Die Deutsche Bank-Zentrale in Frankfurt. | REUTERS

Deutsche Bank Erster Gewinn seit 2014

Stand: 04.02.2021 12:24 Uhr

Erstmals seit 2014 hat die Deutsche Bank im vergangenen Jahr wieder einen Gewinn erwirtschaftet. Sich vom Kapitalmarktgeschäft unabhängig zu machen, hat das größte Geldinstitut des Landes nicht geschafft.

Die Deutsche Bank hat 2020 zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder einen Gewinn erwirtschaftet. Unter dem Strich - nach Abzug von Zinszahlungen für Nachranganleihen - stand ein Gewinn von 113 Millionen Euro. Vor Steuern lag der Gewinn bei einer Milliarde Euro, nachdem im vergangenen Jahr noch ein Verlust vor Steuern von 2,6 Milliarden Euro angefallen war.

"Im wichtigsten Jahr unseres Umbaus ist es uns gelungen, die Transformationskosten und die gestiegene Risikovorsorge mehr als auszugleichen – und das trotz globaler Pandemie", sagte Vorstandschef Christian Sewing.

Wachstum nur im Investmentbanking

Allerdings hat es die Bank nicht geschafft, ihre Abhängigkeit von den Schwankungen der Kapitalmärkte zu verringern. Im Gegenteil. Die mit Abstand wichtigste Ertrags- und Gewinnquelle ist das Investmentbanking. Es ist auch die einzige Sparte, in der die Bank ihre Einnahmen steigern konnte, und zwar um 32 Prozent auf 9,3 Milliarden Euro.

Grund ist ein günstiges Marktumfeld für das Emissionsgeschäft mit Anleihen. Dabei erzielte die Bank einen neuen Rekord: Sie konnte Anleihen im Umfang von 1,7 Billionen Euro platzieren. Dies entspricht einem Anstieg von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das starke Investmentbanking hat auch dazu beigetragen, dass die Gesamterträge der Bank im vergangenen Jahr um vier Prozent auf 24 Milliarden Euro zugenommen haben, nachdem sie in den vergangenen Jahren stetig gesunken waren.

Rückgang im Privat- und Firmenkundengeschäft

Deutlich schlechter lief es im Geschäft mit Privat- und Firmenkunden. Hier hinterließen die Corona-Krise und die niedrigen Zinsen deutliche Spuren, die Einnahmen gingen zurück. Wegen der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zog die Risikovorsorge für faule Kredite deutlich auf 1,8 Milliarden Euro an, sie verharrte damit aber auf dem von der Bank im Dezember kommunizierten Niveau.

Bankchef Christian Sewing gab einen zuversichtlichen Ausblick. Mit dem Ergebnis des vergangenen Jahres seien die eigenen Erwartungen übertroffen worden, sagte er. "Wir sind nachhaltig profitabel und zuversichtlich, dass der insgesamt positive Trend 2021 auch in diesen schwierigen Zeiten anhält." Die Bank sehe sich in einer guten Position, die in Aussicht gestellte Eigenkapitalrendite von acht Prozent 2022 zu erreichen. Die Anleger sollen dann im kommenden Jahr auch wieder eine Dividende erhalten.

18.000 Stellen fallen weg

Dass der positive Trend im Investmentbanking schwächer werden könnte, wie noch vor einigen Monaten befürchtet, glaubt Sewing inzwischen nicht mehr. Auf der virtuellen Bilanzpressekonferenz sagte er, er sei zuversichtlich, dass die Ertragszuwächse im Investmentbanking zum Großteil nachhaltig seien. Im vierten Quartal war das Geschäft mit Anleihen und Währungen sowie die lukrative Beratung bei Anleiheemissionen und Börsengängen wegen der Turbulenzen in Folge der Corona-Krise besonders gut gelaufen.

Sewing wollte durch den im Sommer 2019 angestoßenen Konzernumbau eigentlich mehr Ausgeglichenheit zwischen den einzelnen Sparten erreichen. Durch den Umbau fallen weltweit 18.000 Arbeitsplätze weg, das Filialnetz wird ausgedünnt.

An der Börse kam die Jahresbilanz nicht so gut an. Die Zahlen seien zwar besser ausgefallen als erwartet, auch habe die Bank ihre Kreditrisiken gut im Griff. Allerdings stelle sich die Frage, wie nachhaltig die Ergebnisse seien, gaben die Analysten der Citigroup zu bedenken.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Februar 2021 um 10:00 Uhr.