Eine Boeing 787-10 "Dreamliner" steht auf dem Charleston International Airport. (März 2017) | dpa

Neue Probleme beim "Dreamliner" Boeing fährt Produktion erneut herunter

Stand: 13.07.2021 19:48 Uhr

Der US-Flugzeugbauer Boeing muss die Produktion seines "Dreamliners" wegen Qualitätsproblemen erneut runterfahren. Dabei hatte sich Boeing gerade erst von der Corona-Krise und dem Debakel um das Modell 737 Max erholt.

Der US-Luftfahrtriese Boeing muss seine Auslieferungsziele wegen neuer Produktionsmängel beim Langstreckenjet 787 "Dreamliner" stark reduzieren. Laut Unternehmen gibt es Qualitätsprobleme in der Verarbeitung des Flugzeugs.

Bei einer Qualitätskontrolle der amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA seien Spalten und Lücken an der Außenhaut des Fliegers und in der Nähe der Flugzeugnase registriert worden. Die Produktion wurde erneut heruntergefahren.

Das Qualitätsproblem ähnele einem bereits früher bekannten Mangel an anderen Stellen des Flugzeugs. Es handele sich laut der FAA jedoch nicht um eine akute Bedrohung für die Flugsicherheit. Die Behörde behielt sich vor, Reparaturen an 787-Modellen anzuordnen, die bereits im Flugbetrieb sind.

Lieferquote bricht um die Hälfte ein

Der Airbus-Rivale teilte mit, dass daher weitere Inspektionen und Reparaturen bei etlichen 787-Fliegern nötig seien, die noch nicht an Kunden übergeben wurden. Das Unternehmen geht davon aus, dass es rund drei Wochen dauern werde, den Defekt zu beheben. Zudem rechne Boeing damit, dieses Jahr weniger als die Hälfte seiner derzeit gelagerten 787-Maschinen ausliefern zu können. Deshalb werde auch die Produktion des Modelltyps vorübergehend gedrosselt.

Anleger reagierten nervös auf die neueste Hiobsbotschaft von Boeing - mit einem Minus von mehr als drei Prozent waren die Aktien des Unternehmens zuletzt Schlusslicht im US-Leitindex Dow Jones. Boeing hat ohnehin schon länger mit Problemen wegen Produktionsmängeln beim "Dreamliner" zu kämpfen, unter denen die Auslieferungen des wichtigen Modells leiden.

156 Flugzeuge im ersten Halbjahr übergeben

Der Konzern ist zudem stark angeschlagen von den Folgen der Corona-Krise und des Debakels um seine bestverkaufte Baureihe 737-Max, die nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten mehr als anderthalb Jahre lang weltweit mit Flugverboten belegt war.

Eigentlich hatte sich Boeing nach der Doppelbelastung aus 737-Max-Krise und Pandemie gerade wieder etwas berappelt. So lieferte das Unternehmen im Juni laut seiner heute veröffentlichten Auftragsbilanz 45 Jets aus und schaffte damit den besten Monatswert seit März 2019. Mit 33 Maschinen entfiel der Großteil auf die 737-Max-Baureihe.

Im ersten Halbjahr 2021 hat Boeing inzwischen schon 156 Flugzeuge an Kunden übergeben - das ist jetzt schon eine Maschine mehr als im gesamten vergangenen Jahr. Auch die Auftragslage des Airbus-Rivalen hat sich in den vergangenen Monaten dank der Wiederzulassung der 737 Max schon wieder erheblich verbessert.


Mit Informationen von Stefanie Germann, ARD-Studio Washington