praktisch zum Erliegen gekommen war. Viele Fluggesellschaften, darunter auch die Lufthansa, sind in eine Existenzkrise geraten.

Die Ausgabe neuer Aktien solle etwa 1,2 Milliarden britische Pfund einbringen, also ungefähr 1,4 Milliarden Euro, teilte das Management von Easyjet mit. Das entspricht rund einem Drittel des bisherigen Börsenwerts, aktuell ist die Fluggesellschaft an der Börse rund 4,2 Milliarden Euro wert.

Außerdem hat sich Easyjet für die kommenden vier Jahre eine neue Kreditlinie über 400 Millionen US-Dollar, das entspricht 338 Millionen Euro, gesichert.

Wer wollte Easyjet kaufen?

Das Management teilte ferner mit, Easyjet habe die Übernahmeofferte eines Konkurrenten ausgeschlagen. Der Vorstand habe das Angebot nach gründlicher Prüfung einmütig abgelehnt, weil der gebotene Kaufpreis unter dem Unternehmenswert gelegen habe. Der Bieter habe mittlerweile erklärt, nicht länger interessiert zu sein, hieß es.

In der Vergangenheit hatte es Gerüchte gegeben, der British-Airways-Mutterkonzern IAG wolle den Billigflieger kaufen. Die Lufthansa kann derweil so lange keine Airline übernehmen, bis sie den Großteil des staatlichen Rettungspakets zurückgezahlt hat.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf einen Insider, dass es sich beim Bieter um den Konkurrenten Wizz Air aus Ungarn handle. Weder Wizz Air noch Easyjet bestätigten das bislang. Die ebenfalls in London börsennotierte Fluggesellschaft Wizz ist besser durch die Pandemie-Krise gekommen als die Konkurrenten. Sie profitiert von der Ost-West-Arbeitskräftewanderung in Europa, da viele Osteuropäer günstig in die Heimat fliegen wollen.

9.9.2021 • 14:10 Uhr

Aktie verliert deutlich

Wizz Air beförderte nach eigenen Angaben vor der Corona-Krise 2019 mit einer Flotte von 120 Flugzeugen 200 Millionen Passagiere im Jahr. Easyjet zählte nur halb so viele Passagiere mit einer Flotte von gut 300 Maschinen.

Easyjet erholt sich langsamer vom Einbruch der Passagierflüge aufgrund der Reisebeschränkungen in der Pandemie, da sie in Großbritannien noch immer recht restriktiv sind. So bietet die Airline von Juli bis September nur 57 Prozent der Vorkrisenkapazität an, während Rivale Ryanair im August 75 Prozent der Passagiere des Vergleichsmonats an Bord hatte und Wizz Air mehr als 85 Prozent.

An der Börse kamen vor allem die Nachrichten über die geplante Kapitalerhöhung nicht gut an, die Titel knickten zeitweise um mehr als zehn Prozent ein. Für die Altaktionäre ist eine Kapitalerhöhung meist eine schlechte Nachricht, da der Wert der eigenen Unternehmensanteile durch sie verwässert wird. So sinkt etwas der Anteil am Gewinn auch die Stimmrechte müssen durch mehr Aktien geteilt werden.