Ein Mann pipettiert in einem Labor des biopharmazeutischen Unternehmens Curevac eine blaue Flüssigkeit. | dpa

Nach Zwischenanalyse CureVac verteidigt seinen Impfstoff

Stand: 18.06.2021 10:19 Uhr

Obwohl eine Zwischenanalyse dem Impfstoff von CureVac nur eine Wirksamkeit von 47 Prozent nachwies, will Firmen-Chef Haas von einem Misserfolg nichts wissen. Er hofft auf weitere Tests, damit das Vakzin doch noch die Marktreife erlangt.

Die negativen Nachrichten für das Tübinger Unternehmen CureVac reißen nicht ab. Erst hinkte die Firma bei Entwicklung seines Corona-Vakzins der Konkurrenz zeitlich hinter. Dann ging die Firma verspätet in die entscheidende Phase 3, um seinen Impfstoff zu erproben - damals gab es bereits mehrere Varianten des Coronavirus.

Die nächste Hiobsbotschaft folgte gestern: CureVac gab in einer Pflichtbörsenmitteilung bekannt, dass sein Corona-Vakzin einer Zwischenanalyse zufolge eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent gegen eine Covid-19-Erkrankung "jeglichen Schweregrades" habe. Bei den anderen in der EU zugelassenen Präparaten liegt der Wert deutlich höher.

"Wildtyp spielt kaum mehr ein Rolle"

Firmenchef Franz-Werner Haas ist nun in die Offensive gegangen. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa verteidigte er den Corona-Impfstoff des Unternehmens. Kein anderes Vakzin sei an so vielen Virusvarianten getestet worden, sagte er.

"Es ist faktisch eigentlich nicht korrekt, die Zahl der vorläufigen Wirksamkeit unseres Corona-Impfstoffs und die Zahlen zur Wirksamkeit anderer Impfstoffe nebeneinander zu stellen", sagte Haas. In der Studie zum Corona-Impfstoffkandidaten CVnCov seien 29 Virusvarianten enthalten. Das ursprüngliche Virus, der Wildtyp, spiele kaum mehr eine Rolle. "Die Zahlen zur Wirksamkeit der anderen Impfstoffe sähen vermutlich anders aus, wenn man deren Studien zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt hätte."

Studien-Abschluss in drei Wochen

Das Tübinger Unternehmen möchte in den kommenden zwei bis drei Wochen die Analyse der Daten aus der finalen Studienphase abschließen. Dabei werde sich die Wirksamkeit des Impfstoffs nochmals verändern, zeigte sich Haas überzeugt. Sobald dies abgeschlossen sei, werde CureVac mit der EMA beraten, ob man noch weitere Daten benötige.

Das Unternehmen ist weiter überzeugt, seinen Impfstoff bis zur Zulassung zu bringen. Haas zufolge soll dem auch eine möglicherweise relativ geringe Wirksamkeit nicht im Weg stehen. "Angesichts der Pandemie kann es nur heißen: Wenn es einen wirksamen Impfstoff gibt, sollte dieser auch zum Einsatz kommen." Haas verwies dabei auch auf die zahlreichen Entwicklungsländer, in denen bislang kaum oder gar keine Corona-Impfstoffe verfügbar sind.

Der wissenschaftliche Leiter der Impfstoff-Studie von CureVac, Peter Kremsner, meint, dass es sicher gelingen werde, den Impfstoff noch einsatzfähig zu machen. In einem Interview mit dem BR sagte er: "Das wird sicher klappen. Aus meiner Sicht wird das nicht in den nächsten Wochen gelingen. Aber es wird möglich sein, den Impfstoff so aufzubereiten, dass er sehr wirksam sein kann."

"Es war ein nobles Anliegen"

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schätzt, dass der Rückschlag beim Markteinstieg mit dazu beitragen wird, dass die Impfkampagne für zwei bis drei Wochen an Tempo verlieren könnte. Das Versprechen der Bundesregierung, bis Ende des Sommers allen Erwachsenen ein Impfangebot zu machen, sei nicht gefährdet. "Wir werden die Herdenimmunität Mitte September erreichen", sagte Lauterbach in den tagesthemen.

Lauterbach verwies darauf, dass das CureVac-Serum das "noble" Anliegen gehabt habe, ein preiswerter und sehr wirksamer Impfstoff zu sein. Er wäre damit gerade für ärmere Länder prädestiniert gewesen. Die EU hatte ärmeren Ländern 400 Millionen CureVac-Dosen versprochen. Lauterbach bewertete es als eine Tragödie, dass diese Lieferung nun wohl ausfällt.

Kein Rückzug des Investors

Die Mitteilung zur vorläufigen Wirksamkeit hatte einen drastischen Sturz des Börsenkurses von CureVac ausgelöst. Investor Dietmar Hopp glaubt dennoch weiter an das Unternehmen. Er bleibe auf alle Fälle als Investor erhalten, sagte er dem "Münchner Merkur". Er glaube felsenfest an das Unternehmen.

Der Bund hält ebenfalls an seiner Beteiligung an CureVac fest, wie das Wirtschaftsministerium erklärte. Der war im vergangenen Jahr über die Aufbaubank KfW mit 300 Millionen Euro bei CureVac eingestiegen und hält laut KfW damit einen Anteil von 16 Prozent. Dabei hat die Bundesregierung aber keinen Einfluss auf das operative Geschäft, erklärte die Ministeriumssprecherin.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. Juni 2021 um 02:35 Uhr.

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Moderation 18.06.2021 • 18:58 Uhr

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