Schweizer Flagge vor dem Gebäude der Credit Suisse in Zürich | picture alliance / dpa

Verlust nach Aktien-Zockerei Hedgefonds-Desaster trifft Credit Suisse

Stand: 06.04.2021 13:46 Uhr

Der Zusammenbruch eines Hedgefonds kostet die Schweizer Großbank Credit Suisse Milliarden. Als Konsequenz müssen zwei Top-Manager der Bank gehen. Der Hedgefonds Archegos Capital hatte sich mit Aktiengeschäften verspekuliert.

Der Zusammenbruch eines US-Hedgefonds hat der Schweizer Großbank Credit Suisse hohe Verluste beschert. Die Züricher Bank verbuchte durch die Probleme des Hedgefonds Archegos Capital eine Sonderbelastung von 4,4 Milliarden Schweizer Franken. Der Betrag entspricht umgerechnet rund vier Milliarden Euro. Dadurch rutschte das Schweizer Geldhaus im ersten Quartal in die Verlustzone.

Unter dem Strich lag das Minus bei rund 900 Millionen Franken, weil sich das Investmentbanking sowie das Geschäft im Bereich Vermögensverwaltung positiv entwickelten und die Folgen der Archegos-Capital-Probleme teilweise kompensieren konnten. Der erhebliche Verlust mit dem Hedgefonds sei inakzeptabel, erklärte Konzernchef Thomas Gottstein. "Wir werden aus diesen Angelegenheiten unsere Lehren ziehen."

Zwei Manager müssen gehen

Die Entwicklung hat zunächst unmittelbare Auswirkungen auf Risiko-Chefin Lara Warner und Investmentbanking-Chef Brian Chin. Beide Topmanager verlassen die Bank. Die Konzernleitung um Gottstein verzichtet auf Boni und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner auf 1,5 Millionen Franken seines Gehalts. Außerdem setzt die Bank den Rückkauf eigener Aktien im Volumen von mindestens einer Milliarde Franken aus und will die Dividende für das vergangene Jahr um rund zwei Drittel auf zehn Rappen je Papier kürzen.

Zockerei mit ViacomCBS

Auslöser für die Probleme bei Archegos war offenbar die Kursentwicklung der Aktie des US-Medienkonzerns ViacomCBS. Laut der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg soll sich Archegos in den vergangenen Monaten durch indirekte Käufe über spekulative Derivate wie sogenannte Swaps zu einem der größten Aktionäre von ViacomCBS aufgeschwungen haben. Durch die Art und Weise der Käufe musste Archegos nur einen kleinen Teil des nötigen Kapitals selbst bereitstellen. Der Rest kaum von Banken, die damit selbst erheblich ins Risiko gingen.

Gleichzeitig soll Archegos die Banken darüber nicht informiert haben, dass es diese Strategie gleich über eine ganze Reihe von Geldhäusern verfolgte. Den Banken war damit nicht bewusst, in welchem hohen Ausmaß der Hedgefonds tatsächlich agierte.

Seit Herbst vergangenen Jahres war der Aktienkurs von ViacomCBS von unter 30 auf über 100 Dollar geklettert. Das erhöhte Kursniveau nutzte der Medienkonzern schließlich, um sich frisches Kapital über neue Aktien und so genannte Wandelschuldverschreibungen zu besorgen. Dieses erhöhte Aktienangebot setzte den Kurs unter Druck. Weil der Hedgefonds die Forderungen der Banken nach mehr Sicherheiten nicht mehr erfüllte, stießen diese im großen Stil Viacom-CMS-Aktien ab, um auf diese Weise Liquidität zu schaffen. Das Papier fiel innerhalb weniger Tage von über 100 auf unter 50 Dollar. Mit dem Kurssturz lösten sich Milliardenwerte in Luft auf und bescherten einigen Banken wie der Credit Suisse horrende Verluste.

Keine Verluste für deutsche Banken

Von den teuren Verwerfungen sind offenbar keine hiesigen Geldhäuser betroffen. Torsten Schlüter vom Bundesverband deutscher Banken liegen keine Informationen von negativ betroffenen Geldhäusern in Deutschland vor. Der Sprecher verwies aber auf einen Bericht von Bloomberg. Demnach hat die Deutsche Bank Aktien von ViacomCBS offenbar rechtzeitig verkauft.

Zudem sollen sich laut Bloomberg Goldman Sachs und Morgan Stanley ebenfalls von den besagten Aktien getrennt haben. Die Credit Suisse und die japanische Investmentbank Nomura waren offenbar nicht so schnell. Nomura hatte in der vergangenen Woche den erwarteten Fehlbetrag durch die Hedgefonds-Schieflage mit zwei Milliarden Dollar angegeben.

"Deutsche Banken haben nach unseren Erkenntnissen nur in geringem Ausmaß in den US-Hedgefonds Archegos Capital investiert. Direkte Auswirkungen des Zahlungsausfalls auf den deutschen Bankensektor sollten deshalb überschaubar sein", hieß es auf Nachfrage von der Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin.

Nicht das erste Problem

Für die Credit Suisse ist die jüngste Entwicklung der zweite empfindliche Rückschlag im laufenden Jahr. Zuvor hatte die Pleite des britisch-australischen Finanzkonglomerats Greensill Capital die Credit Suisse getroffen. Derzeit versucht die Bank, möglichst viel der investierten rund zehn Milliarden Dollar für die Anleger mehrerer Lieferketten-Finanzierungsfonds zu retten, die sie gemeinsam mit Greensill aufgelegt hatte. Laut Reuters prüft die Großbank, Investoren bei möglichen Verlusten aus der eigenen Tasche zu entschädigen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 06. April 2021 um 13:42 Uhr.