Ein Fahrradkurier steht vor der Delivery Hero Zentrale in Berlin  | REUTERS

Zeitweiser Kurseinbruch Jahreszahlen von Delivery Hero irritieren

Stand: 10.02.2022 15:40 Uhr

Der Essenslieferdienst Delivery Hero ist voll auf Wachstum gepolt. Doch im vergangenen Jahr kletterten nicht nur der Umsatz, sondern auch die Verluste kräftig. Das kommt an der Börse gar nicht gut an.

Die Aktie des DAX-Mitglieds Delivery Hero brach heute im elektronischen Handel der Frankfurter Börse um zeitweise fast ein Drittel ein. Im bisherigen Tagestief lag das Papier bei nur 46,02 Euro und damit 31 Prozent niedriger als am Vortag. Das war der höchste Tagesverlust der Aktie seit dem Börsengang Mitte 2017.

Schwerpunkt Asiengeschäft

Im vergangenen Jahr zog der Bruttowarenwert (GMV), also der Wert der ausgelieferten Essen, im Vergleich zum Vorjahr um 62 Prozent auf gut 35 Milliarden Euro an. Der Umsatz von Delivery Hero, also in erster Linie die Provisionen für die Vermittlung der Kunden an die Restaurants, stieg konzernweit um 89 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro, was im Rahmen der eigenen Prognose lag. Rund zwei Drittel seines Geschäfts macht das Berliner Unternehmen inzwischen mit Bestellungen in Asien. In Deutschland hat das Berliner Unternehmen kein operatives Geschäft mehr, nachdem er es vor einiger Zeit an den Konkurrenten Just Eat Takeaway verkauft hatte. In Berlin bleibt nur ein Forschungszentrum, um Innovationen auszuprobieren.

Der um Sondereffekte bereinigte Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg 2021 um fast ein Drittel auf 781 Millionen Euro. Die operative Rendite auf den Bruttowarenwert (Ebitda-Marge) fiel mit minus 2,2 Prozent schlechter aus als zuvor prognostiziert.

Neue Geschäftsfelder im Fokus

Inzwischen will Delivery Hero seine Kunden nicht nur mit Restaurantessen versorgen, sondern auch mit Lebensmitteln und anderen Supermarktprodukten. Dabei muss sich das Unternehmen allerdings auch gegen eine starke Konkurrenz wie Flink, Getir und Gorillas zur Wehr setzen. Um einen Fuß in diesem Markt zu haben, hat sich Delivery Hero im vergangenen Jahr an Gorillas beteiligt.

Finanzchef Emmanuel Thomassin begründete das schlechter als erwartete Ebitda mit notwendigen Investitionen in Südkorea und der Türkei, um Konkurrenten wie Uber Eats und Coupang in Schach zu halten, sowie Kosten für den beschleunigten Ausbau des eigenen Lagernetzes. "Das Wachstum hat oberste Priorität", machte Thomassin klar.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Der Umsatz von Delivery Hero soll im laufenden Jahr auf 9,5 bis 10,5 Milliarden Euro steigen. Das entspräche einem Plus von mindestens 44 Prozent. Der Bruttowarenwert prognostiziert das Unternehmen 44 bis 45 Milliarden Euro in 2022 und will den Wert bis 2030 auf mindestens 200 Milliarden Euro erhöhen.

Im laufenden Jahr soll sich zunächst die Ebitda-Marge auf zwischen minus 1,0 und 1,2 Prozent verbessern. Bis 2030 soll sie dann bei plus fünf bis acht Prozent liegen. "Was soll ein guter 2030er-Ausblick, wenn der für 2022 nicht befriedigt", fragte ein Händler. Da komme sich der eine oder andere wohl an der Nase herumgeführt vor.

"Darwinistischer Kapitalismus"

"Wir sehen hier die Auswirkungen von so einer Art darwinistischen Kapitalismus", sagte Erik Maier von der Leipzig Graduate School of Management, in der tagesschau24-Sendung "Update Wirtschaft". Es gehe um einen Verdrängungswettbewerb, der viel Geld koste. Es sei relativ einfach in die Branche einzutreten, man brauche eigentlich nur einige Server und Fahrerinnen und Fahrer. In Zeiten des Wettbewerbs profitieren die Kunden, langfristig sei das Ziel der Anbieter aber eine monopolartige Marktposition zu erreichen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Februar 2022 um 13:35 Uhr.