Die Sonne geht über Schornsteinen und einem Kühlturm eines Kraftwerks auf | dpa

DIHK-Umfrage Viele Firmen noch ohne Energieverträge

Stand: 14.03.2022 13:15 Uhr

Fast jeder zweite deutsche Betrieb hat seine Energieversorgung in diesem Jahr noch nicht mit einem Vertrag komplett gesichert. Das könnte viele Firmen in finanzielle Schieflage bringen, warnt der Industrie- und Handelskammertag.

Inmitten stark steigender Preise wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine muss noch jedes zweite deutsche Unternehmen seine Strom- und Gasversorgung für das laufende Jahr vertraglich absichern. Nur 46 Prozent hatten ihre Stromverträge für 2022 schon vor Kriegsausbruch vollständig unter Dach und Fach, wie eine heute veröffentlichte Befragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter 2000 Firmen ergab. Jeder dritte Betrieb muss danach noch mehr als 70 Prozent einkaufen. Auch die Gasbeschaffung habe nur jedes zweite Unternehmen bereits erledigt.

"Damit steht jedes zweite Unternehmen vor einer Kostenexplosion, die kaum aufzufangen ist", sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. Ein mittleres Unternehmen etwa aus der Glasindustrie habe 2015 im Schnitt noch etwa 100.000 Euro pro Monat für seine Energieversorgung bezahlt. "Aktuell ist dafür der fünf- bis sechsfache Betrag fällig, manchmal sogar noch mehr", sagte Dercks.

Deutsche Betriebe zahlen ohnehin mehr

Die Preisexplosionen träfen die deutschen Industriebetriebe stärker als ihre internationalen Wettbewerber, so der DIHK. "Schon vor dem Angriff auf die Ukraine mussten die deutschen Mittelständler in Europa die höchsten Strompreise bezahlen", sagte Dercks. "Außerdem bedeutet der nationale Zertifikatehandel für eine ganze Reihe von Unternehmen in Deutschland eine teure Sonderbelastung - und das schon gegenüber den EU-Wettbewerbern."

Die vorgezogene Abschaffung der EEG-Umlage zum 1. Juli sieht der DIHK als wichtiges Signal. "Sie kann aber nur einen Bruchteil der höheren Beschaffungskosten ausgleichen", so Dercks. Nötig seien jetzt kurzfristige Stabilisierungsmaßnahmen, etwa eine Absenkung der staatlichen Umlagen und der Stromsteuer zusammen mit zinsgünstigen Krediten der staatlichen Förderbank KfW oder sogar direkten Notfallzahlungen.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Radio am 31. Januar 2022 um 10:00 Uhr.