Paketzusteller Hermes | imago/Ralph Peters

Zusteller melden Rekorde Paketflut im Lockdown erwartet

Stand: 16.12.2020 09:39 Uhr

In der Corona-Krise kaufen mehr Menschen ihre Weihnachtsgeschenke online. Davon profitieren die Zustelldienste. Durch den Lockdown könnte das Paketaufkommen in diesem Jahr um ein Fünftel steigen.

Der Paketzusteller DHL rechnet in diesem Jahr vor dem Hintergrund des am Mittwoch beginnenden zweiten Lockdowns mit einem höheren Paketaufkommen. "Allein in der letzten Woche haben wir 56 Millionen Pakete sortiert und ausgeliefert - deutlich mehr als jemals zuvor in unserer Unternehmensgeschichte", sagte der Paketvorstand des Konzerns, Tobias Meyer, dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland".

DHL erwartet Wachstum um bis zu 20 Prozent

Durch das verstärkte Aufkommen in der diesjährigen Weihnachtszeit rechne das Unternehmen mit Steigerungsraten von etwa 15 bis 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, erklärte eine Konzern-Sprecherin.

Für das gesamte Jahr 2020 bedeute dies ein erwartetes Paketaufkommen von insgesamt rund 1,8 Milliarden Sendungen. Bereits Ende November hatte die Deutsche Post den alten Paketrekord aus dem Jahr 2019 geknackt.

Rekordmengen auch bei Hermes

Auch Hermes transportiert derzeit Pakete in Rekordmengen: Von Oktober bis Dezember stellte der Paketdienst rund 120 Millionen Sendungen zu - zehn Millionen Pakete pro Woche. Insgesamt geht das Unternehmen von einem Plus von 20 Prozent gegenüber 2019 aus.

Zusteller im Weihnachts- und Lockdown-Stress

Ganz Deutschland befindet sich seit Mittwoch im harten Lockdown, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Vorerst bis zum 10. Januar gelten entsprechende Verordnungen in den Bundesländern. Einzelhandelsgeschäfte mit Ausnahme der Läden für den täglichen Bedarf müssen schließen - das könnte die Paketflut noch einmal anheben.

Denn bereits der erste Lockdown im Frühjahr hatte der Branche Rekordaufträge beschert. So transportierte die DHL im März und April mit täglich neun Millionen Sendungen beinahe doppelt so viele Pakete wie im Vorjahreszeitraum. Auch bei Hermes gab es nach eigenen Angaben ein Plus von mehr als 40 Prozent.

 Deutsche Post AG | picture alliance/Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Die Paketflut könnte durch den Lockdown noch einmal ansteigen. Bild: picture alliance/Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

"Neue Dynamik auf das Bestellverhalten"

Nun kommt auch noch Weihnachten hinzu - die stressigste Zeit im Jahr für die Paketboten. Viele brauchen noch Geschenke und können diese nicht mehr in Geschäften besorgen.

Um die Bestelllawine ein wenig zu verteilen, will etwa das Bundesland Bayern die Auslieferung von Paketen am vierten Adventssonntag bis zur Haustür erlauben. Das teilte die Staatsregierung nach einer Kabinettssitzung zu Wochenbeginn mit.

Auch die Paketbranche selbst erwartet noch einmal einen deutlichen Anstieg. "Aufgrund der zahlreichen Geschäftsschließungen rechnen wir damit, dass noch einmal mehr Menschen online bestellen und die Paketmengen entsprechend steigen werden", erklärte ein DPD-Sprecher am Montag.

Der neu verhängte Lockdown könne eine ganz neue Dynamik auf das Bestellverhalten der Kunden auslösen, teilte auch Hermes mit. "Wir gehen daher davon aus, dass die ohnehin bereits sehr hohen Paketmengen in den Tagen vor Heiligabend nochmals zunehmen werden."

Keine zusätzlichen Mitarbeiter im Lockdowns

Trotz der gewaltigen Mengen sehen sich die Firmen gut gerüstet. "In den vergangenen Wochen haben wir gezeigt, dass wir auch extrem hohe Paketmengen bewältigen können", erklärte DHL-Paketvorstand Meyer. Wie in jedem Jahr haben die Zusteller zur Weihnachtszeit zusätzliche Mitarbeiter eingestellt und neue Fahrzeuge gemietet.

Der neuerliche Lockdown spielt dabei aber keine Rolle: So kurzfristig sind die Unternehmen in der Regel jedoch nicht in der Lage, neue Mitarbeiter einzustellen. Daher sind die Paketboten umso mehr gefordert.

"Die arbeiten nicht nur an der Belastungsgrenze, sondern deutlich darüber hinaus. Es werden weit mehr Überstunden gemacht. Wir müssen auch davon ausgehen, dass die tägliche Höchstarbeitszeitgrenze von zehn Stunden deutlich und häufig überschritten wird", sagte ein ver.di-Sprecher dem WDR. Die Logistiker empfehlen, die Geschenke so früh wie möglich zu bestellen und zu verschicken.

tb

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 in der Wirtschaft am 16. Dezember 2020 um 11:30 Uhr.