Der Chef der Deutschen Bahn, Richard Lutz, stellt in Berlin die Halbjahresbilanz 2018 vor. | dpa

DB-Aufsichtsräte entscheiden Gehaltserhöhung für den Bahnchef

Stand: 30.03.2022 17:38 Uhr

Bahnchef Richard Lutz und der Konzernvorstand Berthold Huber bekommen künftig zehn Prozent mehr Geld. Zudem hat der Aufsichtsrat Verträge verlängert und sich mit den neuen Geschäftszahlen befasst.

Bahnchef Richard Lutz und der Konzernvorstand für den Personenverkehr, Berthold Huber, sollen höhere Gehälter erhalten. Der Aufsichtsrat habe heute einer Erhöhung der Fixgehälter zugestimmt, hieß es aus Kreisen des Gremiums. Die beiden Vorstandsmitglieder erhalten demnach künftig zehn Prozent mehr.

Eigentlich war die Erhöhung bereits für das vergangene Jahr vorgesehen. Aufgrund der finanziellen Schieflage des Konzerns in der Corona-Krise war sie damals jedoch ausgesetzt worden. Lutz' Fixgehalt hatte zuletzt bei 900.000 Euro im Jahr gelegen, Hubers bei 650.000 Euro.

Huber Favorit auf Nachfolge Pofallas

Darüber hinaus verlängerte der Aufsichtsrat die Verträge der Finanz- und Güterverkehrsvorstände Levin Holle und Sigrid Nikutta um fünf Jahre. Der bislang siebenköpfige Bahnvorstand steht mit dem jüngst bekannt gewordenen Ausscheiden von Ronald Pofalla dennoch vor Veränderungen. Der Infrastrukturvorstand will Ende April aufhören.

Als Favorit für Pofallas Nachfolge gilt Berthold Huber, wie bereits gestern aus Aufsichtsratskreisen verlautete. Demnach könne es "zeitnah" eine Sondersitzung des Kontrollgremiums dazu geben. Zuvor hatte der "Spiegel" über die Personalie berichtet.

Der 58-jährige Huber ist seit 1997 bei der Bahn und verantwortet seit 2015 den Bereich Personenverkehr. Nach Informationen des "Spiegel" soll sein bisheriges Ressort von den Bereichsvorständen für den Fern- und für den Regionalverkehr übernommen werden.

Sind die Ziele der Bahn realistisch?

Zudem besprach der Aufsichtsrat heute die Geschäftszahlen für das vergangene Jahr, die die Bahn morgen veröffentlichen will. Unterm Strich blieb Medienberichten zufolge ein Minus von rund 900 Millionen Euro. Der Umsatz habe 47 Milliarden Euro betragen. 2020 war das Minus mit 5,7 Milliarden Euro noch deutlich höher ausgefallen.

Mit Milliarden-Investitionen vor allem ins bestehende Netz verfolgt die Bahn dennoch weiterhin das Ziel, die Zahl der Fahrgäste bis 2030 zu verdoppeln. Noch die alte Bundesregierung hatte unter anderem beschlossen, dass die Züge irgendwann im sogenannten Deutschlandtakt fahren sollen - also halbstündlich zwischen den großen Städten und stündlich zwischen den Mittelzentren.

Für die Umsetzung steht der Bahn in diesem Jahr ein Rekordbudget von 13,6 Milliarden Euro zur Verfügung. Kritiker halten diese Pläne trotzdem für "illusorisch". Winfried Wolf, Co-Autor eines "Alternativen Geschäftsberichts", wies darauf hin, dass in den Corona-Jahren 2020 und 2021 aufgrund der Krise jeweils nur rund 81 Millionen Fahrten von Fahrgästen in ICE- und Intercity-Zügen verzeichnet wurden. Dieses Jahr rechnet die Bahn wieder mit deutlich mehr als 100 Millionen.