Fahnen mit dem Logo der DWS Group hängen am Rande des Börsengangs des Vermögensverwalters an der Fassade der Wertpapierbörse | picture alliance/dpa

"Greenwashing"-Verdacht Deutsche-Bank-Tochter DWS wechselt Chef aus

Stand: 01.06.2022 09:27 Uhr

Einen Tag nach der Razzia bei der Deutschen Bank und der DWS wegen des "Greenwashing"-Verdachts hat die Fondstochter ihren Chef ausgetauscht. Für Asoka Wöhrmann waren die Vorwürfe "eine Belastung" geworden.

Die nach Vorwürfen wegen des sogenannten "Greenwashings" bei Finanzprodukten unter Druck stehende Deutsche-Bank-Fondstochter DWS tauscht ihren Chef aus. Stefan Hoops werde mit Ablauf des Tages der diesjährigen Hauptversammlung neuer Vorsitzender der Geschäftsführung (CEO), teilte die DWS in einer ersten Pflichtmitteilung in der vergangenen Nacht mit. Hoops sei von der Gesellschafterversammlung mit Wirkung zum 10. Juni 2022 zum Mitglied und Vorsitzenden der Geschäftsführung bestellt worden.

Damit scheidet er aus seiner Rolle beim Mutterkonzern aus. 2003 kam Hoops zur Deutschen Bank und arbeitete zunächst im Vertrieb für festverzinsliche Wertpapiere. 2008 wechselte er in den Kredithandel in New York und hatte in den Folgejahren verschiedene leitende Funktionen im Kapitalmarktgeschäft in den USA und Deutschland inne. Seit Juli 2019 war er als Leiter der Unternehmensbank tätig, die den Firmen- und Geschäftskundenbereich der Deutschen Bank umfasst.

Stefan Hoops | picture alliance/dpa/TASS

Stefan Hoops wird neuer Chef der DWS. Bild: picture alliance/dpa/TASS

"Belastung für das Unternehmen und auch für meine Familie"

Der neue Chef folgt auf Asoka Wöhrmann. Dieser habe sich entschieden, sein Mandat im Einvernehmen mit dem Unternehmen zum Ablauf der Hauptversammlung am 9. Juni niederzulegen, hieß es am Morgen in einer weiteren DWS-Mitteilung. Explizite Gründe nannte das Unternehmen nicht. Allerdings schlug zuletzt der bereits seit längerem existierende Ärger wegen des "Greenwashing"-Verdachts wieder hohe Wellen.

Die Vorwürfe, die in den vergangenen Monaten gegen die DWS und ihn persönlich erhoben worden seien, seien "eine Belastung für das Unternehmen und auch für meine Familie" geworden, wird Wöhrmann zitiert. "Um die Institution und auch meine Familie zu schützen, möchte ich daher den Weg für einen personellen Neuanfang frei machen."

Gestern hatten Ermittler Räume in der Zentrale der Deutsche Bank und im benachbarten Gebäude der DWS durchsucht. Beteiligt waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft etwa 50 Einsatzkräfte von Staatsanwaltschaft, Finanzaufsicht BaFin und Bundeskriminalamt (BKA). Nach Angaben einer Sprecherin ging es dabei um den Verdacht des Kapitalanlagebetrugs. "Das Verfahren richtet sich gegen bislang unbekannte Mitarbeiter und Verantwortliche der DWS."

Ermittlungen seit Anfang des Jahres

Die Ermittlungen gegen die DWS laufen nach Angaben der Behörde seit Mitte Januar 2022. Hintergrund der Maßnahme sind seit Monaten kursierende "Greenwashing"-Vorwürfe, also Etikettenschwindel bei den Angaben zu Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsaspekten von Investments. Demnach soll der Vermögensverwalter Angaben zu Kriterien zu hoch angesetzt haben und bei Themen in Wahrheit nicht so weit fortgeschritten sein wie angegeben.

"Nach Prüfung haben sich zureichende tatsächliche Anhaltspunkte ergeben, dass entgegen der Angaben in Verkaufsprospekten von DWS-Fonds ESG-Faktoren nur in einer Minderheit der Investments tatsächlich berücksichtigt worden sind", teilte die Staatsanwaltschaft mit. In einer Vielzahl von Beteiligungen hätten diese ESG-Faktoren - die Abkürzung steht für "Environment, Social, Governance" - jedoch "keinerlei Beachtung gefunden". Ins Rollen gebracht hatte die Ermittlungen im vergangenen Jahr Aussagen der früheren Nachhaltigkeitsbeauftragten der DWS, Desiree Fixler.

Die DWS hatte die Anschuldigungen stets zurückgewiesen. Nun verlässt der langjährige Chef die Spitze der Fondstochter. "Ich habe großen Respekt für Asoka Wöhrmanns Entscheidung, sein Amt niederzulegen - sie zeugt von seinem Verantwortungsbewusstsein", sagte Karl von Rohr, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank und Aufsichtsratsvorsitzender der DWS.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 01. Juni 2022 um 08:42 Uhr.