Hauptverwaltung der Deutschen Bahn in Berlin | dpa

Starkes Logistikgeschäft Deutsche Bahn macht wieder Gewinn

Stand: 28.07.2022 12:36 Uhr

Trotz der vielen Verspätungen und Probleme auf der Schiene schreibt der DB-Konzern wieder schwarze Zahlen. Dazu verholfen hat ihm vor allem der Milliardengewinn der Logistiktochter Schenker.

Die Deutsche Bahn hat in der ersten Hälfte des Jahres einen operativen Gewinn von rund 876 Millionen Euro verbucht. Im gleichen Zeitraum vor einem Jahr stand an der Stelle noch ein Minus von mehr als einer Milliarde Euro. Der Umsatz legte um mehr als 28 Prozent auf rund 28 Milliarden Euro zu. "Die Trendwende ist gelungen: Die Nachfrage boomt und wir schreiben wieder schwarze Zahlen", sagte Bahn-Chef Richard Lutz heute zu den Zahlen.

Getrieben wurde das starke Ergebnis aber vor allem durch das Geschäft der Logistik-Tochtergesellschaft DB Schenker. Mit der Land-, Luft- und Seefracht profitiert Schenker von den weltweit knappen Frachtkapazitäten. Das Unternehmen kann daher deutlich höhere Preise verlangen.

Debatte über Verkauf von Schenker

In den ersten sechs Monaten fuhr die internationale DB-Speditionstochter einen Betriebsgewinn von knapp 1,2 Milliarden Euro ein. Die Logistiktochter machte im ersten Halbjahr 2022 so viel Gewinn wie im gesamten Jahr 2021 - und bereits das war ein Rekordergebnis.

Das gute Ergebnis dürfte die Debatte über einen möglichen Verkauf des Geschäftsteils weiter befeuern: Besonders bei Grünen und FDP gilt das internationale Logistikgeschäft als Fremdkörper bei der Bahn. Mit einem Verkauf könnte zudem ein Teil des Schuldenbergs von rund 30 Milliarden Euro abgetragen werden. Auf der anderen Seite zeigt der Gewinn, dass Schenker für den Konzern eine wichtige Stütze ist. Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) hat sich bislang noch nicht zu Schenkers Zukunft festgelegt.

Mehr Reisende unterwegs

Daneben hat sich auch der Fernverkehr der Deutschen Bahn nach der Corona-Krise trotz der vielen Verspätungen erholt. Der Konzern verzeichnete allein im Fernverkehr im ersten Halbjahr eigenen Angaben zufolge mehr als 59 Millionen Reisende. Das waren mehr als doppelt so viele wie im Vorjahrezeitraum. Vom Vorkrisen-Niveau sind die aktuellen Zahlen aber noch weit entfernt: In den ersten sechs Monaten des Jahres 2019 verzeichnete die Bahn nach eigenen Angaben fast 72 Millionen Reisende im Fernverkehr.

Im Regionalverkehr stieg die Nachfrage um 60 Prozent auf rund 725 Millionen Fahrgäste. Hier dürfte insbesondere ab Juni das 9-Euro-Ticket die Auslastung der Züge weiter erhöht haben. Gegen eine Verlängerung des Tickets sprachen sich heute sowohl die Lokführergewerkschaft GDL als auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG aus. "Die Belegschaft hat die Belastungsgrenze erreicht und teilweise überschritten", sagte EVG-Vizechef Martin Burkert. Angesichts dieser Überlastung könne das Ticket nicht verlängert werden.

Mit dem Ticket, das eigentlich Pendler entlasten solle, habe man für einen zusätzlichen Ansturm von Reisenden gesorgt, sagte GDL-Chef Claus Weselsky im rbb-Inforadio. "Das tut dem System nicht gut, weil es sowieso schon auf Verschleiß gefahren wird. Jetzt sind wir zusätzlich noch völlig überlastet."

Verspätungen nehmen zu

Das vielerorts marode und überlastete Schienennetz der Bahn wird derzeit an vielen Stellen saniert - zahlreiche Baustellen bremsen den Verkehr. Im ersten Halbjahr kamen laut Bahn lediglich 69,6 Prozent der Fernverkehrszüge pünktlich ans Ziel. "In den ersten sechs Monaten des Vorjahres waren es noch 79,5 Prozent", hieß es von der Bahn. Als pünktlich gilt bei der Bahn ein Zug, solange er nicht mit mehr als sechs Minuten Verzögerung am Ziel ankommt.

Konzernchef Lutz sagte zu den Verspätungen, dass die Schieneninfrastruktur nicht mit dem Verkehrszuwachs mithalten könne: "Mehr Staus auf der Schiene und Verspätungen sind die Folge". Qualität und Pünktlichkeit seien derzeit "nicht akzeptabel". Deshalb bauten Bahn und Bund das hoch belastete Netz weiter aus. Eine Generalsanierung der am stärksten befahrenen Korridore soll 2024 beginnen. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Juli 2022 um 12:00 Uhr.