Ein Traktor auf einem Feld | dpa

Steigende Preise Teurer Dünger belastet Landwirte

Stand: 08.11.2021 06:39 Uhr

Die Preise für Stickstoffdünger haben sich innerhalb eines Jahres teilweise verdreifacht. Das sorgt bei vielen Bauern für Unruhe. Vor allem für Forstbetriebe ist zudem der teure Kraftstoff ein Problem.

Von Christine Schneider, BR

Die Zuckerrübenernte rund um Ingolstadt ist voll im Gange, der Rübenroder läuft rund um die Uhr. Das heißt Hochsaison für Landwirt Max Ampferl. Eigentlich hat er jetzt keine Zeit, schon an das nächste Jahr zu denken, aber es gibt ein Problem: Der Düngerpreis ist stark gestiegen. "Das hat uns überrollt, die Lage ist katastrophal. Eigentlich kann ich mich jetzt nicht um den Düngereinkauf kümmern. Aber wenn uns die Situation davonläuft, muss man alles andere liegen und stehen lassen, weil sonst viel Geld kaputt ist."

Im vergangenen Jahr kostete Stickstoffdünger wie Kalkammonsalpeter 17 Euro pro Dezitonne, also 100 Kilogramm. Im Sommer waren es 27 Euro, da hätte er eigentlich einkaufen sollen, sagt Landwirt Ampferl, denn jetzt sind es 55 Euro. Aber wie hätte er ahnen können, dass der Preis weiter so exorbitant steige.

Nicht nur teuer, sondern knapp

Max Ampferl bewirtschaftet 60 Hektar Ackerland. Den Mineraldünger braucht er für alle Kulturen: Gerste, Weizen, Zuckerrüben. Für die erste Düngung im nächsten Frühjahr konnte er sich jetzt noch 15 Tonnen Dünger sichern und musste dafür 5700 Euro mehr bezahlen als im Frühjahr. Aber 40 Tonnen bräuchte er insgesamt.

Auch die Preise für Phosphatdünger haben sich nach Angaben des Bauernverbandes in den vergangenen zehn Monaten verdoppelt. Doch Dünger ist nicht nur teuer geworden, sondern teilweise gar nicht mehr verfügbar. Beim Energie- und Agrarkonzern BayWa in Großmehring bei Ingolstadt klingelt alle paar Minuten das Telefon. Laut Geschäftsführer Josef Mair sind die Landwirte ziemlich nervös. Er könne die Nachfrage gar nicht bedienen, sagte er - auch weil manche Lieferanten gar kein Angebot mehr machten.

Hohe Gaspreise sind die Ursache

Die Hauptursache für die hohen Düngerpreise ist der außergewöhnliche Preisanstieg von Erdgas, das als Rohstoff für die Düngemittelherstellung benötigt wird. Innerhalb von wenigen Monaten habe sich der Erdgaspreis verfünffacht, sagt Christopher Profitlich, Pressesprecher des  Düngemittelherstellers SKW Stickstoffwerke Piesteritz in Sachsen-Anhalt. SKW Piesteritz ist der größte Ammoniak- und Harnstoffproduzent Deutschlands. Die gestiegenen Kosten legt er auf die Kunden um, hat aber die Produktion aktuell um 30 Prozent reduziert, weil man fürchtet, dass die Landwirte die hohen Preise nicht zahlen.  

Viele Ackerbauern fragen sich, wie es 2022 weitergehen wird. Viele Feldfrüchte müssen im Laufe der Vegetation dreimal gedüngt werden. "Wenn wir wüssten, dass es zur zweiten oder dritten Düngung keinen Dünger mehr gibt, dann bräuchten wir die erste Düngergabe auch nicht streuen", sagt Landwirt Max Ampferl. "Dann bräuchten wir gar nicht erst ansäen und müssten sagen: In diesem Jahr können wir kein Getreide erzeugen."

Ähnliche Situation schon 2008

Jörg Reisenweber, Experte am Institut für Agrarökonomie an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, hält die derzeitige Lage zwar für angespannt, aber im Gegensatz zu vielen Landwirten nicht für dramatisch. Eine ähnliche Situation habe es bereits 2008 und 2009 gegeben. "Eigentlich haben die Landwirte Erfahrung, wie man mit solchen Situationen umgehen kann."

Zudem seien auch die Getreidepreise gestiegen, weswegen die Landwirte mehr erlösen könnten. Für den Winterraps bekomme ein Landwirt heute 60 Euro pro Dezitonne, so Reisenweber. Vor drei Jahren seien es rund 35 Euro gewesen. Auch für Sojabohnen, Weizen oder Braugerste sind die Preise gestiegen.

"Es ist extrem"

Allerdings belastet nicht nur der teure Dünger die Landwirtschaft. Dazu kommen die enorm gestiegenen Spritpreise. Der Forstunternehmer Sebastian Eberl aus dem oberbayerischen Landkreis Eichstätt fällt Bäume unter anderem für die Bayerischen Staatsforsten. Bis zu 300 Liter Diesel braucht eine Holzernte-Maschine - der sogenannte Harvester - am Tag. Und Treibstoff ist aktuell um 40 Cent teurer als noch vor einem Jahr. "Es ist extrem, was da momentan abgeht", sagt Eberl. "Das wird sich bei meinem Betrieb mit 40.000 Euro im Jahr auswirken."

Ökonom Reisenweber hält das Diesel-Problem indes für beherrschbar - schließlich sei ein Großteil der landwirtschaftlichen Arbeiten wie Pflügen und Säen von Wintergetreide in diesem Jahr schon gemacht. Nach seinen Berechnungen haben Landwirte 2021 durch den teuren Kraftstoff beispielsweise beim Weizen pro Hektar 25 Euro mehr Ausgaben. Ein Problem hätten derzeit allerdings Landwirte, die Körnermais trocknen müssen. Durch die gestiegenen Energiepreise kostet das jetzt 600 Euro pro Hektar - doppelt so viel wie ein Jahr zuvor.

Politik sieht derzeit keinen Handlungsbedarf

Viele Bauern fordern inzwischen von der Politik Beihilfen oder Steuererleichterungen, um die Lage zu entschärfen. Doch dazu ist nichts geplant. Von Seiten des Bundeslandwirtschaftsministeriums heißt es dazu: "Es handelt sich nicht um ein spezifisches Problem des Landwirtschaftssektors. Die hohen Energiepreise betreffen derzeit alle Branchen sowie die Verbraucherinnen und Verbraucher."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Oktober 2021 um 15:00 Uhr.