Hinweisschild zu Coronatests am Münchener Flughafen |

Corona-Testpflicht Was müssen Reisende jetzt beachten?

Stand: 26.03.2021 16:47 Uhr

Seit Dienstag sind Einreisen nach Deutschland per Flugzeug nur noch nach Vorlage eines negativen Corona-Tests möglich. Was bedeutet das für Flugreisende?

Der Reisekonzern TUI reagiert gelassen auf die neue Einreiseverordnung der Bundesregierung, nach der Flugreisende nun nur dann noch nach Deutschland einreisen dürfen, wenn sie einen negativen Corona-Test vorweisen können. "Wir werden für die Rückkehrer in unseren eigenen Hotels und Robinson Clubs Testmöglichkeiten einrichten und wie vereinbart anbieten", sagt Konzernchef Fritz Joussen.

TUI hatte bereits im vergangenen Herbst entsprechende Erfahrungen gemacht, nachdem deutsche Urlauber bei der Einreise auf die Kanaren einen negativen Corona-Test vorlegen mussten. "Wenn Testen die Voraussetzung ist, um schrittweise mehr Freiheitsrechte zurückgeben zu können, dann sollten wir diesen Weg gehen - auch bei Hotels, Restaurants, Cafés und Kulturbetrieben in Deutschland", so der TUI-Chef.

Entspannung an deutschen Flughäfen

Ähnlich entspannt reagiert der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport. Er verweist auf Anfrage von tagesschau.de darauf, dass es sich um eine Einreiseverordnung handle, davon also Abflughäfen im Ausland und nicht die Flughäfen in Deutschland betroffen seien. Deshalb müssten hierzulande auch keine zusätzlichen Testkapazitäten eingerichtet werden.

Branchenbeobachtern zufolge dürften auch den Airlines keine zusätzlichen Kosten entstehen, haben die Reiserückkehrer doch in den meisten Ländern die Möglichkeit, sich außerhalb ihres Abflughafens testen zu lassen: in privaten Teststationen, Hotels oder Apotheken.

Nicht älter als 48 Stunden

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts muss ein ärztliches Zeugnis oder ein dokumentiertes negatives Testergebnis vorgelegt werden. Dringend empfohlen wird ein PCR-Test. Für Antigen(schnell)-Tests gilt, dass den zuständigen Gesundheitsbehörden Angaben zum Hersteller der Antigen(schnell)-Tests vorgelegt werden. Diese müssen die von der WHO empfohlenen Mindestkriterien für die Güte von SARS-CoV-2-Ag-Schnelltests erfüllen. Nähere Informationen hat das RKI unter diesem Link zusammengestellt.

Flugreisende müssen darauf achten, dass der Test höchstens 48 Stunden vor der Einreise nach Deutschland gemacht worden sein darf. Außerdem gilt die neue Vorschrift unabhängig von der Corona-Lage in dem Land, aus dem jemand nach Deutschland fliegt. Allerdings müssen die Reisenden die Kosten in der Regel selbst tragen. Bei einigen Urlausbreisen sind sie bereits im Preis enthalten.

Selbsttests werden nicht akzeptiert

Der ADAC verweist darauf, dass Corona-Selbsttests für zu Hause, die in vielen Ländern in Supermärkten oder Apotheken erhältlich sind, bei Ein- oder Ausreisekontrollen nicht als Testnachweis akzeptiert werden.

Branche warnt vor gestrandeten Urlaubern

Die im Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) organisierten Airlines warnen vor Problemen, denn in einigen Ländern gebe es nach wie vor zu wenig Testmöglichkeiten. Dies gelte besonders für bei Urlaubern beliebten Staaten wie Kuba, den Malediven und der Dominikanischen Republik.

Die Airlines seien zwar entschlossen, die Umsetzung der erweiterten Testpflicht bei Flügen zu unterstützen und die Passagiere darüber zu informieren, dass sie vor dem Abflug ein negatives Testergebnis vorweisen müssen. Weil aber die "Testinfrastruktur" in einigen Ländern noch nicht so ausgebaut ist wie in der EU oder den USA, sollte die Bundesregierung Ausnahmen von der Einreiseverordnung erlauben. "Sonst bleiben Passagiere im Ausland zurück", warnt der Verband und schlägt vor, dass sich Flugreisende in Ausnahmefällen nach Ankunft in Deutschland sofort noch am Zielflughafen testen lassen. "Wir bitten die Politik, diesen Vorschlag aufzugreifen, um zu verhindern, dass Passagiere aus Ländern mit unzureichender Testinfrastruktur stranden."

Jens Spahn hat bereits das Inkrafttreten der neuen Verordnung um einige Tage auf den 30. März verschoben. Der Minister begründete die neue Terminierung damit, dass Reisenden und Fluggesellschaften "etwas mehr Zeit" zur Vorbereitung gegeben werden solle.

Dem Flugverkehr neuen Schwung verleihen

Dass Passagiere nur noch mit einem negativen Corona-Test ein Flugzeug betreten dürfen, fordern Reiserechtler wie Philipp Kadelbach schon länger. Aus gutem Grund: "Wenn sich alle Passagiere vor einem Flug auf Corona testen lassen müssen, hilft das dabei, das Vertrauen in die Sicherheit des Flugbetriebes wiederherzustellen", sagte der Gründer des Fluggastrechtportals "Flightright" der Nachrichtenagentur dpa. Aus seiner Sicht bringen Antigen-Schnelltests ein ausreichendes Maß an Sicherheit. Die Kosten für die Tests, ob am Flughafen oder in einem Testzentrum am Wohnort der Reisenden, könnten bereits im Reisepreis enthalten sein.

Der Experte spricht sich zudem dafür aus, dass bereits geimpfte Personen ebenfalls an Bord kommen dürften - möglicherweise auch ohne Test, wenn nachgewiesen ist, dass sie das Coronavirus nicht weiter übertragen können.

Dennoch sollten die Reisebeschränkungen bei Nichtrisikoländern aus Sicht des BDL eine befristete Ausnahme bleiben. Mit der neuen Einreiseverordnung weiche die Bundesregierung von der sinnvollen und bewährten Unterscheidung von Risikogebieten und Nichtrisikogebieten ab. "Umso dringender ist es erforderlich, dass wir nach der zeitlich begrenzten Lockdown-Phase wieder zu differenzierteren Reiseregelungen zurückkehren, die sich am tatsächlichen Infektionsrisiko orientieren", so die Forderung.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 26. März 2021 um 10:05 Uhr und 11:05 Uhr.