Auto Shanghai 2021

Internationaler Vergleich Wie deutsche Autobauer in der Krise dastehen

Stand: 19.04.2021 10:38 Uhr

Die deutschen Autohersteller sind laut einer aktuellen Studie vergleichsweise gut durch die Corona-Krise gekommen. Experten halten die Hersteller inzwischen für besser gewappnet bei den Zukunftsthemen der Branche.

Im internationalen Vergleich haben die deutschen Autohersteller die Corona-Krise einer neuen Studie zufolge bislang am besten überstanden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Beratungsunternehmens EY, die vor dem heutigen Start der Automesse in Shanghai veröffentlicht wurde.

Demnach haben Daimler, Volkswagen und BMW mit einem Umsatzrückgang von zusammengefasst zehn Prozent, einem Absatzminus von 14 Prozent und einem Rückgang beim operativen Ergebnis von 26 Prozent im Durchschnitt deutlich besser abgeschnitten als große Hersteller anderer Nationen.

Branchenweit ist der Gesamtumsatz der 17 weltweit größten Hersteller im Vorjahr laut der EY-Studie um 13 Prozent gesunken. Der Pkw-Absatz sei um 16 Prozent nach unten gegangen, das Betriebsergebnis gar um 37 Prozent. Besonders hart hat es die französischen Marken getroffen. Eine positive Gewinnentwicklung konnten der Studie zufolge nur vier Unternehmen vorweisen: Tesla, Daimler, General Motors und Kia.  

Umsatz der größten Autonationen

China stützt die Branche

Es ist vor allem das florierende Chinageschäft, das die Bilanzen von Volkswagen, BMW und Daimler gerettet hat. 2020 sei mehr als jeder dritte Neuwagen (39,4 Prozent) an einen chinesischen Kunden übergeben worden.

Betrachtet man alle 17 weltweit größten Autokonzerne, sank der Gesamtabsatz von Pkw dieser Hersteller in China lediglich um vier Prozent. In den USA betrug der Rückgang 14 Prozent, in Westeuropa ging der Absatz um 25 Prozent zurück.

Constantin M. Gall, Leiter des Bereichs Automotive & Transportation bei EY, erklärt: "Während einige Unternehmen tief in die roten Zahlen gerieten, kamen andere vergleichsweise gut durch die Krise, was maßgeblich durch deren regionale Absatzschwerpunkte, aber auch sehr stark durch das aktuelle Produktportfolio getrieben ist."

"Unternehmen mit einem starken China-Anteil profitierten von der relativ stabilen Entwicklung auf dem chinesischen Absatzmarkt. Wer hingegen vor allem in Europa aktiv ist, musste teils massive Einbußen hinnehmen", so EY-Autoexperte Peter Fuß.

Messe für Besucher geöffnet

Das erklärt auch auch die große Bedeutung der nun beginnenden Automesse in Shanghai. Dort werden rund 1000 Aussteller ihr Angebot bis zum 28. April für Hunderttausende Besucher in mehr als zwölf Hallen präsentieren.

Ein Mann geht am Schriftzug Auto Shanghai 2021 vorbei

Wer die Messe persönlich besuchen will, muss einen negativen Corona-Test vorweisen. Außerdem müssen Besucher die Körpertemperatur messen lassen und mit einer Handy-App nachweisen, dass sie nicht in Risikogebieten waren.  

Lob für deutsche Autobauer

Die großen Themen der Messe lauten E-Mobilität und Konnektivität. Und genau in diesen Bereichen attestieren Branchenbeobacher den deutschen Vertretern nach durchwachsenem Start mittlerweile eine gute Marktposition. Sie seien nun schneller, entschlossener, sagte der deutsche Unternehmensberater Peter Hage von der in Peking ansässigen Districom Group.

"Der Volkswagen-Konzern hat einen sehr guten Job bei den Elektroautos gemacht", sagte der Direktor des Centers for Automotive Research, Ferdinand Dudenhöffer. "Die China-Strategie bei VW-Audi-Porsche-Skoda stimmt." Auch Mercedes sei in Shanghai "schwungvoll" mit neuen Modellen gestartet. "Einzig BMW war in der Vergangenheit sehr zögerlich", so Dudenhöffer.

Das soll sich ändern: Der deutsche Autobauer will bis 2025 ein Viertel seines Umsatzes mit dem Verkauf von Elektrowagen erzielen. Das kündigte BMW-China-Chef Jochen Goller im Vorfeld der Shanghai Auto Show an. Im vergangenen Jahr lag der Anteil bei rund vier Prozent.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 19. April 2021 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.