Ein Mitglied des sogenannten Präventionsteams der Deutschen Bahn kontrolliert in einem Zug. | dpa

Milliardenverluste Wie die Bahn unter Corona leidet

Stand: 04.02.2021 08:38 Uhr

Wer in Corona-Zeiten überhaupt noch reist, nimmt meist das Auto. Entsprechend historisch ist der Einbruch der Fahrgastzahlen bei der Bahn. Das verschärft die Schuldenkrise des Konzerns.

Von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio

Auf so manchen Reisenden wirkt es immer noch etwas gespenstisch: Die Leere in ansonsten prall gefüllten Bahnhöfen in Corona-Zeiten. Regelmäßige Durchsagen aus den Lautsprechern weisen darauf hin, dass sowohl in den Zügen, als auch in den Stationen das Tragen einer medizinischen Maske - also FFP2-oder OP-Maske - Pflicht ist.

Kai Küstner ARD-Hauptstadtstudio

Woran sich die Kundinnen und Kunden nach Angaben der Bahn auch weitgehend halten: "Gerade in den Fernzügen haben wir hier eine Quote von fast 100 Prozent", sagt Bahn-Sprecher Achim Stauß. Aus Hygiene-Gründen seien doppelt so viele sogenannte "Unterwegs-Reiniger" in den Zügen im Einsatz. Reservierbar sind in ICEs und ICs nur noch Fensterplätze, damit die Reisenden nicht unverhofft eine fremde Person als Sitznachbar bekommen.

Auf den Rekord folgt der Einbruch

Die Bahn habe zu Beginn der Pandemie eine Weile gebraucht, um sich auf die Corona-Lage einzustellen, meint der bahnpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Matthias Gastel. Auch wenn das heute weitgehend funktioniere, fordert Gastel im Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio gerade auch angesichts der Corona-Mutationen mehr Masken-Kontrollen und auch eine Reservierungspflicht für alle Fernzüge, "damit die Abstandsregelung noch besser und zuverlässiger eingehalten werden kann".

Ein wenig fährt bei Bahnreisenden immer auch die Ansteckungssorge mit: Sie berichten etwa davon, dass es gerade im Regionalverkehr oder auch nach ausgefallen Zügen zu Gedrängel kommen kann. Grundsätzlich jedoch sind Corona-Zeiten eher keine, die für Platzangst in der Bahn sorgen: ICEs und Intercitys, also die Fernzüge, sind aktuellen Zahlen zufolge nur zu 15 bis 20 Prozent besetzt. Was für ein Kontrast: Noch vor einem Jahr verzeichnete man bei der Bahn stolz Fahrgastrekorde. Ebenso historisch ist nun der Einbruch.

Tiefrote Zahlen bleiben der Normalzustand

Nun mögen fast leere Züge eine gute Nachricht für die Sicherheit der Passagiere sein; für die Bahn-Finanzen sind sie das nicht. Trotzdem will die Bahn den Fahrplan - etwa 85 Prozent aller Fernzüge sind weiter im Einsatz - nicht mehr ausdünnen: "Damit diejenigen, die müssen und wollen, auch Platz finden", erläutert Bahnsprecher Stauß.

Doch die Krise hat einen Preis: Mit einem Corona-bedingten Schaden von 13 Milliarden Euro für das Unternehmen rechnet man derzeit in der Bundesregierung. Und das bedeutet: Die bundeseigene Deutsche Bahn wird wohl auf dem Gleis der Neuverschuldung bleiben müssen. Was die noch aus Vorkrisen stammenden "ernsthaften Finanzprobleme", wie Grünen-Politiker Gastel sie nennt, noch verschärfen wird: "Es war unklar, wie sie die neuen Züge, die sie bestellt hat, finanzieren möchte. Die Verschuldung ist auch schon vor der Pandemie deutlich gestiegen." Um Entlastung zu schaffen, fordert Gastel vom Bund, die Trassenpreie zu senken. Wovon im Übrigen alle Bahnunternehmen profitieren würden.

EU könnte Milliardenhilfe verhindern

Vorgesehen ist von Seiten der Bundesregierung eine Finanzspritze für die Bahn von vorerst fünf Milliarden Euro. Allerdings ist hier fraglich, ob die EU-Kommission grünes Licht gibt oder ob sie eine solche Zahlung als unerlaubte staatliche Beihilfe ablehnt. Massive Probleme plagen die Bahn auch im Güterverkehr sowie bei ihrer Auslandstochtergesellschaft.

Jede Menge Bremsklötze also für jenes Unternehmen, das sich eigentlich vorgenommen hatte, in den 2020er-Jahren mit modernisierter Flotte in Hochgeschwindigkeit Richtung Zukunft zu rauschen.

Da ist es wenig tröstlich, dass die Bahn in einer Hinsicht für positive Schlagzeilen sorgt: Sie war im Corona-Jahr 2020 so pünktlich wie seit 15 Jahren nicht mehr. Was auch - aber nicht nur - an dem ausgedünnten Fahrplan liegt.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 04. Februar 2021 um 12:40 Uhr.

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Moderation 04.02.2021 • 18:47 Uhr

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