Scarlett Johanson als "Black Widow" im gleichnamigen Disney-Film

Viele neue Streamingkunden Disney kommt Netflix näher

Stand: 13.08.2021 12:42 Uhr

Die zunehmende Fokussierung aufs Streaminggeschäft zahlt sich für Disney aus: Im abgelaufenen Quartal lockte der Konzern deutlich mehr neue Abonnenten an als Konkurrent Netflix.

Im hart umkämpften Streaming-Markt macht der US-Unterhaltungskonzern Walt Disney dem Marktführer Netflix zunehmend Konkurrenz. Im zweiten Quartal verzeichnete der Streaming-Dienst Disney+ einen Zuwachs von zwölf Millionen Kunden. Damit erhöhte sich die Zahl der Abonnenten auf 116 Millionen. Das sind doppelt so viele wie noch vor einem Jahr.

Auch die zwei ebenfalls zu Disney gehörenden Dienste Hulu und ESPN+ gewannen mehr zahlende Kunden. Zusammen mit Disney+ kommen die Abo-Angebote von Disney nun bereits auf fast 174 Millionen Nutzer.

Vorsprung von Netflix wird kleiner

Zum Vergleich: Marktführer Netflix lockte im selben Zeitraum lediglich 1,5 Millionen neue Streaming-Kunden an und zählt nun 209 Millionen Abonnenten. Vor allem in Nordamerika scheint der Streaming-Riese seinen Zenit erreicht zu haben. Er verlor dort fast eine halbe Million Kunden.

Damit entwickelt sich der Disney-Konzern immer mehr zum härtesten Rivalen von Netflix. "Es ist offensichtlich, dass Disney+ nun ein unverzichtbarer Streamingdienst neben Netflix geworden ist", sagt Analyst Paolo Pescatore vom Marktbeobachter PP Foresight.

Im Preis-Wettbewerb hat Disney die Nase vorn. Der Streaming-Dienst des Konzerns ist laut Medienberichten billiger als der von Netflix.

Alternativen zu Kinoschließungen

Mit gestreamten Filmen, die eigentlich fürs Kino gedreht wurden, konnte Disney in der Corona-Krise punkten. "Im Lichte der längeren und unvorhersagbaren Pandemie mussten wir Alternativen finden, unsere Filme zu den Kunden zu bringen, während die Kinos geschlossen waren", erklärte Disney-Chef Bob Chapek in der Telefonkonferenz im Anschluss an die vorgelegten Zahlen.

Inzwischen sind in vielen Ländern der Welt die Kinos wieder geöffnet. Disney fährt nun eine Doppelstrategie. Der Superhelden-Film "Black Widow" wurde parallel zum Kinostart auch auf der Streaming-Plattform angeboten. Hollywood-Star Scarlett Johansson hat deshalb Disney verklagt, weil ihr dadurch Millionen von Dollar entgehen. Disney hatte ihr vertraglich einen Anteil der Einnahmen an den Kinokassen zugesichert.

Mit Investitionen auf dem Weg zur Nummer eins

Mit Milliarden-Investitionen will Disney in den nächsten Jahren zum Marktführer im Streaming-Geschäft werden. Der Konzern stellt rund 16 Milliarden Dollar für neue Inhalte bis Ende 2024 bereit und will die Zahl der Abonnenten auf 260 Millionen erhöhen. Experten rechnen damit, dass Disney+ bis 2026 Netflix überholt.

Neben Disney tummeln sich eine Reihe anderer Medien- und Unterhaltungskonzerne im Streaming-Geschäft. So mischen Amazon und Apple in diesem Milliarden-Markt kräftig mit. Vor kurzem verkaufte AT&T sein Mediengeschäft WarnerMedia mit Sendern wie CNN und HBO ("Game of Thrones") an den Medienkonzern Discovery. Dadurch entsteht ein neuer Medienriese und Netflix-Konkurrent. Bisher zählt der Streamingdienst HBO Max gut 64 Millionen Abonnenten.

Netflix-Chef sieht keinen großen Gegenwind

Netflix-Chef Reed Hastings sieht die zunehmende Streaming-Konkurrenz gelassen. "Wir sehen keinen großen Gegenwind durch neue Streaming-Wettbewerber", sagte er Ende Juli bei der Vorlage der enttäuschenden Quartalszahlen. Im Gegensatz zu Netflix verdient Disney mit dem 2019 gestarteten Streaming-Geschäft noch kein Geld. Erst 2023 soll Disney+ Gewinne abwerfen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 04. Juni 2021 um 14:09 Uhr.