Das Logo der Deutschen Bank leuchtet an der Fassade der Konzernzentrale in Frankfurt. | dpa

Deutsche Bank Investor-Abschied auf Raten

Stand: 09.02.2022 11:20 Uhr

Der US-Investor Cerberus trennt sich von einem weiteren großen Paket seiner Anteile an der Deutschen Bank. Dahinter steckt offenbar die Einschätzung, dass es keine Aussicht mehr auf eine Fusion mit der Commerzbank oder einem anderen Geldhaus gibt.

Der US-Finanzinvestor Cerberus hat weitere 15 Millionen Aktien der Deutschen Bank für 212 Millionen Euro an professionelle Investoren verkauft, wie die mit der Transaktion betraute Investmentbank Morgan Stanley mitteilte. Der Verkaufspreis lag bei 14,15 Euro je Aktie und damit nur leicht unter dem gestrigen Schlusskurs von 14,37 Euro. Offenbar war die Nachfrage nach den Deutsche-Bank-Aktien relativ hoch. Denn häufig gibt es bei Platzierungen von großen Aktienpaketen höhere Kursabschläge.

Das nun von Cerberus verkaufte Aktienpaket entspricht einem Anteil von 0,73 Prozent am Grundkapital der Deutschen Bank und gut einem Drittel der zuletzt noch verbliebenen Beteiligung von Cerberus. Denn bereits im Januar hatte sich der US-Investor vier Jahre nach seinem Einstieg von einem Paket von Deutsche-Bank-Aktien und auch von Papieren der Commerzbank getrennt, an der er derzeit noch drei Prozent der Anteile hält. Beobachter werten dies als Etappen zum Komplettausstieg von Cerberus bei den beiden deutschen Kreditinstituten. Der US-Investor selbst äußerte sich zu den Gründen seines Schritts nicht.

Fusionspläne gescheitert

Cerberus hatte laut Insidern der Finanzbranche seit seinem Einstieg vor einigen Jahren zu damals noch deutlich höheren Aktienkursen auf eine Fusion zwischen den beiden Großbanken gesetzt. Zu der kam es aber trotz Gesprächen nicht.

Dabei hätte eine solche Transaktion durchaus gewichtige politische Unterstützung gehabt. So galten der derzeitige Bundeskanzler Olaf Scholz, damals Finanzminister, und sein Staatssekretär Jörg Kukies, der frühere Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs, als Unterstützer eines Zusammenschlusses, weil sie einen nationalen "Bankenchampion" wollten, der die heimischen Firmen im Ausland begleiten kann.

Bankaktien im Fokus der Investoren

Bankaktien sind seit einiger Zeit bei Investoren wieder stärker gefragt und haben bei der Kursentwicklung den DAX deutlich hinter sich gelassen. Die Märkte reagieren damit auf die Aussicht höherer Leitzinsen in wichtigen Währungsräumen sowie den damit einhergehenden Anstieg der langfristigen Zinsen an den Rentenmärkten.

Ein gutes Beispiel sind zehnjährige Bundesanleihen, die derzeit mit über plus 0,2 Prozent rentieren. Im Tief hatte die Verzinsung bei weniger als minus 0,7 Prozent gelegen. Daher rechnen viele Investoren damit, dass Banken ihre Zinsmarge, also die Differenz zwischen Soll- und Habenzinsen, wieder ausweiten können und so in ihrem klassischen Geschäft wieder Gewinne erwirtschaften.

Unklar ist, warum Cerberus in dieser Phase steigender Kurse von Bankaktien die Anteile an der Deutschen Bank abstößt - und zwar mit deutlichen Verlusten aufgrund der ursprünglich höheren Preise beim Einstieg.