Fahrer des Lebensmittel-Lieferdienstes Gorillas mit einer Transporttasche des Unternehmens | AFP

Lebensmittel-Lieferdienst Delivery Hero steigt bei Gorillas ein

Stand: 19.10.2021 10:29 Uhr

Im Onlinehandel mit Lebensmitteln herrscht Goldgräberstimmung dank hoher Wachstumszahlen. Davon will auch der Essenslieferdienst Delivery Hero profitieren - und steigt bei Gorillas ein.

Der erst im vergangenen Jahr in den Leitindex DAX aufgestiegene Berliner Essenslieferant Delivery Hero beteiligt sich am Lebensmittel-Bringdienst Gorillas. Das seit einem Jahr existierende Start-up konnte ungeachtet des seit Monaten schwelenden Streits um die Arbeitsbedingungen seiner Fahrer weiteres Geld für seine Expansion einsammeln. Delivery Hero hat dabei 235 Millionen Dollar in Gorillas gesteckt und bekommt dafür acht Prozent der Anteile.

Rechnerisch ergibt sich daraus eine Bewertung für die Gorillas Technologies GmbH von drei Milliarden Dollar (2,5 Milliarden Euro). Das Berliner Unternehmen hat in neun Ländern ein Netz von 140 Lagern in großen Städten aufgebaut und verspricht eine Lieferung mit Fahrradkurieren innerhalb von zehn Minuten. In den vergangenen sechs Monaten habe Gorillas insgesamt 4,5 Millionen Bestellungen ausgeliefert.

Fast eine Milliarde Dollar eingesammelt

An der jüngsten, dritten Finanzierungsrunde hätten sich neben Delivery Hero - dem Konzern, der das meiste Geld beisteuerte - auch Geldgeber wie Tencent, Coatue und DST beteiligt, die schon bei der vergangenen Finanzierungsrunde im März mit von der Partie waren, teilte Delivery Hero mit. "Diese Investition untermauert unsere globalen Ambitionen und die Möglichkeiten, die die Branche bietet", sagte Gorillas-Gründer Kagan Sümer. Zuletzt hatte die Firma Schlagzeilen gemacht, als sie nach einem wilden Streik in Berlin gut zwei Dutzend Fahrer entließ.

Niklas Östberg, Chef und Mitgründer von Delivery Hero, spricht in einer Mitteilung von einer "Mission" seines Unternehmens, die Schnelldienste, im Fachjargon "Quick-Commerce" genannt, voranzutreiben. Er lobt Gorillas für seine "herausragende Kundenorientierung", die es dem Unternehmen ermöglicht habe, einen Jahresumsatz von 300 Millionen Dollar zu erzielen.

Riesiges Potenzial

Der Markt für Lebensmittel-Lieferungen boomt: Insidern zufolge steigt der US-Konzern DoorDash beim Gorillas-Konkurrenten Flink ein; zuvor soll er auch Verhandlungen mit Gorillas geführt haben. Delivery Hero ist erst kürzlich auf den deutschen Liefermarkt zurückgekehrt, auf den Insidern zufolge auch DoorDash strebt.

Laut einer Studie des Handelsforschungsinstituts IFH, aus dem das "Handelsblatt" zitiert, ist der Umsatz im Onlinehandel mit Lebensmitteln in Deutschland auch dank des Corona-Effekts im vergangenen Jahr um 58 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro gestiegen. Und die Wachstumsraten dürften hoch bleiben. So könnte der Umsatz bis zum Jahr 2025 nach einer Prognose des IFH auf mehr als 13 Milliarden Euro steigen. Dann würden mehr als fünf Prozent aller Lebensmittel in Deutschland online verkauft werden.

Damit ist das Potenzial des heimischen Marktes aber noch längst nicht ausgereizt, denn die Lebensmittellieferdienste konzentrieren sich auf wenige Großstädte wie Hamburg, Berlin, München oder Köln. Der ländliche Raum sowie kleinere Städte werden in der Regel gar nicht abgedeckt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. Oktober 2021 um 11:25 Uhr.