Autos fahren auf einer Straße in China. | REUTERS

Chinesischer Markt Deutsche E-Autos fahren hinterher

Stand: 03.08.2021 12:45 Uhr

China ist der größte Automarkt der Welt und damit auch für deutsche Konzerne entscheidend. Doch unter den Herstellern der meistverkauften Elektroautos in der Volksrepublik tauchen VW, Daimler und BMW nicht auf.

Von Astrid Freyeisen, ARD-Studio Peking, zzt. München

Sie heißen wie XPeng, BYD oder Nio - die Namen chinesischer Elektroauto-Bauer mögen seltsam klingen. Für deutsche Ohren, nicht aber für chinesische: Im ersten Halbjahr 2021 meldeten sie mehr Zulassungen in der Volksrepublik als die erfolgsgewohnten deutschen Konzerne.

Unter die zehn E-Auto-Hersteller mit den meisten Zulassungen schaffte es kein einziger deutscher Konzern. Volkswagen war mit Rang zwölf am erfolgreichsten, während BMW und Daimler sogar deutlich schlechter abschnitten als chinesische Startups wie Weltmeister und Hozon Auto.

Billigautos am gefragtesten

"Angeführt wird der Markt von dem Modell Wuling Hongguan Mini EV, mit fast 20 Prozent", sagt Jochen Siebert, auf China spezialisierter Automobil-Analyst. "Man darf aber nicht vergessen, dass dieses Fahrzeug umgerechnet auch nur 5000 Euro kostet. Das kann man natürlich nicht mit einem Mercedes EQC vergleichen, der mehr als das Zehnfache kostet."

Aber auch im Vergleich der E-Autos für umgerechnet mehr als 50.000 Euro stehen die deutschen Premierhersteller nicht an der Spitze. "Man kann nicht sagen, dass die Deutschen einen Superjob gemacht hätten", so Siebert. "Sie haben jetzt Wettbewerber, mit denen sie vor drei Jahren noch gar nicht gerechnet haben." Dies gelte vor allem für den chinesischen Hersteller Nio, der mit seinen drei Modellen in diesem Segment direkt hinter Marktführer Tesla komme.

In die Werkstatt für ein Software-Update

Automobilexperte Zeng Zhilin aus Shanghai rät den Deutschen und anderen ausländischen Konzernen, sich gerade beim Marketing am Erfolgsmodell Tesla zu orientieren. Gegenüber der ARD sagte er schon im Frühjahr: "Firmen wie Nio, Xpeng und Xiaomi haben alle große Erfahrung, wie man eine Fanbasis aufbaut. Traditionelle Marken überlassen alles ihren Händlern. Die neuen dagegen verbinden sich mit ihren Konsumenten, holen sich Feedback ein und verändern danach die Software in den Autos."

Das hat auch Jochen Siebert beobachtet: Bei deutschen Wagen müsse der Kunde meist in die Werkstatt für Software-Updates - ganz anders bei der chinesischen Konkurrenz. Das mache deutsche E-Autos unattraktiv. Das sei ein Grund dafür, dass der zum "Weltauto des Jahres" gekürte neue ID.4 von Volkswagen in China bisher nicht besonders gut laufe.

"Bestes Auto muss in den Showroom"

Hinzu komme, dass VW nicht mit einem Topmodell für sich werbe. "Wenn in den Showrooms nebenan ein Nio oder ein Tesla steht, der es in fünf Sekunden von null auf hundert schafft, muss ich dort halt das beste Auto hinstellen", sagt Siebert. "Volkswagen müsste das eigentlich wissen. Man darf jetzt nicht zu lange warten, um das zu reparieren."

Zeng Zhilin sieht das ähnlich. Die Deutschen seien unter den traditionsreichen Ausländern zwar noch am offensten für schnelle Reformen. Aber: "Meine Sorge ist, ob die deutschen Autobauer ihre traditionelle Kundschaft tatsächlich erfolgreich zu Konsumenten von E-Autos machen können. Ich denke, dass das ein großes Problem sein könnte."

Die Schlussfolgerung: Der neue Kunde, nach dem sich erfolgreiche Firmen künftig richten müssen - der dürfte chinesisch sein.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. August 2021 um 06:20 Uhr.