Ryanair-Maschine und Easyjet-Maschine | REUTERS

Wachsende Passagierzahlen Geschäft der Billigflieger erholt sich

Stand: 20.07.2021 12:36 Uhr

In diesen Wochen sorgen Urlauber auf dem Weg in den Süden wieder für mehr Leben auf den Flughäfen. Davon profitieren vor allem Billigflieger wie Easyjet. Doch das Vorkrisenniveau ist noch lange nicht erreicht.

Johan Lundgren, Chef des britischen Billigfliegers Easyjet, ist erleichtert. Trotz des anhaltenden Wirrwarrs bei den Corona-Reisebeschränkungen lassen sich die Europäer die Urlaubsstimmung nicht vermiesen und buchen wieder vermehrt Flugreisen. Zwischen April und Juni erreichte die Kapazitätsauslastung der Easyjet-Flieger zwar nur 17 Prozent des Vorkrisenniveaus, doch der Trend zeigt nach oben. In den Sommermonaten soll die Kapazität auf bis zu 60 Prozent des Niveaus aus dem Jahr 2019 angehoben werden. Bereits im dritten Geschäftsquartal, von April bis Juni des Bilanzjahres 2020/21, lief es von Monat zu Monat besser. So kletterte der Umsatz auf rund 213 Millionen Pfund nach 7,2 Millionen vor Jahresfrist.

"In diesem Quartal haben wir die anhaltenden Herausforderungen der Pandemie erfolgreich gemeistert", sagt Johan Lundgren. Tatsächlich zogen die Fluggastzahlen zuletzt deutlich an. Waren es im April noch rund 524.000 Passagiere, schnellte die Zahl im Mai schon auf 870.000 hoch, im Juni wurden schon fast 1,6 Millionen gezählt. Dennoch ist auch Easyjet von den Zahlen vor der Pandemie noch weit entfernt.

Immer noch tiefrote Zahlen

Die Kunden buchen wegen der anhaltenden Corona-Unsicherheit und den ständig wechselnden Reisevorschriften deutlich kurzfristiger. So hat Easyjet nach eigenen Angaben erst 49 Prozent der Tickets für das laufende Quartal verkauft. Vor zwei Jahren seien es zu diesem Zeitpunkt bereits 65 Prozent gewesen. Vor allem mit Blick auf Flüge von und nach Großbritannien seien die Kunden vorsichtig.

Dass es noch längst nicht wieder so rund läuft wie vor der Pandemie, zeigt auch ein Blick auf die Geschäftszahlen. So schreibt Easyjet trotz des zuletzt gestiegenen Fluggastaufkommens weiter tiefrote Zahlen. Im dritten Geschäftsquartal belief sich der Verlust vor Steuern und Sondereffekten auf 318 Millionen Pfund. Ein Jahr zuvor hatte das Minus mit rund 347 Millionen Pfund zwar noch höher gelegen, doch von einer nachhaltigen Erholung will Easyjet noch nicht sprechen. Zu groß bleibt die Unsicherheit angesichts der sich nun rasant verbreitenden Delta-Variante des Coronavirus.

Kommen Billigflieger besser durch die Krise?

Dennoch ist Lundgren zuversichtlich, nach Kostensenkungen von 500 Millionen Pfund im laufenden Geschäftsjahr sowie Umstrukturierungen gestärkt aus der Corona-Pandemie herauszukommen. Das sehen Branchenbeobachter wie Patrick Creuset von der Investmentbank Goldman Sachs ähnlich. Billigfluggesellschaften werden nach der Pandemie profitabler sein als die Netzwerk-Airlines, prophezeit er in einer Kurzstudie. Auch sein Kollege Daniel Röska von Bernstein Research glaubt, dass Anbieter wie die ungarische Wizz Air oder die irische Ryanair besser dastehen werden als traditionelle Carrier wie Lufthansa oder Air France-KLM.

Sie begründen ihre Aussage damit, dass sich das Kerngeschäft der Billigflieger, das Geschäft mit Urlaubs- und Privatreisen, schneller von der Krise erholen wird als die Geschäftsreisen. Zudem koste der Neustart der Flugzeuge viel Geld. Die Flieger müssten technisch fit gemacht und die Crews geschult werden. Gleichzeitig bleibe unsicher, wie schnell und wie gut sich die Flieger wieder füllen werden. Die Kosten könnten schneller wachsen als die Einnahmen durch den Ticketverkauf. Eine solch unübersichtliche Entwicklung zu steuern, gehöre zur üblichen Praxis der Billiganbieter, so Experte Creuset. Sie seien damit groß geworden, schnell zu wachsen, ohne dabei viel Geld zu verbrennen.

Noch immer gut gefüllte Kassen

Auch verstünden sie es über den Preis, Nachfrage auf Strecken zu generieren, die es sonst gar nicht gäbe, etwa die Verbindung zwischen dem Hunsrück-Flughafen Hahn und der südfranzösischen Stadt Montpellier. Dabei nutzen die Airlines teilweise sogar von Regionalflughäfen gezahlte Subventionen, um die Flugpreise niedrig zu halten.

Auch verweisen die Experten darauf, dass Airlines wie Ryanair trotz der Krise noch über ausreichend Geld verfügen. Zwar seien die Schulden der irischen Airline im abgelaufenen Geschäftsjahr (zum 31. März 2021) von 3,97 auf 5,24 Milliarden Euro gestiegen. Doch Ryanair hatte Ende März mit 2,65 Milliarden Euro fast genauso viel liquide Mittel in der Kasse wie ein Jahr zuvor.

Kommen Mindestpreise für Flüge?

Als Hürde für die Branche - zumindest in Deutschland - könnten sich Pläne der Politik erweisen, Flugreisen aus Gründen des Umweltschutzes zu verteuern. So hat Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz vorgeschlagen, Mindestpreise für Flugtickets einzuführen, um auf diese Weise die Flugreisen zu reduzieren. Solche Vorschriften unterlaufen das Geschäftsmodell der Billigflieger und könnten ihre Entwicklung empfindlich stören, urteilen Experten.

Ryanair lässt sich davon nicht beeindrucken. Die Airline will in den kommenden drei Jahren 2000 Nachwuchspiloten einstellen. Hintergrund ist die Anschaffung von mehr als 200 Boeing 737 der neuesten Generation. Damit will Ryanair nach der Corona-Krise wieder durchstarten und ab 2024 die Marke von 200 Millionen Passagiere jährlich knacken.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. Juli 2021 um 14:58 Uhr.