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Verkäufer Capital Group? Bank-Aktien unter Druck

Stand: 12.04.2022 12:09 Uhr

Die Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank stehen heute stark unter Druck. Der Grund: Nach dem Ausstieg des US-Hedgefonds Cerberus verlieren die beiden Institute einen weiteren großen Investor.

Um bis zu 10,3 Prozent brach die Aktie der Deutschen Bank am Morgen ein. Die Aktie der Commerzbank büßte zeitweise knapp neun Prozent ein. Grund ist ein milliardenschwerer Anteilsverkauf eines bisher unbekannten Investors.

Verkäufer wahrscheinlich Capital Group

Gestern Abend hatte die Investmentbank Morgan Stanley zwei Aktienpakete der beiden deutschen Großbanken von jeweils mehr als fünf Prozent am Markt platziert, die vom selben ungenannten Investor stammten. Anteilspakete an der Deutschen Bank und der Commerzbank in dieser Größenordnung haben aber nur die US-Vermögensverwalter Blackrock und Capital Group gemeldet.

Die Blackrock-Beteiligungen stecken größtenteils in börsengehandelten Indexfonds (ETF), die einen der großen Aktienindizes abbilden. Daher können einzelne Posten in dieser Größenordnung nicht ohne weiteres verkauft werden.

Es dürfte sich beim dem Verkäufer also um die Capital Group handeln, mit einem verwalteten Vermögen von fast zwei Billionen Dollar einer der weltgrößten Kapitalanleger. Der Vermögensverwalter aus Los Angeles hatte erst im November seinen Anteil an der Deutschen Bank auf mehr als fünf Prozent aufgestockt. An der im MDAX notierten Commerzbank hielt er seit Oktober 2020 einen ähnlich großen Anteil.

Die Capital Group, die sich grundsätzlich nicht zu ihren Engagements äußert, wollte sich auch nicht zu der Platzierung äußern. Nach deutschem Aktienrecht sind aber in Fällen wie diesem in wenigen Tagen offizielle Stimmrechtsmitteilungen fällig.

Hohe Kursabschläge in Kauf genommen

Die Kursreaktion fiel auch deshalb so stark aus, weil der Investor bei seinem Ausstieg hohe Kursabschläge in Kauf genommen hat. Nach Angaben der beauftragten Bank sollten 116 Millionen Deutsche-Bank-Aktien zu mindestens 10,98 Euro verkauft werden, das sind knapp acht Prozent weniger als der Xetra-Schlusskurs vom Montag. 72,5 Millionen Commerzbank-Papiere sollten für jeweils 6,55 Euro platziert werden, gut sechs Prozent unter dem vorigen Schlusskurs. Insgesamt dürften die Verkäufe dem Investor insgesamt 1,75 Milliarden Euro in die Kasse gespült haben.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg wurden alle Papiere platziert. Die Nachfrage sei jeweils deutlich höher gewesen als das Angebot. Am Morgen waren die Kurse der beiden Banktitel unter die Verkaufslimits des Investors gefallen.

Die beiden Banken erklärten fast gleichlautend, der Ausstieg des Investors ändere nichts an ihrer jeweiligen Strategie. "Das Geschäftsmodell und das Risikomanagement der Bank haben sich in herausfordernden Zeiten bewährt", sagten Sprecher der Deutschen und der Commerzbank. Beide verwiesen auf einen vielversprechenden Start in das Jahr.

Cerberus zu Jahresbeginn ausgestiegen

Vor Beginn des Ukraine-Krieges hatten sich Finanztitel vergleichsweise gut entwickelt: Die bevorstehende Zinswende kommt dem Bankgeschäft tendenziell zugute, weil höhere Differenzen zwischen Anlage- und Kreditzinsen vereinnahmt werden können.

Anfang des Jahres hatte der amerikanische Hedgefonds Cerberus große Teile seiner Deutsche- und Commerzbank-Aktienpakete abgestoßen und hält inzwischen weniger als drei Prozent an beiden Banken. Cerberus hatte laut Insidern auf eine Bankenfusion gesetzt - eine Wette, die nicht aufging. Weder kam der große Zusammenschluss zwischen den beiden Häusern zustande, über den immer wieder gesprochen wurde, noch gab es eine Fusion mit einem ausländischen Institut.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. April 2022 um 09:00 Uhr.