Eine Pinzette hält eine der Paxlovid-Pillen gegen Covid-19. (Archivbild) | AFP

Arzneien gegen Covid-19 Deutschland wichtiger Produktionsstandort

Stand: 17.01.2022 11:19 Uhr

Nach Impfstoffen werden nun Corona-Medikamente für Infizierte zur nächsten Geschäftschance für die Pharmabranche. Deutschland wird bei der Produktion eine wichtige Rolle spielen.   

Bei Corona-Impfstoffen landete die deutsche Pharmaindustrie einen Coup; der Erfolg des Mainzer Herstellers BioNTech brachte der Branche internationales Renommee und milliardenschwere Geschäfte, mit der Aussicht auf erneut kräftig steigende Umsätze 2022.

Nun werden Corona-Medikamente für infizierte Patienten zur nächsten Chance. Zwar liegen im Fall der Therapeutika Konzerne aus der Schweiz, Großbritannien und den USA vorn. Doch bei Produktion und Verteilung spielen auch deutsche Standorte eine Rolle.

Pfizer stellt in Freiburg her

Der US-Konzern und BioNTech-Partner Pfizer stellt sein Medikament Paxlovid gegen schwere Covid-Verläufe hauptsächlich in Freiburg her. Nach Erhalt und Genehmigung des Wirkstoffs starte der Prozess zum Mischen, Granulieren, Pressen und Beschichten der Tabletten, sagt eine Sprecherin. Zudem werde in Freiburg, wo 1700 Menschen für Pfizer arbeiten, mit der Verpackung begonnen.

Pfizer rechnet damit, in diesem Jahr weltweit mindestens 120 Millionen Einheiten fertigzustellen, davon rund 30 Millionen in der ersten Jahreshälfte. "Wir sind dabei, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen und die Produktion weiter hochzufahren", kündigte das Unternehmen an.

Die Bundesregierung hat bereits eine Million Packungen von Paxlovid bestellt, im Januar könnten die ersten Lieferungen bereits eintreffen. Das Mittel eigne sich insbesondere für die Behandlung ungeimpfter Risikopatienten, heißt es. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat schon eine Notfallzulassung für das Medikament ausgesprochen, in der EU läuft die Prüfung noch.

Therapeutika sind wichtige Ergänzung

Eine weitere Arznei ist Roactemra vom Schweizer Konzern Roche, die gegen eine überschießende körpereigene Immunabwehr bei stark fortgeschrittenen Covid-Erkrankungen verabreicht wird. Das in der EU zugelassene Mittel wird unter anderem in Mannheim verpackt und abgefüllt. Dort und am bayerischen Standort Penzberg arbeiten mehr als 1000 Beschäftigte in der Steril-Abfüllung für den globalen Markt.

Gegen Corona-Erkrankungen im frühen Stadium lassen sich außerdem Antikörper einsetzen. Roche bietet etwa das Präparat Ronapreve mit den Antikörpern Casirvimab und Imedvimab an. Diese werden in den USA produziert, im südbadischen Grenzach ist die Qualitätssicherung und Freigabe der Chargen für Europa angesiedelt.

Medikamente gelten als Säule der Corona-Bekämpfung. Sie sind aber im Vergleich zu Impfungen teurer und in der Anwendung oft komplizierter. "Der große Gamechanger sind sicherlich die Impfstoffe, nicht die Therapeutika", sagt der Münchner Infektiologe Christoph Spinner. Therapeutika seien jedoch eine wichtige Ergänzung für "Menschen, die beispielsweise wegen einer chronischen Erkrankung nicht geimpft werden und damit keinen vergleichbaren Immunschutz aufbauen können".

37 Präparate in der Entwicklung

Bei der Behandlung von Covid-Patienten kommt auch das Medikament Dexamethason zum Einsatz, das der Darmstädter Pharmakonzern Merck unter dem Namen Fortecortin vermarktet. Das patentfreie Mittel ist schon seit langem in mehreren Anwendungsgebieten zugelassen und hilft bei der Sauerstoffgabe oder künstlichen Beatmung Corona-Kranker. In Darmstadt stellt Merck aus dem aktiven Wirkstoff alle flüssigen, injizierbaren Formen her. Das DAX-Unternehmen habe Zulassungen bei Covid-19-Indikation unter anderem für Deutschland, Österreich, die Schweiz und Tschechien, sagt ein Sprecher. "Weitere Aktivitäten für Nicht-EU-Länder laufen."

Auch deutsche Firmen forschen an Corona-Arzneien. Laut dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) sind 37 Präparate in der Entwicklung. Zugelassen ist aber noch keines. "Die Produktion von Corona-Impfstoffen ist in Deutschland in kurzer Zeit gewachsen und hat die Bedeutung des Pharmastandorts gesteigert", so Rolf Hömke vom vfa.

Getrieben von der Impfstoffnachfrage soll der Umsatz der Branche Schätzungen zufolge dieses Jahr um acht Prozent zulegen. Deutschland sei stark in komplexen Produktionsprozessen. "Bei Corona-Therapeutika ist die Chance ebenfalls da, dass die Produktion ausgeweitet wird", so Hömke.

Über dieses Thema berichtete Hallo Niedersachsen im NDR Fernsehen am 13. Dezember 2021 um 19:30 Uhr.