Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main | picture alliance / dpa

Deutsche Bank Der Sparkurs schmerzt - und wirkt

Stand: 09.12.2020 15:31 Uhr

Mitten in der Corona-Krise wendet sich für die Deutsche Bank einiges zum Besseren - wegen der Renaissance des Investmentbankings und eines rigorosen Sparkurses, der vielen Mitarbeitern den Job kostet.

Es ist paradox. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hatte sich zum Ziel gesetzt, die Abhängigkeit von Deutschlands führendem Geldhaus von den Schwankungen der Finanzmärkte zu verringern, um sich verstärkt auf die Firmen- und Privatkunden zu konzentrieren.

Dazu hat er der Bank einen radikalen Umbau verordnet, der sie nach einer Serie von milliardenschweren Verlustjahren wieder in die Erfolgsspur bringen soll. Das Geschäft der hauseigenen Investmentbank wurde zurechtgestutzt, aus dem Aktienhandel zogen sich die Frankfurter zurück.

Starkes Investmentbanking

Dennoch verdankt die Bank in diesem Jahr ausgerechnet dem stark marktabhängigen Investmentbanking eine gut Stellung. Dank dem florierenden Handel mit Anleihen wird die Frankfurter Bank 2020 sogar einen Gewinn ausweisen können, während andere Häuser, allen voran die Commerzbank, tiefrote Zahlen schreiben werden.

Bankchef Sewing hatte also leichtes Spiel, als er am Mittwoch anlässlich des Investorentags der Bank sagte, er sehe sein Haus bei den Finanzzielen und Plänen für 2020 auf Kurs. Auch mittelfristig bekräftigte er seinen Plan, im Jahr 2022 eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von acht Prozent zu erzielen und ab 2022 fünf Milliarden Euro an Kapital an die Aktionäre auszuschütten.

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing | picture alliance / Sven Simon / dpa

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing Bild: picture alliance / Sven Simon / dpa

Massiver Jobabbau

Grundlage dafür ist der seit Sewings Amtsantritt vor zwei Jahren angestoßene Umbau der Bank. Dem werden bis Ende 2022 rund 18.000 Vollzeitstellen zum Opfer fallen. Damit soll sich die Zahl der Mitarbeiter auf weltweit 74.000 verringern.

Gegenüber den Investoren verkündete Sewing zudem, den Sparkurs noch zu verschärfen. Die Bank habe zusätzliche Einsparmöglichkeiten ausgemacht. Deshalb will sie ihre bereinigten Kosten nun bis 2022 auf 16,7 Milliarden Euro senken. Bisher lag dieses Ziel bei 17 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr werden Ausgaben von 19,5 Milliarden Euro angepeilt.

Zahlreiche Standortschließungen

So will die Bank in den kommenden beiden Jahren jeweils etwa 50 Postbank-Standorte aufgeben. Einschnitte im eigenen Filialnetz sind ebenfalls beschlossen: So hatte die Deutsche Bank im September angekündigt, etwa 100 ihrer gut 500 eigenen Standorte in Deutschland zu schließen. Zudem sollen im Privatkundengeschäft in den Zentralen in Bonn und Frankfurt bis Ende 2022 rund 350 Arbeitsplätze - also jeder dritte Job - wegfallen.

Anfang November hatte die Deutsche Bank zudem ihre IT-Tochter Postbank Systems an den indischen Softwaredienstleister Tata Consultancy Services (TCS) verkauft. Alle rund 1500 Mitarbeiter der Tochter in Bonn wechselten unter das Dach von TCS.

Stuart Graham revidiert sein Urteil

Ist die Deutsche Bank entgegen anders lautenden Urteilen renommierter Analysten also doch reformierbar? Ja, meint Stuart Graham, Mitgründer und Partner des Londoner Analysehauses Autonomous. Vor drei Jahren hatte der für seine kritischen Studien bekannte Experte eine Untersuchung mit dem Titel überschrieben: "Deutsche Bank: Beyond repair", was soviel heißt wie: "Deutsche Bank: nicht mehr zu reparieren". Noch zu Beginn dieses Jahres riet er Investoren davon ab, Aktien des Instituts zu kaufen.

Nun musste Graham zugeben, dass seine damalige Empfehlung ein Fehler war. Denn seit dem allgemeinen Einbruch im März hat sich die Aktie der Bank besser entwickelt als die Papiere vieler Konkurrenten. Und auch bei den Einnahmen hat die Deutsche Bank die Trendwende geschafft: In den ersten neun Monaten sind die Erträge um acht Prozent gestiegen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Dezember 2020 um 13:46 Uhr.