Sinovac und Sinopharm

Chinesische Impfstoffe schwach bei Omikron

Stand: 13.01.2022 10:43 Uhr

Omikron ist trotz Null-Covid-Politik auch in China angekommen. Fast drei Milliarden Impfdosen wurden in dem Land verimpft, das etwa 1,4 Milliarden Einwohner zählt. Vor Omikron schützen die eigenen Vakzine aber nur schlecht.

Von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking

Im Stadtzentrum von Shanghai werden die Menschen in Dauerschleife aus einem Mini-Lautsprecher aufgefordert, sich die dritte Impfung abzuholen. Im Gegenzug darf man an einer Lotterie teilnehmen. Kein Land hat mehr gegen Covid-19 geimpft als China. Bis zum 7. Januar habe die Volksrepublik knapp 2,9 Milliarden Impfdosen verabreicht, so der Sprecher der Nationalen Gesundheitskommission Mi Feng. Vollständig geimpft seien 1,2 von 1,4 Milliarden Menschen.

In China werden nur Impfstoffe verimpft, die in der Volksrepublik auch entwickelt und produziert werden - hauptsächlich Sinopharm und Sinovac. Dabei handelt es sich um klassische Tot-Impfstoffe, ähnlich wie beispielsweise bei Grippeschutzpräparaten.

Die Impfquote der zwei Mal Geimpften liegt in China nach offiziellen Angaben zwischen 80 und 90 Prozent. Jetzt läuft die Kampagne für Auffrischungen. Im Ausgangsland der Covid-19-Pandemie sind allein im Januar bisher mehr als 300 Millionen Booster verabreicht worden.

In China werden ausschließlich chinesische Impfstoffe genutzt.

"Wenn die Mehrheit der Menschen dort zwei Mal mit einem klassischen Totimpfstoff geimpft ist oder auch drei Mal - das scheint auch nicht so viel zu bringen, dann ist die Ansteckungsgefahr erhöht, das würde ich so einschätzen tatsächlich", sagt Friedemann Weber, Professor für Virologie und Leiter des selbigen Instituts an der Uni Gießen in Hessen. "Das könnte konkret bedeuten, dass Omikron dort noch mehr freie Bahn hat als bei uns schon."

Internationale Studien verweisen seit langem darauf, dass die chinesischen Impfstoffe weniger gut vor Ansteckung schützen als mRNA oder Vektor-Impfstoffe - wie beispielsweise die von BioNTech/Pfizer oder AstraZeneca. Und bei der Omikron-Variante nimmt der Schutz vor einer Ansteckung noch weiter ab, so jüngst eine Studie der Universität Hongkong (HKU).

Dennoch, die chinesischen Impfstoffe schützten vor schweren Verläufen und davor, dass man im Krankenhaus landet. Das zeigten Studien, so Abdi Mahamud von der Weltgesundheitsorganisation. Die WHO gehe davon aus, dass dies auch bei der Omikron-Variante der Fall sei. Vorläufige Daten aus Singapur deuten allerdings darauf hin, dass die chinesischen Impfstoffe weniger gut vor einem tödlichen Verlauf schützen als mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna. Die Wahrscheinlichkeit an oder mit Covid zu sterben, ist demnach deutlich höher, wenn man mit den chinesischen Impfstoffen geimpft ist.

Chinesische Impfstoffe schützen zwar vor einer schweren Erkrankung, aber nicht so gut wie mRNA-Impfstoffe.

Laut Professor Friedemann Weber von der Uni Gießen gäbe es einen relativ einfachen Weg, um den Schutz der Bevölkerung in China zu verbessern: "Man weiß mittlerweile, dass wenn Menschen zwei Mal mit Totimpfstoff geimpft wurden und dann ein drittes Mal einen mRNA-Impfstoff bekommen, dass dann auch der Schutz vor Infektionen wieder sehr gut ist."

In China hat allerdings die Staats- und Parteiführung verhindert, dass der mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer in der Volksrepublik produziert und verimpft wird. Offiziell habe es Probleme bei der Zulassung gegeben. Kritiker sagen, China habe gepokert - in der Hoffnung, einen eigenen mRNA-Impfstoff schnell auf den Markt bringen zu können. Doch selbst wenn dieser jetzt käme, für die Omikron-Variante ist es zu spät.

Die ersten lokal übertragenen Omikron-Fälle gibt es in China bereits, genaue Zahlen haben die Behörden nicht mitgeteilt. Wie gewohnt reagiert die Staats- und Parteiführung mit harten Lockdowns, Reiseverboten und Massentests. Doch internationale Experten bezweifeln, dass sich die Null-Covid-Strategie auch bei der hochansteckenden Omikron-Variante durchziehen lässt.

Dazu kommt, dass in den kommenden Wochen Tausende Menschen aus der ganzen Welt zu den Olympischen Winterspielen nach China kommen werden. Die meisten davon sind zwar geimpft, reisen aber ohne Quarantäne ein. Die Spiele sollen ab Anfang Februar komplett abgeschottet vom Rest des Landes stattfinden. Beobachter befürchten aber dennoch, dass Infektionen nach außen getragen werden.

Tausende Menschen werden wegen der Olympischen Winterspiele nach China kommen. Dadurch könnte es zu weiteren Infektionen kommen.

Außerdem steht die große Reisewelle zum chinesischen Neujahr kurz bevor. Hunderte Millionen Chinesinnen und Chinesen fahren dann traditionell quer durchs Land zu ihren Familien.

Der Virologe Alexander Kekulé zeichnet im MDR-Corona-Podcast ein düsteres Bild. "Es ist so, dass von den Fachleuten niemand hier nicht die Katastrophe kommen sieht. Alle sagen, da gibt es keinen vernünftigen Ausweg und wir haben Angst. Es geht ja nicht nur um die Menschen in China, sondern auch um die weltweiten wirtschaftlichen Verflechtungen." Das werde nicht ewig funktionieren, so Kekulé. China fahre da in gewisser Weise gegen die Wand. "Und das betrifft uns dann alle."

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Omikron in China: Wie gut wirken die Impfstoffe?
Benjamin Eyssel, ARD Peking
13.01.2022 08:34 Uhr