Postautos stehen auf einem Parkplatz. | dpa

Dritte Verhandungsrunde Neuer Anlauf im Post-Tarifstreit

Stand: 08.02.2023 14:31 Uhr

Die Positionen liegen weit auseinander: ver.di fordert 15 Prozent mehr Geld für die Post-Beschäftigten, der Konzern lehnt das als unrealistisch ab. Nun haben neue Verhandlungen zwischen den Tarifparteien begonnen.

Von Jörg Sauerwein, WDR

Im Tarifstreit bei der Deutschen Post hat die dritte Verhandlungsrunde begonnen. Vertreter des Konzern und der Gewerkschaft ver.di kamen zu zweitägigen Gesprächen in Düsseldorf zusammen. Nach dem Scheitern der vorangegangenen Gespräche hatte ver.di zu deutschlandweiten Streiks aufgerufen; Millionen Pakete und Briefe verspäteten sich.

Zum Auftakt der Verhandlungen wollte die Deutsche Post ein erstes Angebot vorlegen. Das aber dürfte noch weit entfernt sein von den Forderungen von ver.di: Die kämpft für 15 Prozent mehr Geld für die 160.000 Tarifbeschäftigten - und das bei einer Laufzeit von gerade einmal zwölf Monaten.

"Noch ein langer Weg"

Beide Seiten liegen noch weit auseinander, wie auch Post-Personalvorstand Thomas Ogilvie einräumte. "Wir gehen mit der Erwartungshaltung in die Runde, dass es uns gelingen wird, am Ende ein Ergebnis zu finden, das die Interessen des Unternehmens, aber auch die Interessen der Beschäftigten in Balance bringen wird." Das werde noch ein langer Weg werden, "aber wenn beide Seiten sich aufeinander zubewegen, wird das gelingen", so Ogilvie.

Die Frage ist allerdings unter anderem, wie weit die Gewerkschaft von ihren Vorstellungen abrücken kann. ver.di-Verhandlungsführerin Andrea Kocsis bezeichnete die 15-Prozent-Forderung weiterhin als realistisch, auch angesichts der jüngsten Rekordgewinne bei der Post. Mit dem letzten Tarifabschluss hatten die Postbeschäftigten in zwei Schritten mehr Geld bekommen - zuletzt Anfang vergangenen Jahres noch mal zwei Prozent.

Gleicht der Arbeitgeber Reallohnverluste aus?

Das sei aber von der Inflation mehr als verschlungen worden, dazu komme noch mal die Inflation in diesem Jahr, so Kocsis. Für die Mitarbeiter bedeute das Reallohnverluste, die sie nicht hinnehmen könnten, "weil wir ganz viele Beschäftigte haben, die sich in sehr niedrigen Entgeltgruppen bewegen", begründet Kocsis die Lohnforderung. "Und es ist ja auch anerkannt, dass es denjenigen, die wenig Geld zur Verfügung haben, viel schwerer fällt, die Inflation zu bewältigen", sagte die Gewerkschafterin.

Post-Beschäftigte in ganz Deutschland folgten deswegen dem Streikaufruf der Gewerkschaft - um ein ein klares Signal an den Konzern zu senden: Wir haben sowieso schon zu kämpfen - also kämpfen wir jetzt auch für mehr Geld.

Dafür habe er durchaus Verständnis, sagt Personalvorstand Ogilvie in der Bonner Post-Zentrale. Aber es sei nicht die Aufgabe von Unternehmen, automatisiert die Reallohnverluste von Beschäftigten auszugleichen. "Sondern wir müssen schauen, wie uns am Ende der Dreiklang gelingt: sowohl langfristig sichere Arbeitsplätze zu bieten, gute Arbeitsbedingungen, und das bedeutet, dass wir ins Geschäft und auch in die Transformation unseres Geschäfts investieren müssen." Dazu gehöre, dass der Konzern im realistischen Umfang Lohnsteigerungen ermögliche. "Das ist unsere Aufgabe als Unternehmer, diesen Dreiklang hinzubekommen, und das wird mit 15 Prozent nicht gehen", so Ogilvie.

"Die Leute stehen eindeutig dahinter"

Klar ist allerdings auch, dass sich die Post-Mitarbeiter wohl nicht mit ein bis zwei Prozentpunkten mehr als sonst üblich zufrieden geben dürften. Die ver.di-Forderung sei im Betrieb zusammen mit den Beschäftigten entwickelt worden, sagt die stellvertretende ver.di-Chefin Kocsis. "Wir haben das ja mit einer großen Mitgliederbefragung gemacht. Es hat ja nicht irgendjemand erfunden, sondern da stehen die Leute ganz eindeutig dahinter." Die Beschäftigten wüssten, dass bei Tarifverhandlungen selten das herauskommt, was man gefordert hat. "Aber die erwarten schon eine sehr deutliche Lohnerhöhung."

Das könnte also zum Beispiel eine mindestens zweistellige Steigerung von zehn Komma X Prozent sein. Ob sich die Post aber so weit bewegen kann und will, ist fraglich. Beide Seiten geben sich trotzdem optimistisch, dass eine Einigung in der dritten Runde möglich sein kann. Scheitern die Gespräche allerdings, dann könnte die Tarifkommission die Gewerkschaftsmitglieder zur Urabstimmung aufrufen. Die Folge wäre dann wohl ein unbefristeter Arbeitskampf mit längeren Streiks.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Februar 2023 um 14:00 Uhr.