Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender Daimler AG und der neue Daimler EQS

Neues Elektromodell EQS Daimlers Frontalangriff auf Tesla

Stand: 16.04.2021 11:13 Uhr

Mit der neuen vollelektrischen Luxuslimousine EQS will Daimler den Rückstand auf den Elektropionier Tesla wettmachen. Für Schwung durch starke Quartalszahlen ist gesorgt. Doch der Vorsprung des US-Rivalen ist groß.

"Tesla-Jäger ", "Tesla Fighter " oder sogar "Game Changer": Branchenexperten und Medien überschlagen sich mit Lob für die neue vollelektrische Daimler-Luxuslimousine EQS, die gestern ihre Weltpremiere feierte. Die Mercedes-S-Klasse ist für den Autobauer die weitaus wichtigste und prestigereichste Modellreihe - eine Visitenkarte für die autointeressierte Welt, mit der man sich von der besten Seite und auf der Höhe der Ingenieurskunst präsentierten will.

Im Herbst des vergangenen Jahres hatte der Autobauer bereits die S-Klasse mit Verbrennungsmotoren vorgestellt. Aber das war die Welt von gestern. Die Zukunft, und eigentlich auch schon die Gegenwart, gehört der Elektromobilität. Und hier bestimmte in den vergangenen Jahren der US-Konkurrent Tesla mit seinem Model S das Tempo.    

Die Zukunft verschlafen?

Das soll sich nach Daimlers Plänen ab jetzt ändern. "Der EQS wurde entwickelt, um selbst die Erwartungen unserer anspruchsvollsten Kunden zu übertreffen", wirbt der Vorstandschef Ola Källenius für das neue Luxusmodell. Vor allen Dingen geht es dem Management darum, den Vorsprung der Konkurrenz mit Tesla an der Spitze aufzuholen.  

"Die Bedeutung des EQS für den Ruf von Daimler als E-Auto-Bauer ist immens", sagte Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer gegenüber der Deutschen Welle. Das neue Fahrzeug sei zugleich Technologieträger und Symbol für die Innovationsfähigkeit des Konzerns.

Denn Kritiker haben dem Konzern lange Zeit mangelnde Innovationskraft vorgeworfen. Zu lange habe Daimler am Konzept von Benzin- und Dieselautos festgehalten, während Tesla längst die Zukunft gestaltet und sich einen technologischen Vorsprung erarbeitet habe, den es nun aufzuholen gelte.

Ab jetzt soll es schneller gehen     

Auch bei den Verkaufszahlen im E-Bereich liegt Tesla weit vorn. Im vergangenen Jahr erzielte das kalifornische Unternehmen mit fast 500.000 weltweit verkauften Fahrzeugen einen neuen Rekord.

Im ersten Quartal 2021 betrug der Anteil von E-Autos am Gesamtabsatz erst zehn Prozent, allerdings wächst dieser Sektor gerade stark. Nach aktuellem Stand peilt Daimler in seiner Pkw-Sparte bis 2030 einen Absatzanteil elektrifizierter Autos von "mehr als 50 Prozent" an. Dazu gehören sowohl rein elektrische Autos als auch Hybride.  

Laut Källenius könnte es auch schneller gehen. Zurzeit spüre man eine "starke Nachfrage" nach rein elektrischen Autos und Hybridfahrzeugen, sagte er bei der Vorstellung der neuen Elektro-Limousine. Wenn man dieses Momentum in die Zukunft projiziere, "dann kann es durchaus sein, dass die Planungsgrundlagen, die wir bisher gehabt haben, vielleicht zu konservativ sind, dass es schneller gehen kann, dass es mehr sein kann".

Tesla hat noch einen Vorsprung

Ab Sommer soll der vollelektrische EQS in den Verkauf gelangen. Der Preis ist noch nicht bekannt. Jürgen Pieper, Autoexperte beim Bankhaus Metzler, rechnet mit einem stolzen Preis von 150.000 Euro. Mit einer Reichweite von 770 Kilometern und der Schnelllademöglichkeit werde Daimlers EQS der wichtigste Herausforderer von Tesla, kommentierte Kai Alexander Müller, Autoanalyst von Barclays.

Die für dieses Jahr angekündigte zweite Generation von Teslas Model S soll 660 Kilometer weit kommen, ohne Strom nachladen zu müssen. Gleichwohl bleibe Tesla noch länger unerreicht, was die Software für Kommunikation und Unterhaltung im Auto betreffe, erklärte Metzler-Analyst Pieper. "Auch der EQS bietet noch nicht so viel wie Tesla, was Vernetzung und ständige Updatefähigkeit der Software angeht."

Trotzdem ist die Präsentation für Daimler ein Erfolg: "Der EQS sei die Herausforderung für reine E-Autohersteller, allen voran für den US-Elektroautopionier Tesla, meint Stephen Reitman, Analyst von Societe Generale.

Operatives Ergebnis verneunfacht - Anleger begeistert

Rückenwind erhält der Stuttgarter Autobauer aktuell auch von den frischen Quartalszahlen, die am Morgen veröffentlicht wurden. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg im ersten Quartal auf knapp 5,8 Milliarden Euro. Das war mehr als das Neunfache des vom Ausbruch der Corona-Pandemie geprägten ersten Quartals 2020 - und mehr als Experten prognostiziert hatten.

Angaben zum Umsatz und Überschuss machte Daimler noch nicht, aber klar ist, dass der Konzern insbesondere vom starken China-Geschäft profitierte. Daimler hatte für das ersten Quartal einen um 22 Prozent höheren Pkw-Absatz gemeldet, allein in China schnellten die Verkäufe um 60 Prozent in die Höhe.

Den Investoren gefallen die neusten Nachrichten aus Stuttgart. Mit einem Plus von knapp drei Prozent führt die Daimler-Aktie den DAX an.