Mitarbeiter nehmen an einer Besprechung teil. | picture alliance / Zoonar

Vorstandsvergütung DAX-Chefinnen verdienen mehr als Männer

Stand: 05.11.2021 11:05 Uhr

Wenn Frauen es in den Vorstand eines börsennotierten Unternehmens schaffen, dann werden sie einer Studie zufolge besser bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Aber der Frauenanteil bleibt sehr gering.

Frauen in den Topetagen der großen börsennotierter Firmen in Deutschland haben einen Gehaltsvorsprung gegenüber Männern - und diesen im vergangenen Jahr sogar noch deutlich ausgebaut. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Beratungs- und Prüfungsunternehmens EY. Demnach stieg die Gesamtvergütung von Managerinnen im Vorstand von Unternehmen der DAX-Familie - also DAX, MDAX, TECDAX sowie SDAX - gegenüber dem Vorjahr im Schnitt um 8,2 Prozent auf 2,31 Millionen Euro.

Bei den Männern im Top-Management stiegen die Bezüge 2020 im Mittel um 1,6 Prozent auf 1,76 Millionen Euro. Der Gehaltsvorsprung der Frauen war mit 31 Prozent den Angaben zufolge so groß wie nie zuvor.

Frauenanteil steigt nur langsam

Allerdings ist es eine sehr überschaubar Zahl von Managerinnen, die sich über das üppige Gehalt freuen dürfen: Der Studie zufolge waren Ende vergangenen Jahres 18 Prozent der Vorstände im DAX-30 weiblich, also 21 von 116. Das ist etwas mehr als Ende 2019. Damals betrug der Anteil 16,5 Prozent. Über alle Aktienindizes hinweg waren es erst 13 Prozent, was 45 von 346 Führungskräften entspricht. 2019 lag der Anteil bei 10,7 Prozent. Die einzige Vorstandschefin eines DAX-Konzerns ist aktuell, auch nach der Erweiterung des Leitindex auf 40 Mitglieder, Belen Garijo beim Darmstädter Pharma- und Life-Science-Konzern Merck.

"Der Frauenanteil in den Vorstandsgremien ist nach wie vor sehr gering und steigt nur sehr langsam. Immerhin stehen weibliche Vorstände zumindest bei der Vergütung besser da als ihre männlichen Kollegen", sagte EY-Partner und Spezialist für Vorstandsvergütung Jens Massmann.

Eine Frage des Marktwerts

Als einen wichtigen Grund für die gestiegene Vergütung sieht Massmann das wachsende Interesse der Unternehmen, Frauen für die Topetage zu gewinnen. Da Kandidatinnen knapp seien, erhöhe sich ihr Marktwert und damit auch ihre Vergütung. "Hochqualifizierte weibliche Top-Managerinnen haben derzeit eine gute Verhandlungsposition."

Denn viele Unternehmen haben inzwischen Frauenquoten für Vorstand und Aufsichtsrat eingeführt. Nach einem im Sommer verabschiedeten Gesetz muss in Vorständen börsennotierter Unternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern künftig mindestens eine Frau sitzen, wenn das Gremium aus vier oder mehr Mitgliedern besteht.

Steigende Gehälter in diesem Jahr?

Vorstandschefs wurden bei dem Vergleich nicht berücksichtigt, da es kaum Frauen in dieser Position gibt und die Vorsitzenden deutlich mehr verdienen als andere Mitglieder des Gremiums. Die Gesamtdirektvergütung besteht aus dem festen Jahresgehalt und der in dem Jahr gewährten variablen Vergütung, Boni etwa.

Insgesamt können deutsche Vorstände 2021 eine höhere Vergütung erwarten. Es sei davon auszugehen, dass die durchschnittliche Vergütung deutscher Vorstandsmitglieder auch im aktuellen Geschäftsjahr weiter deutlich steigen wird, so Massmann: "Für das laufende Geschäftsjahr rechnen wir mit Rekordumsätzen und -gewinnen bei vielen Unternehmen. Diese gute Entwicklung der Geschäftsergebnisse dürfte für steigende Vorstandsgehälter sorgen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. November 2021 um 07:35 Uhr.