Ein ICE-Zug der Deutschen Bahn auf den Gleisen am Hauptbahnhof Frankfurt. | dpa

Bilanz der Allianz pro Schiene Deutschland steigert Pro-Kopf-Ausgaben für die Schiene

Stand: 04.08.2021 19:16 Uhr

Deutschland hat die Ausgaben für Schienenwege auf 88 Euro pro Kopf gesteigert - das ist so viel wie nie zuvor. Trotzdem ist das im europäischen Vergleich nicht einmal Mittelmaß. Noch immer wird mehr Geld in Fernstraßen investiert.

Deutschland hat für mehr Bahnverkehr seine Investitionen in die Schiene auf Rekordniveau gesteigert: Pro Einwohner flossen 2020 rund 88 Euro in das Netz - 16 Prozent mehr als im Vorjahr, wie ein Vergleich für die Allianz pro Schiene ergab. Das waren knapp 80 Prozent mehr als beim letzten Tiefstand 2014.

Die Allianz pro Schiene hat der scheidenden Bundesregierung jedoch eine gemischte Bilanz bei der Bahnpolitik ausgestellt. Deutschland habe im vergangenen Jahr "so viel in den klimafreundlichen Verkehrsträger investiert wie nie zuvor", würdigte die Allianz pro Schiene. Jedoch erreiche Deutschland damit weiterhin international "nicht einmal Mittelmaß".

Zum Vergleich: Luxemburg investierte zuletzt 567 Euro, die Schweiz 440 Euro und Österreich 249 Euro pro Kopf in die Schiene. Italien, Großbritannien und die Niederlande wenden jeweils etwa 50 Prozent mehr auf als Deutschland. Hinter Deutschland lagen demnach Frankreich und Spanien mit 49 beziehungsweise 40 Euro an Investitionen.

Fernstraße hat immer noch Vorrang

Der Verein kritisierte auch, dass der Bund weiterhin mehr Geld in Straßen stecke. Für mehr Klimaschutz müssten sich die Gewichte stärker verschieben, forderte der Vorsitzende Dirk Flege. "Wir müssen neue Schienenstrecken bauen, dafür brauchen wir mehr Geld." Zudem seien die Baukosten deutlich gestiegen.

Das Bundesverkehrsministerium erklärte, für 2022 sei im Haushalt erstmals mehr Geld für die Schiene vorgesehen als für die Straße. "Das gab es zuvor noch nie", erklärte ein Sprecher. Außerdem sei in der laufenden Legislatur das größte Investitions- und Modernisierungsprogramm für die Schiene aufgelegt worden, das es je gegeben habe. Allein 2021 seien Investitionen in Höhe von 8,5 Milliarden Euro vorgesehen - nach 7,6 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.

"Nachfrage nach der Schiene wird steigen"

Die Allianz pro Schiene - ein Verbund aus Umweltorganisationen, Hochschulen und Bahnunternehmen - sowie die Unternehmensberatung SCI Verkehr verwiesen bei der Vorstellung ihres Rankings indes auch darauf, dass mit den gestiegenen Investitionen "zum großen Teil nur die massiven Steigerungen der Baukosten" ausgeglichen worden seien. Sie bedeuteten "nicht eins zu eins mehr Schiene".

Allianz pro Schiene und SCI Verkehr forderten die nächste Regierung auf, vor allem den Neu- und Ausbau der Schieneninfrastruktur zu beschleunigen, denn dort seien die Mittel zuletzt sogar gekürzt worden. Die Nachfrage nach der Schiene werde weiter steigen, nötig seien neben mehr finanziellen Mitteln dabei aber auch "eine veränderte Planung und eine zügigere Umsetzung".

Die Bahn in Deutschland kämpft seit Jahren gegen einen milliardenschweren Sanierungsstau. Viele Brücken und Stellwerke sind in die Jahre gekommen, Verspätungen und Zugausfälle können die Folge sein.

Über dieses Thema berichtete Bayern 2 am 04. August 2021 um 14:00 Uhr in den Nachrichten.