Mercedes EQS

Autokonzern Daimler Mit neuen E-Modellen durch die Krise

Stand: 29.01.2021 12:30 Uhr

Dank gut laufender Geschäfte in China und einem drastischen Sparprogramm ist Daimler 2020 glimpflich durch die Corona-Krise gekommen. Nun ruht die Hoffnung auf einer Produktoffensive bei den Elektroautos.

Daimler ist vorläufigen Zahlen zufolge deutlich besser durch das Pandemiejahr 2020 gekommen als von dem Konzern vorhergesagt. Statt 4,3 Milliarden Euro hat der Mutterkonzern von Mercedes-Benz ein Vorsteuerergebnis von 6,6 Milliarden Euro erzielt. Man habe das Geschäftsjahr mit einem sehr starken vierten Quartal abgeschlossen, erklärte der Autobauer. In der Pkw- und Van-Sparte seien die Kennzahlen des Vorjahres übertroffen worden. Dort habe man sowohl von einem Anstieg der Verkaufszahlen bei den Elektro- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen als auch von einem starken Finanzergebnis profitiert.

Besonders in China brummte das Geschäft. In dem wichtigsten Absatzmarkt verkaufen sich die teuren Wagen des Premiumherstellers weiterhin gut. Zudem hatte Daimler-Chef Ola Källenius schon vor der Pandemie ein weitreichendes Sparprogramm aufgelegt, das in der Krise noch einmal verschärft wurde.

Normalisierung weit entfernt

Im zweiten Quartal war der Konzern wegen Produktionsausfällen und geschlossenen Autohäusern noch in die roten Zahlen gestürzt. In der zweiten Jahreshälfte ging es dann wieder aufwärts. Wegen der milliardenschweren Diesel-Altlasten, die damals verbucht wurden, war das allerdings nicht sonderlich aufgefallen.

Von einer Normalisierung der Geschäfte ist Daimler dennoch weit entfernt. Für das laufende Jahr rechnet Vorstandschef Källenius zwar mit einer guten Entwicklung. Das erste Quartal werde allerdings voraussichtlich von den aktuellen Halbleiter-Engpässen und Beeinträchtigungen durch die Corona-Pandemie beeinflusst, hieß es. Sämtliche Aussagen stünden zudem unter der Annahme, dass keine weiteren Lockdown-Auswirkungen einträten. Auch muss der Konzern 2021 weiter an der Kostenschraube drehen. Vor allem aber geht es darum, die angekündigte Produktoffensive umzusetzen.

E-Luxuslimousine EQS erwartet

Allein in diesem Jahr bringt Mercedes vier neue "Stromer" auf den Markt. Den Anfang macht das Modell EQA, dessen Produktion im Werk Rastatt bereits begonnen hat. Verkaufsstart für den Kompakt-SUV ist der 4. Februar. Der EQS, die erste vollelektrische Mercedes-Limousine, soll in der ersten Jahreshälfte 2021 an den Start gehen. Das Auto wird als erster echter Hoffnungsträger im Wettbewerb mit Tesla vorgestellt.

Daimler-Chef Källenius verspricht für den EQS eine Reichweite von 700 Kilometern, einen XXL-Bildschirm sowie eine luxuriöse Innenausstattung. "In dieser Größe gibt es hier kein vergleichbares Wettbewerbsprodukt", verkündete der Schwede bei der Erstpräsentation des Autos. Ab dem kommenden Jahr soll das Portfolio acht vollelektrische Mercedes-EQ Modelle umfassen.

Führende Position bei E-Antrieben angestrebt

Dabei mangelt es den Stuttgartern nicht an Selbstbewusstsein. "Mercedes-Benz strebt die führende Position bei Elektroantrieben und Fahrzeug-Software an", heißt es in einer Mitte Dezember veröffentlichten Stellungnahme. Bis 2025 wollen die Schwaben mehr als zehn reine Elektroautos im Portfolio haben und etwa 25 Plug-in-Hybride.

Ehrgeizige Ziele hat der Konzern bei seinen bisherigen Elektromodellen jedoch verfehlt. So dürften Schätzungen zufolge im letzten Jahr vom EQC, dem ersten elektrischen SUV aus Stuttgart, nur 20.000 statt der erhofften 50.000 bis 60.000 Stück verkauft worden sein.

Dürftige Absatzzahlen

Auch die Absatzzahlen der elektrischen Großraumlimousine EQV und jene der neuen Strom-Smarts sind eher bescheiden ausgefallen. Kaum mehr als zwei Prozent aller Neuwagen, die Mercedes 2020 ausgeliefert hat, waren reine Elektroautos. Von den Kunden gut angenommen wurden dagegen Plug-in-Hybride. Deren Verkäufe konnte Daimler auf 115.000 Einheiten beinahe vervierfachen.

Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM), stellt Daimler in Sachen Elektromobilität und Innovationsstärke kein gutes Zeugnis aus. In einer von CAM erstellten Innovations-Rangliste, über die das "Handelsblatt" berichtet, befinden sich Daimler und BMW auf dem Elektromarkt nur im Mittelfeld, weit abgeschlagen hinter Tesla (Platz eins) und VW (Platz zwei). "Sie bringen zwar viele neue Modelle auf den Markt, aber bei Elektroinnovationen bleibt viel zu wünschen übrig", kritisiert Bratzel.

Über dieses Thema berichtete Bremen Eins am 25. Dezember 2021 um 07:00 Uhr.