Frank Hiller | picture alliance/dpa

Vorstandsvorsitzender muss gehen Deutz-Chef stolpert über Frauenquote

Stand: 14.02.2022 12:42 Uhr

Der Streit über den Umgang mit einer Frauenquote beim Motorenbauer Deutz ist eskaliert: Vorstandschef Hiller muss seinen Posten räumen. Auch der Aufsichtsrat bekommt einen neuen Vorsitzenden.

Der Vorstandsvorsitzende des Motorenherstellers Deutz, Frank Hiller, ist vom Aufsichtsrat einstimmig aus dem Vorstand abberufen worden. Das teilte der Konzern mit. Er scheide mit sofortiger Wirkung aus. Seinen Posten übernehme der bisherige Finanzvorstand und Arbeitsdirektor Sebastian Schulte, der seine bisherigen Bereiche interimsweise weiterführe. In den Deutz-Vorstand soll künftig eine Frau rücken.

Der Aufsichtsrat habe bereits einen Prozess aufgesetzt, um die Vakanz im Vorstand im Sinne des Zweiten Führungspositionen-Gesetzes mit einer Frau zu füllen, heißt es in der Mitteilung weiter. Ein Unternehmenssprecher bestätigte, dass es eine Diskussion über die Umsetzung der Vorgabe gegeben habe, insbesondere darüber, wie das vorausschauend am besten erfolgen könne.

Dabei habe es unterschiedliche Auffassungen gegeben. Am Ende habe der Aufsichtsrat diese Entscheidung getroffen. Spätestens Ende 2022 beziehungsweise Anfang 2023 hätte das Thema Vertragsverlängerung bei zwei der bisher vier Vorstände angestanden, sagte der Sprecher weiter. Zuvor hatte es Medienberichte über die Differenzen zwischen Hiller und Aufsichtsratschef Bernd Bohr gegeben.

Auch der Aufsichtsratschef wird ausgetauscht

Auch im Aufsichtsrat gibt es Veränderungen: Das Gremium hat den ehemaligen Audi-Vorstand Dietmar Voggenreiter zu seinem neuen Vorsitzenden gewählt. Der bisherige Chef des Aufsichtsrats Bohr habe den Vorsitz zuvor niedergelegt. Er bleibe aber Mitglied des Aufsichtsrats.

Bislang ist die Deutz-Chefetage von vier Männern besetzt, eine Frau ist nicht dabei. Seit August 2021 müssen aber große Unternehmen nach dem sogenannten Zweiten Führungspositionen-Gesetz neue Regeln zur Besetzung von Spitzenpositionen befolgen. Börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen mit mehr als 2000 Beschäftigten und mehr als drei Vorständen müssen demnach bei Nachbesetzungen in der Top-Management-Etage sicherstellen, dass mindestens eine Frau im Vorstand vertreten ist.

Vorgänge bei Deutz sind "Super-GAU"

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bezeichnete die Vorgänge bei Deutz als "Super-GAU". So etwas dürfe schlichtweg nicht passieren, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. Hier müssten der Aufsichtsrat und vorneweg der Aufsichtsratsvorsitzende frühzeitig die Weichen stellen und Entscheidungen treffen. Die Vorgaben des Zweiten Führungspositionen-Gesetzes seien gerade für mittelständisch geprägte Unternehmen eine große Herausforderung.

An der Börse reagierten die Anleger heftig auf die Nachricht, dass Vorstandschef Hiller vom Aufsichtsrat einstimmig aus dem Vorstand abberufen wurde. Der Chef-Weggang erhöhe die Unsicherheit, hieß es von Marktteilnehmern. Die im SDAX gelistete Aktie verliert zeitweise mehr als zwölf Prozent und sinkt auf den tiefsten Stand seit Ende 2020. Seit ihrem Zwischenhoch Mitte September 2021 hat sie gut 40 Prozent verloren.

"Mangelnde Profitabilität"

Allerdings hat Deutz auch andere Sorgen. Der Investor Ardan Livvey hatte jüngst deutliche Kritik am Kurs des Unternehmens geübt und ihm mangelnde Profitabilität vorgeworfen. Das Deutz-Management müsse sich ehrgeizigere Ziele setzen. Vergangenen November hatte der aktivistische Finanzinvestor, der nach eigenen Angaben mehr als fünf Prozent der Deutz-Aktien hält, eine Abberufung des Vorstands gefordert. Deutz hatte für 2021 einen Umsatz von 1,6 bis 1,7 Milliarden Euro angepeilt. Der Konzern will am 14. März Zahlen für das vergangene Jahr vorlegen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Februar 2022 um 15:00 Uhr.